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Monitoring des ökologischen Erfolgs von Fließgewässerentwicklungsmaßnahmen

Biologische Begleituntersuchungen helfen bei der Bewertung


Alter Lauf der Schunter im Mai 2010   Bildrechte: Claudia Wolff
Abb. 1: Der alte Lauf der Schunter im Mai 2010.

Von Claudia Wolff, Oliver-D. Finch, Petra Neumann

Die meisten Flüsse und Bäche in Niedersachsen wurden jahrzehntelang durch diverse menschliche Tätigkeiten wie zum Beispiel Gewässerbegradigungen ökologisch stark beeinträchtigt. Daher sind heute hydro-morphologische Maßnahmen (vgl. Band 2 & 10 der NLWKN-Schriftenreihe Wasserrahmenrichtlinie), also Schritte zur Strukturverbesserung von Fließgewässern, ein entscheidendes Mittel, um die gewässerökologischen Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zu erreichen.

Da die Effektivität verschiedener Maßnahmen in Bezug auf die im Wasser lebende Fauna und Flora vielfach noch unzureichend im Detail untersucht und belegt ist, wird in Niedersachsen ein maßnahmenbegleitendes, biologisches Monitoring durchgeführt. Damit wird geprüft, ob die Maßnahmen auch tatsächlich zur Verbesserung des ökologischen Zustands beitragen.

Eingebaute Totholzelemente   Bildrechte: Claudia Wolff
Abb. 2: Eingebaute Totholzelemente.
Dazu hat der NLWKN in Niedersachsen in den letzten Jahren landesweit repräsentative und auf bestimmte Maßnahmentypen ausgelegte Vorhaben aus dem Bau- und Finanzierungsprogramm Fließgewässerentwicklung (FGE) für ein maßnahmenbegleitendes Monitoring identifiziert. Die Untersuchungen wurden vom Land Niedersachsen finanziert und erfolgten auf Grundlage des vom NLWKN im Jahr 2012 veröffentlichten Merkblatts (Band 8). Für die mittlerweile untersuchten 13 Vorhaben führten die umgesetzten Fließgewässerentwicklungsmaßnahmen zu ökologischen Verbesserungen in unterschiedlichem Umfang. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse hat der NLWKN Vorschläge zur Optimierung einzelner Maßnahmen entwickelt.

Beispiel: Ergebnisse des Monitorings an der Schunter
Exemplarisch werden die Monitoringergebnisse einer Entwicklungsmaßnahme am kleinen Fluss Schunter im süd-östlichen Niedersachsen vorgestellt: Die Schunter ist in weiten Teilen ein begradigter, ausgebauter, strukturarmer Tieflandfluss (s. Abb. 1) mit einer entsprechend artenarmen aquatischen Flora und Fauna. Im Jahre 2010/11 wurde in den Stemmwiesen im Landkreis Helmstedt ein rund zwei Kilometer langer Abschnitt mäandrierend in die ursprünglich tiefste Talsohle verlegt, mit variierenden Breiten und Tiefen gestaltet sowie mit Kies und Totholz angereichert (s. Abb. 2). Außerdem wurden in der Aue Stillwasserbereiche geschaffen und an die Schunter angebunden.

Die Renaturierung hat die Strukturvielfalt im und am Gewässer sowie in der Aue wesentlich erhöht wie ein Vergleich der Strukturkartierungen des alten und neuen Laufs deutlich zeigt (s. Abb. 3).

Kartendarstellung der Lage Bildrechte: NLWKN
Nordöstlich von Braunschweig liegt das Renaturierungsgebiet Stemmwiesen.
Artenreiches Wasserpflanzenaufkommen im neuen Gewässerverlauf.   Bildrechte: C. Wolff
Abb. 4: Artenreiches Wasserpflanzenaufkommen im neuen Gewässerverlauf.

Die Ergebnisse des 2018-2019 durchgeführten biologischen Monitorings zeigen eine tendenzielle Verbesserung der aquatischen Flora und Fauna, wenn man die oberhalb im alten Lauf gelegene Referenzstelle mit den drei Messstellen im renaturierten, neuen Lauf vergleicht (s. Tab. 1). Insbesondere die Wasserpflanzen-Besiedlung (s. Abb. 4) ist im neuen Gewässerlauf eindeutig um eine Klasse besser.







Tab. 1: Bewertungen der ökologischen Qualitätskomponenten in der Schunter im renaturierten Bereich

Ökologische
Bewertungsklasse

Bewertung Referenzmessstelle
oberhalb (Alter Lauf)

Bewertung renaturierter Abschnitt

Messstelle 1 Messstelle 2 Messstelle 3
Wasserpflanzen unbefriedigend mäßig mäßig mäßig
Makrozoobenthos¹ mäßig mäßig mäßig gut
Fische (gepoolte Daten²) gut
¹ auf/im Substrat lebende, wirbellose Tiere
² das Fisch-Bewertungssystem ergab für die einzelnen Messstellen keine gesicherten Ergebnisse

Die Makrozoobenthos-Gemeinschaft hat sich insbesondere an Messstelle 3 positiv entwickelt und erreicht dort sogar das gute ökologische Potenzial. Die Fischfauna zeigt für den gesamten Gewässerabschnitt ein gutes ökologisches Potenzial an – was im Vergleich zu den anderen Qualitätskomponenten sehr positiv zu beurteilen ist.

Die Artenvielfalt aller drei Organismengruppen hat sich gegenüber früheren Monitoringdaten vor der Renaturierung deutlich erhöht. Bei den Wirbellosen hat sich die Anzahl gefährdeter Rote Liste-Arten sogar verdoppelt. Allerdings werden einzelne, typische Arten, wie zum Beispiel Steinfliegenarten oder bei den Fischen die Quappe und das Bachneunauge noch vermisst. Die Individuenzahlen der Fische haben sich im Vergleich zu früher deutlich erhöht.

Dass sich insbesondere das Makrozoobenthos an den Messstellen 1 und 2 noch nicht gut genug entwickelt hat, resultiert vermutlich aus zu geringen Fließgeschwindigkeiten und damit einhergehenden Schlammablagerungen, die den eingebrachten Kies überdecken. Daher wird als Optimierungsmaßnahme vorgeschlagen, den Abfluss im neuen Gerinne zu erhöhen, damit die wertvollen Kiessubstrate von Feinsedimenten frei gespült und generell eigendynamische Prozesse verstärkt werden. Zur Profileinengung könnte zusätzlicher Kies und weiteres Totholz eventuell auch in Form von Strömungslenkern eingebracht werden.

Im Großen und Ganzen entwickelt sich der renaturierte Bereich der Schunter sehr positiv und wird auf angrenzende Gewässerabschnitte eine positive ökologische Strahlwirkung haben. Um die weitere Entwicklung beurteilen zu können und gegebenenfalls weitere Optimierungsmaßnahmen zu ermitteln, sollte das Monitoring in sieben bis zehn Jahren wiederholt werden.

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