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Den Problemen im Ems-Ästuar grenzüberschreitend begegnen

Eine gemeinsame deutsch-niederländische Strategie zur Reduzierung der Schlickproblematik bringt erste Ergebnisse // weitere Projekte in Umsetzung


Fußspuren im schlickigen Grund der Ems. Im Hintergrund ist ein Schiff zu sehen.   Bildrechte: NLWKN
Die Verschlickungsproblematik im Ems-Ästuar ist mit bloßen Auge erkennbar. Im Hintergrund: Das Forschungsschiff Burchana der Forschungsstelle Küste des NLWKN.

Von Anke Joritz

Hohe Schwebstofffrachten und mehrere Meter mächtige Flüssigschlickschichten belasten den Mündungsbereich der Ems. Im Rahmen einer 2016 angestoßenen deutsch-niederländischen Strategie zum Sedimentmanagement arbeiten beide Länder gemeinsam an der Verbesserung des ökologischen Zustands im Flussästuar. Dabei geht es auch um neue Verwendungsmöglichkeiten für die ungeliebten Schlickfrachten. Ein Überblick über Lösungsansätze und den aktuellen Umsetzungsstand.

Bild der Unterzeichnung - vorne stehen die genannten Minister an einem Stehtisch. Im Hintergrund sind weitere Teilnehmer der Veranstaltung zu sehen. Bildrechte: NLWKN
2019 unterzeichneten Umweltminister Olaf Lies und Regionalminister Henk Staghower von der Provinz Groningen auf dem Emssperrwerk das gemeinsame Leitbild zur ökologischen Strategie zum Sedimentmanagement.

Ausgangspunkt für die grenzüberschreitenden Bemühungen im Rahmen der „Deutsch-niederländischen Ökologische Strategie zum Sedimentmanagement“ war die Unterzeichnung des „Integrierten Bewirtschaftungsplanes Ems Dollart (IBP Ems)“ im November 2016. Niedersachsen und die Niederlande vereinbarten hierin für den Bereich des Ems-Ästuars eine Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen Monitoring, der Ermittlung von geeigneten Verbesserungsmaßnahmen und der Entwicklung entsprechender Pilotprojekte. Die Bemühungen ergänzen die im Rahmen des „Masterplans Ems 2050“ formulierten Strategien zur Bewältigung der auf die Fahrrinnenvertiefungen der letzten Jahrzehnte und fortlaufende Baggerungen zurückzuführenden Probleme im Ems-Ästuar. Der Handlungsdruck zur Verbesserung des ökologischen Zustands und Potenzials ist hier besonders hoch. Vorangetrieben und begleitet wird die Umsetzung der Strategie durch eine Arbeitsgruppe der deutsch- niederländischen Grenzgewässerkommission.

Das Leitbild für die ökologische Strategie ist dabei ausgerichtet auf die Verbesserung der Ökologie und der Wasserqualität sowie eine Optimierung der Unterhaltungsarbeiten und der Widerstandsfähigkeit des Ästuars gegenüber klimatischen Veränderungen wie dem erwarteten Meeresspiegelanstieg. Bestehende Nutzungen wie die Schifffahrt und der Küstenschutz sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Konkrete ökologische Ziele sind etwa eine Reduzierung der Schwebstoffkonzentration und die Verbesserung der Qualität der aquatischen Lebensräume sowie der Artenvielfalt. Angestrebt wird insgesamt eine natürliche Dynamik im System – unter Nutzung der natürlichen Prozesse. Dazu sollen auch die Selbstreinigungskräfte des Ästuars gestärkt werden. Um eine Fischwanderung zu begünstigen, soll die Durchgängigkeit zwischen Salz- und Süßwasserlebensräumen verbessert werden. Mit Blick auf den Meeresspiegelanstieg formuliert die Strategie ein Mitwachsen der Watten und Vorländer und die Nutzung des überschüssigen Feinsediments zum Ausgleich seiner Effekte auch binnendeichs als weitere Ziele.

Um die formulierten ökologischen Ziele zu erreichen, wird bewusst in unterschiedliche Richtungen gedacht. Maßnahmen sollen dabei idealerweise gemeinsam entwickelt werden. Außerdem ist ein intensiver Erfahrungs- und Kenntnisaustausch vorgesehen. Auf beiden Seiten wurden bereits erste Einzelprojekte umgesetzt oder befinden sich in der Planung und Umsetzungsphase.

