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Verbesserung von Lebensraumqualitäten für Wiesenvögel in der Bedekaspeler Marsch

von Heinrich Pegel, Helmut Dieckschäfer, Mike Stöter, Henning Paulsen-Jacobs und Thomas Schoneboom

Für die Wiesenbrüter unter den Vögeln wird das Auffinden eines gut geeigneten Brutplatzes immer schwieriger. Die intensive Nutzung unserer Kulturlandschaft bietet immer weniger Lebensraum unter sich verschlechternden Bedingungen. Für den gefährdeten Kiebitz und die stark gefährdeten Arten Großer Brachvogel, Rotschenkel und Uferschnepfe sollen sich die Lebensraumbedingungen auf Flächen in der Gemeinde Südbrookmerland im Landkreis Aurich hingegen deutlich verbessern. Das 44 ha große Gebiet befindet sich zwischen dem Loppersumer Meer und dem Großen Meer. Es gehört in Gänze zum EU-Vogelschutzgebiet „Ostfriesische Meere“ und in Teilen zum FFH-Gebiet „Großes Meer und Loppersumer Meer“ und wird als Grünland genutzt.

Übersichtskarte Plangebiet  
Übersichtskarte Plangebiet
Ausführungsplan  
Ausführungsplan
Ausdehnung verschiedener geplanter Wasserstände (hellblau max. Einstau = rd. 14 ha)  
Ausdehnung verschiedener geplanter Wasserstände (hellblau max. Einstau = rd. 14 ha)
Mike Hermann Stöter (li.) und Heinrich Pegel (re.) erörtern vor Ort die Pläne für die Optimierung der Grünlandflächen  
Mike Hermann Stöter (li.) und Heinrich Pegel (re.) erörtern vor Ort die Pläne für die Optimierung der Grünlandflächen
Bauauftakt vor Ort  
Bauauftakt vor Ort
Aufweitung und Abflachung von Grabenufern  
Aufweitung und Abflachung von Grabenufern

Durch die Rückhaltung von Niederschlags- und Grundwasser sowie eine extensive, wiesenbrütergerechte Nutzung des Grünlandes soll ein artenreiches Feucht- und Nassgrünland entwickelt werden. Während der Brutzeit der Wiesenvögel wird für die Nahrungssuche der Boden nass und stocherfähig gehalten. Dies wird durch ein Stauwehr erreicht, das im Hauptvorfluter, dem Groß-Sanderschloot, eingebaut wurde. Damit das Niederschlagswasser nicht an anderer Stelle aus dem Gebiet herausfließt, wurden an den Grenzen des Gebietes alle anderen Gräben verschlossen und über eine Länge von rd. 750 m flache Erdwälle angelegt. Der Boden für die Erdwälle entstammt aus Grabenaufweitungen und der Abflachung der Grabenböschungen, die für eine naturnähere Gestaltung der Gewässer innerhalb des Gebietes sorgen sollen.

Im Sommer werden die Wasserstände abgesenkt und eine sichere landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit einem späten Mahdtermin und geringen Beweidungsdichten ermöglicht.Das Stauwehr ist automatisch regelbar und kann aus der Ferne gesteuert werden. Es bietet damit die Möglichkeit, den Ansprüchen der Brutvögel gerecht zu werden, eine extensive Bewirtschaftung zu ermöglichen und Niederschlagswasser in abflussreichen Zeiten zurückzuhalten. Dieser zusätzliche Speicherraum wirkt sich positiv auf das Wassermanagement im Verbandsgebiet des I. Emder Entwässerungsverbandes aus.

Zur Vervollständigung des Vorhabens wird im Sommer 2021 die alte Schöpfwerkspumpe im Unterschöpfwerk Groß-Sande durch eine leistungsstärkere und fischschonende Schneckenpumpe ersetzt, sodass damit auch die ökologische Durchgängigkeit für Fische verbessert werden kann. Die Propellerpumpe läuft noch mit einer hohen Drehzahl, wodurch Fischschädigungen begünstigt werden. Die neue fischschonende Schneckenpumpe zeichnet sich durch eine niedrige Drehzahl aus. Sie verfügt zudem über eine spezielle Form des eintauchenden Schneckenflügels und einen mit der Schnecke fest verbundenen Mantel, wodurch die Schädigungsrate von Fischen maßgeblich reduziert wird. Im Verbandsgebiet des 1. Entwässerungsverbandes Emden ist dies bereits die zweite Pumpe ihrer Bauart. Mit der ersten Pumpe im Unterschöpfwerk an der Victoburer Meede haben Verband und NLWKN gute Erfahrungen gemacht.

Der Einbau einer leistungsstärkeren Pumpe ist erforderlich, um trotz der Vernässung des Plangebiets weiterhin die Entwässerung angrenzender Flächen sicher garantieren zu können. Dort befinden sich etliche Wohnhäuser und eine Ferienhaussiedlung.


Stauwehr mit Elektronik zur automatischen Regelung der Wasserstände und Pegel  
Stauwehr mit Elektronik zur automatischen Regelung der Wasserstände und Pegel
Anlage einer die Vernässung begrenzenden Verwallung an der Grenze des Planungsgebietes  
Anlage einer die Vernässung begrenzenden Verwallung an der Grenze des Planungsgebietes
Dauerhafter Einstau einer Teilfläche am Marscher Tief zum Ausgleich von baubedingten Beeinträchtigungen von Röhrichten und Seggenrieden  
Dauerhafter Einstau einer Teilfläche am Marscher Tief zum Ausgleich von baubedingten Beeinträchtigungen von Röhrichten und Seggenrieden

Das Vorhaben wird als Teil des Masterplan Ems 2050-Projektes als Ausgleich für mögliche Verluste von Wiesen und Weiden bei der Entwicklung von ästuartypischen Lebensräumen an der Ems und im Sinne der EU-Vogelschutzrichtlinie, durchgeführt. Es wurde gemeinsam von Mitarbeitern der Geschäftsbereiche „Naturschutz“ (Naturschutzstation Ems) und „Planung und Bau“ (Betriebsstelle Aurich) des NLWKN erarbeitet und umgesetzt. Die Naturschutzstation betreut die Flächen und stellt die jeweils erforderlichen Wasserstände ein.

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