Entwicklung der Winterbestände von Weißwangengänsen (Branta leucopsis) in Niedersachsen
Vor allem das Grünland, das im norddeutschen Raum größere Flächen umfasst, bietet den Vögeln ideale Bedingungen, um Nahrung zu finden und sich für ihren Zugweg die nötigen Fettreserven anzulegen. Das wiederum zieht regelmäßig Konflikte mit den Bewirtschaftern in solchen Rastgebieten nach sich.
Die Suche nach geeigneten Wegen, um sowohl den Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe als auch der internationalen Verantwortlichkeit zum Schutz der nordischen Gänse gerecht zu werden, setzt zunächst genauere Kenntnisse über das Rastgeschehen und über die Bestandsgrößen der Gänse voraus. Dazu koordiniert die Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN verschiedene Monitoringprogramme, vielfach unter Einbeziehung von Ehrenamtlichen, und beauftragt systematische Zählungen auf mittlerweile mehr als 125.000 ha Fläche. Zudem trägt das Internetportal ornitho.de regelmäßig und zeitnah Gänsedaten von Vogelkundlern zusammen.
Auf Grundlage dieser Meldungen und Daten wurden die winterlichen Rastbestände der Weißwangengänse ab 2017 landesweit ausgewertet. Die Entwicklung dieser niedersächsischen Bestände lässt sich am besten anhand der sogenannten Mittwinterzählung ablesen, die stets im Januar stattfindet. Die Zählung erfolgt synchron und wird international durchgeführt. Die Auswertung durch die Staatliche Vogelschutzwarte ergab dabei die folgenden Ergebnisse für Niedersachsen.
| Mittwinterzählung im Januar | Rastbestände |
| 2017 | 139.308 |
| 2018 | 164.665 |
| 2019 | 185.672 |
| 2020 | 253.166 |
| 2021 | 273.135 |
| 2022 | 254.576 |
| 2023 | 341.180*) |
| 2024 | 277.202 |
| 2025 | 197.573 |
| Datenstand Februar 2026 | |
Die jüngsten Zahlen entsprechen in etwa der bisherigen Schätzung von 260.000 bis 270.000 Weißwangengänsen, die pro Saison innerhalb des Landes anzutreffen sind. Die Auswertungen werden kontinuierlich fortgeführt.
Hinweis:
Für vergleichende Betrachtungen können nur die Werte der seit 2017 durchgehend beauftragten Monitoringflächen herangezogen werden (s. Abb. A). Durch dieses Monitoring lassen sich eindeutige Trends erkennen, die belegen, dass die Mittwinter-Rastbestände unter anderen der Weißwangengans in Niedersachsen in den letzten Jahren stabil sind und sich nicht mehr exponentiell vergrößern. Diese Ergebnisse werden auch durch internationale Veröffentlichungen bestätigt (JOHNSON et al. 2024**). Hier wird die zusammenführende Wertung aller europäischen Rastbestände dargestellt.
Abbildung B stellt auch die seit 2021 zusätzlich kontinuierlich erfassten Flächen dar. Teilweise liegen diese außerhalb der EU-Vogelschutzgebiete.
Aus diesen Mittwinterzählungen in den EU-Vogelschutzgebieten kann jedoch nicht der absolute Rastbestand für Niedersachsen abgelesen werden, ebenso ist eine flächendeckende Erfassung außerhalb der Vogelschutzgebiete nicht erreichbar. Die Hauptrastgebiete befinden sich jedoch innerhalb der für die arktischen Gänse ausgewiesenen EU-Vogelschutzgebiete. Somit werden gut 70 % des Gesamtrastbestandes durch das Monitoring erfasst.
*) Die Rastbestandszunahme in 2023 kann durch den milden Winter und das dadurch in den letzten Jahren beobachtete veränderte Zugverhalten der Weißwangengänse erklärt werden. In milden Wintern unterlassen die Tiere den Weiterzug in die angestammten südlicheren Winterrastgebiete.
**) JOHNSON, F.A., SØRENSEN, I. H., BAVECO, H., KOFFIJBERG, K., GERMAIN, R. R. & MADSEN, J. (2024): Population Status and Assessment Report 2024. – EGMP Technical Report No. 22. Bonn, Germany.
Artikel-Informationen