Die Einzelprojekte im Überblick:

Machbarkeitsstudie zur Verwendung von Emsschlick auf landwirtschaftlichen Flächen
(Umsetzungszeitraum 2018-2020, abgeschlossen)

Die Machbarkeitsstudie der NLWKN-Betriebsstelle Aurich untersuchte die Verwertung des Baggerguts aus der Ems zur Bodenverbesserung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Im Zentrum stand die Frage, ob das Baggergut aufgrund seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften grundsätzlich für eine derartige Verwertung geeignet ist. Die Studie untersuchte auch, auf welchen landwirtschaftlichen Flächen im Untersuchungsgebiet Rheiderland nachhaltige Verbesserungen der Ertragsfähigkeit und weiterer Bodenfunktionen zu erwarten sind. Im Ergebnis wurden konkrete Anforderungen an die technische Umsetzung der Baggergutaufbringung sowie Empfehlungen für die landwirtschaftliche Folgenutzung formuliert. Die Einhaltung der bodenschutz-, wasserschutz- und naturschutzfachlichen Rahmenbedingungen spielte dabei eine wichtige Rolle. Abschließend skizziert die Studie die Rahmenbedingungen eines mehrjährigen Feldversuchs unter Praxisbedingungen. In ihm soll die in der Machbarkeitsstudie theoretisch berechneten Kenngrößen überprüft werden. Das Projekt profitierte – ganz im Sinne des grenzüberschreitenden Ansatzes – vom Wissens- und Informationsaustausch mit den Niederlanden, wo vergleichbare Projekte bereits umgesetzt werden.

Pilotprojekt zur Umsetzung der Machbarkeitsstudie
(September 2020 – Januar 2023, in Umsetzung)

Die abgeschlossene Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass das Baggergut der Ems - in Abhängigkeit der Entnahmestellen - grundsätzlich für eine Aufbringung auf landwirtschaftliche Flächen geeignet ist. Allerdings blieben im Rahmen der theoretischen Betrachtung viele Fragen hinsichtlich der technischen Machbarkeit und den Auswirkungen auf die durchwurzelbare Bodenschicht offen. Nur ein Feldversuch unter Praxisbedingungen kann hier gesicherte Antworten liefern. Er dient auch dazu, die besonderen naturschutzfachlichen Fragestellungen im Landschaftsschutzgebiet Rheiderland zu klären. Die noch offenen Fragen sollen in der aktuell beantragten Pilotphase beantwortet werden.

Ein umfangreiches pflanzenbauliches, bodenkundliches und naturschutzfachliches Monitoring soll dabei helfen, die Auswirkungen der Baggergutaufbringung in einem Vorher-Nachher-Vergleich beurteilen zu können. Hierbei werden etwa Ernteerträge, Futterverschmutzungen auf dem Grünland und die Futterqualität der geernteten Kulturpflanzen erfasst. Auch bodenphysikalische und chemische Parameter stehen im Fokus – ebenso wie das Versauerungspotential des ausgebaggerten Materials und die Bodenverdichtung auf intensiv befahrenen Flächenbereichen. Im Rahmen des naturschutzfachlichen Monitorings stehen die Entwicklung der Wiesenvogelbrüterpopulation und die Stocherfähigkeit des Bodens im Fokus der Untersuchungen.

Zusammenstellung und Bewertung von bisher umgesetzten Maßnahmen mit Schlick
(Umsetzungszeitraum 2019-Januar 2023, in Umsetzung)

