NLWKN Niedersachen klar Logo

Renaturierungsprojekt Scheppau: Viele Akteure ziehen an einem Strang

Effiziente und nachhaltige Fließgewässerentwicklung unter Federführung des Landes


Luftbild vom umgestalteten Gewässer, das sich schlingenförmig durch die Landschaft schlängelt.   Bildrechte: NLWKN
Ein Teil des im Rahmen der zweiten Bauphase umgestalteten Abschnitts der Scheppau im März 2021.
Bild der Scheppau: Schnurgerade zieht sie sich durch die Landschaft. Links und rechts ein Feld. Bildrechte: NLWKN
Vertrauter Anblick im Landkreis Helmstedt: So sah die Scheppau im Bereich des ersten Bauabschnitts noch vor wenigen Jahren aus...

Von Edith Büscher-Wenst, Silke Seemann und Johannes Eck

Im Einzugsbereich der Oker gilt die knapp 10 Kilometer lange Scheppau (Landkreis Helmstedt) als ein Prioritätsgewässer der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Das Nebengewässer der Schunter wird deshalb im Zuge des Aktionsprogramms Niedersächsische Gewässerlandschaften in vier Abschnitten ökologisch aufgewertet und naturnah gestaltet. Davon soll auch die Schunter profitieren.

Die Datenlage zur Gewässerstruktur, Gewässergüte und insbesondere zur Fischfauna des kleinen löß-lehmgeprägten Baches ist sehr gut, da hier seit den 1980er Jahren durch die Hochschule Bremen in regelmäßigen Abständen entsprechende Untersuchungen durchgeführt wurden. In ihnen wird deutlich, dass sich die Wasserqualität insbesondere durch den Wegfall kommunaler Abwässer in den letzten 40 Jahren deutlich verbessert hat. Die reduzierte Unterhaltung führte ebenfalls zu einer leichten Verbesserung der Gewässermorphologie. Dennoch gibt es auch heute noch massive Defizite in der Strukturgüte, da die Scheppau kanalartig ausgebaut und übermäßig vertieft ist. Weitere Belastungen durch Nährstoffeinträge und Feinsediment führen dazu, dass die Tierwelt im Gewässer nach wie vor artenarm ist und die Fischfauna nur ein „unbefriedigendes ökologisches Potenzial“ nach WRRL aufweist. Eine Beseitigung dieser Defizite ist nur über Renaturierungsmaßnahmen möglich. Ziel ist es, ein gutes ökologisches Potenzial zu erreichen und eine naturnahe Auenlandschaft mit verbesserten Retentionsräumen zu schaffen. Die Maßnahmen sollen sich durch ihre Strahlwirkung dabei auch positiv auf die Schunter auswirken.

Die Voraussetzungen für entsprechende Projekte im Rahmen des Aktionsprogramms Niedersächsische Gewässerlandschaften sind an der Scheppau günstig: Über mehrere Kilometer stehen am Bach bereits landeseigene Flächen zur Verfügung. Sie werden vom Aufgabenbereich Naturschutz des NLWKN in Braunschweig betreut und extensiv bewirtschaftet. Diese Flächenverfügbarkeit bietet damit die große Chance, langfristig eine wertvolle Gewässer- und Auenlandschaft zu entwickeln. Weitere Flächen wurden von der Stadt Königslutter und den Niedersächsischen Landesforsten (Forstamt Wolfenbüttel) für die Renaturierung zur Verfügung gestellt.

Der erste von insgesamt vier Bauabschnitten zur Renaturierung der Scheppau wurde bereits 2017 abgeschlossen. Der zweite Abschnitt zwischen Rotenkamp und Rieseberg steht (Stand Juni 2021) kurz vor der Fertigstellung: Er wird derzeit in einen naturnäheren Zustand versetzt. Wie im ersten Abschnitt soll dabei der begradigte Verlauf der Scheppau durch Einbau von Totholz und Kies in seiner Struktur verbessert werden. Abschnittsweise werden ein mäandrierender Gewässerverlauf entwickelt und eigendynamische Prozesse ermöglicht. Durch die Anlage von Senken im Grünland und das Pflanzen von standorttypischen Gehölzen wird auch die Aue in die Maßnahme einbezogen. Parallel haben die Natur- und Gewässerschützer der NLWKN-Betriebsstelle Süd (Braunschweig-Göttingen) bereits mehr als ein Auge auf den dritten Bauabschnitt geworfen: Er befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren.

Luftbild: Die Scheppau mäandert sich durch die Landschaft. Mitten durchs Bild geht unverkennbar eine ehemalige Schneise - das alte Gewässerbett.   Bildrechte: NLWKN
...und so stellt sich der Gewässerabschnitt nach den ersten Anstrengungen zur Laufänderung dar. Ebenfalls gut aus der Luft erkennbar: Der alte, schnurgerade Verlauf der Scheppau.

Die Erfahrungen jedes Abschnitts fließen in den jeweils nächsten ein, sodass die Planung und Umsetzung immer weiter optimiert und an das Gewässer und die örtliche Situation angepasst wird. Die Maßnahme profitiert dabei vom Zusammenwirken der umfangreichen fachlichen Expertise aus Wasserwirtschaft, Naturschutz und Gewässerkundlichem Landesdienst (GLD) unter dem Dach des NLWKN und der langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit verschiedener Partner vor Ort.

Ein weiterer Baustein für eine gute Umsetzung der Planung vor Ort ist ein Bauunternehmen, das Erfahrungen mit Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern hat: Ein Baggerführer mit „Gefühl“ und Blick für naturnahe Gestaltung und Strukturen erleichtert die Umsetzung ganz wesentlich.

Die konstruktive Mitwirkung des Unterhaltungsverbandes Schunter leistet schlussendlich einen wertvollen Beitrag zu einer nachhaltigen Umsetzung. Die schonende und reduzierte Unterhaltung sowie die bei Bedarf gezielte Pflege und Entwicklung des Gewässers sind für das Erreichen der gesteckten „blau-grünen“ Ziele einer naturnäheren Scheppau essentiell.

Ein durch das Land finanziertes und vom GLD des NLWKN beauftragtes Erfolgsmonitoring der Flora und Fauna (Wasserpflanzen, Wirbellose, Fische) und der Strukturgüte, welches in diesem Jahr am ersten Gewässerabschnitt erfolgt, wird dokumentieren, inwiefern die Maßnahmen sich biologisch und ökologisch positiv auswirken. Seine Ergebnisse ermöglichen Nachbesserungen in den schon abgeschlossenen und Impulse für die kommenden Abschnitte des Renaturierungsprojektes.

Impressionen vom ersten und zweiten Bauabschnitt an der Scheppau - vor und nach der Durchführung der Arbeiten.

Schlingenförmig windet sich die Scheppau heute durch die Landschaft - hier im Februar 2021.  
Schlingenförmig windet sich die Scheppau heute durch die Landschaft - hier im Februar 2021.
Winterbild von einem gut gefüllten Gewässer.  
Die Bauphase im Winter ermöglichte auch solche Bilder. Hier wurde der Lauf im zweiten Bauabschnitt bereits verändert.
Ein Gewässer zieht sich schnurgerade durchs winterliche Bild.  
Der zweite Bauabschnitt vor Beginn der Arbeiten.
Der erste, fertiggestellte Abschnitt der Scheppau bei hoher Abflusslage.  
Der erste, fertiggestellte Abschnitt der Scheppau bei hoher Abflusslage.
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln