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Klimafolgen - Welche Bereiche sind betroffen?

Die Auswirkungen des Klimawandels werden als Klimafolgen oder Klimawirkung bezeichnet.

Vorhandene Klimaprojektionen belegen eine zukünftige Verstärkung der bereits heute erkennbaren Klimafolgen. Diese haben verschiedenste Auswirkungen auf die Wasserwirtschaft in Niedersachsen. Durch veränderte Niederschlagsmuster und damit einhergehende Änderungen des Abflussverhaltens können unter anderem der Hochwasser- und Küstenschutz, der Grund- und Trinkwasserschutz, die Talsperrenbewirtschaftung sowie die Siedlungswasserwirtschaft beeinflusst werden.

Untersuchungen zu den Klimafolgen für die Wasserwirtschaft sind in der Klimawirkungsstudie Niedersachsen veröffentlicht. Diese stellt eine umfangreiche Datenbasis zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Grundwasser, Böden und Oberflächengewässer zur Verfügung.

Erkenntnisse zu den Klimafolgen verschiedener sektoraler Handlungsfelder in Niedersachsen wurden bereits 2012 in der Empfehlung für eine niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels der Regierungskommission Klimaschutz veröffentlicht. Insbesondere wurden die Handlungsfelder Wasserwirtschaft, Küstenschutz, Landwirtschaft, Garten- und Obstbau, Fischerei, Wald-und Forstwirtschaft, Biodiversität und Naturschutz, Bodenschutz, Industrie und Gewerbe, Energiewirtschaft, Bauwesen, Verkehrswege- und Netze, Tourismus, Gesundheitswesen, Katastrophenschutz sowie Räumliche Planung betrachtet.

Klimatische Wirkungen, die unmittelbar Einfluss auf die Wasserwirtschaft haben:
Starkregen vor einem Haus   Bildrechte: pixelio / www.pixelio.de, Karl Heinz Laube

Extreme Niederschläge:

Große Niederschlagsmengen über längere Zeiträume oder sehr heftige Niederschläge über kurze Zeiträume (sog. Starkregen) können zu Hochwasser und Überschwemmungen führen. Solche Ereignisse werden zukünftig häufiger beziehungsweise intensiver auftreten. Besonders betroffen sind verdichtete oder versiegelte Bereiche und enge besiedelte Täler. Hohe Fließgeschwindigkeiten und Überflutungshöhen können hier gravierende Schäden anrichten z. B. durch die Überlastungen der Entwässerungssysteme, die Unterspülungen von Fundamenten und natürlich die Gefahr des Ertrinkens. Analysen der Hochwasserverhältnisse in Niedersachsen finden Sie auf den Seiten zu dem Projekt KliBiW des NLWKN.



trockenes Flussbett Bildrechte: pixabay

Extreme Trockenzeiten:

Geringe oder fehlende Niederschläge bei gleichzeitig hohen Temperaturen können zu extremen Trocken- bzw. Niedrigwasserphasen führen. Solche Ereignisse werden zukünftig häufiger auftreten und länger andauern. Wasserwirtschaftliche Nutzungen, wie z. B. die Schifffahrt, Wasserentnahmen für Bewässerungszwecke, die industrielle Brauch- und Kühlwassernutzung, die Einleitungen von Kläranlagen sowie die Gewässerökologie werden dadurch erheblich beeinträchtigt. Analysen der Niedrigwasserverhältnisse in Niedersachsen finden Sie auf den Seiten zu dem Projekt KliBiW des NLWKN.

Der Klimawandel beeinflusst sämtliche Handlungsfelder in der Wasserwirtschaft im Wasserkreislauf.   Bildrechte: NLWKN
Der Klimawandel beeinflusst sämtliche Handlungsfelder der Wasserwirtschaft im Wasserkreislauf.
Fluss mit Hochwasser und zur Hälfte überschwemmter Sitzbank Bildrechte: pixabay

Hochwasser- und Küstenschutz:

Das Risiko starker Überschwemmungen an Flüssen wird sich an vielen Orten erhöhen. Die Folgen sind große finanzielle Schäden, Verschmutzungen der Umwelt beispielsweise durch beschädigte Heizöltanks bis hin zu Verletzten oder sogar Todesopfern. Das Hochwasserinformationsportal des NLWKN bietet weitere Informationen zum Hochwasserschutz in Niedersachsen. Analysen der Hochwasserverhältnisse in Niedersachsen können Sie auf den Seiten zu dem Projekt KliBiW des NLWKN einsehen.