Vor allem auf deutscher, aber auch auf niederländischer Seite sind in der Vergangenheit bereits unterschiedliche Strategien zur Verwertung und zum Umgang mit Sedimenten entwickelt und angewandt worden – etwa die Aufspülung von Flächen, die Einrichtung von Spülfeldern oder die Unterbringung in Klappstellen. Das Thema ist in der Region insofern nicht neu. Neu ist jedoch, dass auch bei der Verwertung von Sedimenten der Klimawandel zunehmend berücksichtigt werden muss. Es ist daher sinnvoll, entsprechende in der Vergangenheit durchgeführte und aktuell neu geplante Maßnahmen im Hinblick auf die ökologischen Ziele des 2019 formulierten Leitbilds und anderer europäischer Richtlinien (z.B. der Wasserrahmenrichtlinie und FFH-Richtlinie) zu bewerten, um für die Zukunft die besten Ansätze zu finden. Überprüft werden sollen dabei auch die Wirtschaftlichkeit, die Auswirkungen auf den Klimawandel, die rechtliche Umsetzbarkeit und Synergien mit anderen Nutzungen. Ziel ist es, für zukünftige Planungen eine erste Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, um einerseits die Verschlickung der Ems in den Griff zu bekommen und andererseits eine sinnvolle Verwertung für das Sediment zu gewährleisten.

SediEms: Erstellung von Grundlagen für eine Strategie zum ökologischen Sedimentmanagement an der Ems (Umsetzungszeitraum 2019-2022, in Umsetzung)

Mit der Erstellung eines morphodynamischen Modellsystems für die Tideems sollen in diesem Projekt Methoden zur Bewertung und zur ökologischen Gesamtoptimierung von Klappstellen entwickelt werden. Außerdem wird das von der Forschungsstelle Küste des NLWKN in Norden betreute Projekt SediEms Erkenntnisse über die Wirkung und Dynamik von Seegras und Sandbänken auf die Tidecharakteristik und den Einfluss der Sedimentdynamik auf die Muschelvorkommen im Bereich der Osterems liefern (Nähere Informationen).

Die auf niederländischer Seite erfolgten oder geplanten Projekte sind im Eems-Dollard-Programm 2050 zusammengefasst. Sie sollen sich gleichzeitig auch positiv auf die regionale Wirtschaft auswirken.

Lebendige Küste (Vital Kust)

Ziel ist die Schaffung und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume entlang der Ränder des Ems-Dollart-Ästuars in Kombination mit Deichverstärkungen. Bereits umgesetzte oder in Umsetzung befindliche Einzelmaßnahmen sind das Pilotvorhaben „Dubbelde Dijk (Doppelter Deich)“ bei Nieuwestad, „Polder Bre(e)bard“, „Rijke Dijk“ zwischen Eemshaven und Delfzijl und die Wiederansiedlung von Muschelbänken auf dem Hund-Paapsand.

Nützliche Verwendung von Schlick (Nuttig Toepassen Slib)

Zur Reduzierung der Trübung des Wassers im Mündungsbereich besteht seitens der Niederlande das Ziel, bis 2022 mindestens eine Million Tonnen Schwebstoffe pro Jahr aus dem Wasser zu entfernen. Dieser Schlick soll sinnvoll wiederverwendet werden - beispielsweise zur Verstärkung von Deichen und zur Verbesserung landwirtschaftlicher Flächen. Im Rahmen des Projektes werden auch Versuche durchgeführt, um Bausteine ​​aus Schlick zu pressen. Bereits umgesetzte oder in Umsetzung befindliche Maßnahmen in dieser Kategorie sind das Pilotvorhaben „Pilot Kleirijpereij (Kleireifung)“ bei Delfzijl und die Untersuchung zur Verbesserung von landwirtschaftlichen Flächen mit sandigen Untergrund im Bereich der Veenkolonien.

Hydromorphologische Verbesserungen (Hydromorfologische Verbetering)

Durch gezielte Eingriffe sollen die natürlichen Fließverhältnisse im Ems-Dollart-Ästuar wiederhergestellt werden. Derzeit sind hierzu auf niederländischer Seite allerdings noch keine konkreten Maßnahmen genannt.
Das unterschriebene Leitbild aufgefächert auf einem Tisch liegend.   Bildrechte: NLWKN
Im Leitbild für eine deutsch-niederländische ökologische Strategie zum Sedimentmanagement im Ems-Dollart Bereich sind gemeinsame Ziele zur Verbesserung der Situation Flussmündungsbereich der Ems formuliert.
Weiterführende Informationen...

...zur „Deutsch-niederländischen ökologischen Strategie zum Sedimentmanagement im Ems-Dollart Bereich“ und aktuelle Entwicklungen

Artikel-Informationen

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 Hannover / 26506 Norden
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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