Für die Küstenorte wird der Anstieg des Meeresspiegels bedrohliche Auswirkungen zur Folge haben. Hochwasserschutzbauten und Deiche müssen verstärkt oder erhöht werden, um die Menschen und das zu schützen. Weitere Informationen zum Küstenschutz in Niedersachsen finden Sie hier.

überflutete Straße   Bildrechte: pixabay

Starkregen und Sturzfluten:

Starkregen mit der Gefahr von wild abfließendem Oberflächenabfluss oder Sturzfluten kann überall auftreten. Zukünftig nimmt das Risiko solcher Ereignisse weiter zu. Als Folge kommt es neben Überschwemmungen auch zu Hangrutschungen, Bodenerosion, massiver Bewegung von Schlamm und Geröll sowie Baumentwurzelungen. Unter der Rubrik Notfall und Vorsorge finden Sie Informationen zur Eigenvorsorge sowie weitere Links zu Starkregen und Vorsorgemaßnahmen im Hochwasserfall.

Wasserglas Bildrechte: pixabay

Grund- und Trinkwasserschutz:

86 % des Trinkwassers werden in Niedersachsen aus dem Grundwasser gewonnen. Zukünftig länger anhaltende oder intensivere Trockenperioden können die Grundwasserneubildung beeinflussen. Sinkt der Grundwasserstand unter bestimmte kritische Werte, könnte nicht nur die Menge des zur Verfügung stehenden Grundwassers problematisch werden. Auch die Wasserqualität kann sich durch die erhöhte Konzentration von geogenen (das heißt natürlich vorkommenden) und anthropogenen (durch den Menschen verursachten) Stoffen verschlechtern. Weitere Informationen finden Sie auf den NLWKN-Seiten zum Thema Grundwasserschutz sowie unter Modell- und Pilotprojekte zum Grundwasserschutz.

Okerstaumauer mit Schiff davor Bildrechte: pixabay

Talsperrenbewirtschaftung:

Die Bewirtschaftung der sechs großen Stauseen im Westharz sowie der Talsperren an Söse, Oder, Ecker, Oker, Innerste und Grane dient vor allem dem Hochwasserschutz, der Trinkwassergewinnung, der Energieerzeugung und der Aufhöhung des Niedrigwasserabflusses im Unterlauf der Talsperren. Extreme Hochwasserereignisse als auch extreme Trockenzeiten in sehr kurzer jährlicher Abfolge stellen die Talsperrenbewirtschaftung vor besondere Herausforderungen. Bei zunehmender Trockenheit kann es durch einen erhöhten Wasserbedarf bei gleichzeitig hoher Verdunstung zu Engpässen in der Wasserversorgung kommen.

Klärwerk Bildrechte: pixabay

Siedlungswasserwirtschaft:

Eine Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen wird eine stärkere hydraulische Belastung der Kanalnetze und der Anlagen zur Regenwasserbehandlung und -rückhaltung bewirken. Überstau- und Überflutungsereignisse werden in bestehenden Kanalnetzen zunehmen. Eine Zunahme sommerlicher Trockenwetterperioden wird zu abnehmenden Niedrigwasserabflüssen und höheren Gewässertemperaturen führen. Dies kann die Belastbarkeit der Fließgewässer als Vorfluter für Anlagen der Siedlungsentwässerung verringern und Einleitungsbeschränkungen infolge immissionsbedingter Anforderungen nach sich ziehen.

Weitere betroffene Bereiche

älteres Ehepaar sitzend auf einer Parkbank mit Regenschirm als Sonnenschutz   Bildrechte: pixabay

Gesundheit:

Durch die globale Erwärmung kommt es zu extremen Hitzewellen. Diese belasten zusammen mit erhöhten Feinstaub- und Ozonwerten sowie einer ausgedehnteren Pollen-Saison aufgrund verlängerter Blühphasen von Bäumen, Sträuchern und Gräsern die Menschen. Es kann zur Vermehrung von Zecken und Mücken kommen, die Krankheitserreger übertragen. Vor allem Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen, die im Freien arbeiten, sind häufiger betroffen.

große Wasserfläche auf einem Acker   Bildrechte: pixabay

Landwirtschaft:

Klimafolgen wie langanhaltende Hitze und Starkregen beeinflussen die Landwirtschaft. Durch steigende Durchschnittstemperaturen verschiebt sich der Vegetationszeitraum, und das Risiko, dass Wachstumsphasen in Spätfrostzeiträumen auftreten, nimmt zu. Milde Winter führen zur Zunahme von Pilzen, Viren und Schadinsekten. Weitere Folgen von Hitze sind die Abnahme der Kornzahl und –qualität von Getreide und Sonnenbrand an Früchten. Weiden und Wiesen verdorren, Tierfutter kann somit knapp werden. Zudem kann die Wasserentnahme zur Bewässerung der Felder beeinflusst sein.

Starkregen verursacht hingegen Bodenverschlämmung, Erosionen und Zerstörung der Ernte.

Fichtenwald   Bildrechte: pixabay

Wald- und Forstwirtschaft:

Witterungsextreme wie Hitze, Trockenheit und Stürme häufen und verschärfen sich und bedeuten eine große Gefahr für den Wald. Bäume werden dadurch geschwächt und können leichter von Schädlingen (beispielsweise Insekten wie der Borkenkäfer) befallen werden. Durch die Trockenheit nimmt außerdem die Gefahr von Waldbränden zu.

überflutete Landstraße mit LKWs Bildrechte: pixabay

Verkehr:

Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme, Hitzewellen, Hagel, Hoch- und Niedrigwasser etc. können im Zuge des Klimawandels vermehrt auftreten. Sie beeinträchtigen den Verkehr auf Straßen, Schienen, in der Luft und auf dem Wasser. Starkregen überflutet oder unterspült die Straßen, die Binnenschifffahrt ist bei Hoch- oder Niedrigwasser nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, und hohe Temperaturen können zu Schäden an Straßenbelägen und Schienen führen.

Atomkraftwerk vor einem Fluss   Bildrechte: pixabay

Energieproduktion:

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Energiegewinnung und -versorgung. Die Entnahme und Einspeisung von Kühlwasser aus beziehungsweise in Flüsse/n wird bei Niedrigwasser erschwert. Es steht entweder nicht genug Wasser zu Kühlung zur Verfügung, oder die Wassertemperatur ist zu hoch. Im Extremfall führt dies zur Abschaltung von Kraftwerken. Zu warmes Wasser gefährdet zudem die Tier- und Pflanzenwelt der Flüsse.

Weitere Bereiche aus der Wasserwirtschaft, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind:

  • Niederungsentwässerung an der Küste
  • Meeresschutz
  • Gewässerökosystemschutz
  • Öffentliche Wasserversorgung
  • Wasserkraftnutzung
  • Schiffbarkeit
Weitere betroffene Bereiche aus anderen Sektoren:

  • Tourismus
  • Raum-, Regional- und Bauleitplanung
  • Industrie und Gewerbe
  • Fischerei
  • Finanz- und Versicherungswirtschaft
  • Boden
  • Biologische Vielfalt
  • Bevölkerungs- und Katastrophenschutz
  • Bauwesen


Klimafolgen in Niedersachsen:

Infos zum Basiswissen weltweiter Klimafolgen finden Sie unter:

Die vom Weltklimarat veröffentlichten IPCC-Berichte sind die weltweit bedeutendsten Sachstandsberichte zur Klimaforschung.

Deutsche Übersetzungen können von der Webseite der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Uwe Petry

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
An der Scharlake 39
D-31135 Hildesheim

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