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Schweres Gerät für sensibles Borstgras

Stadt, Landkreis, NABU und NLWKN verbessern Biotop des Jahres 2020


  Bildrechte: Foto: NLWKN, Sabrina Schäfer
Das namensgebende Borstgras ist durch seine starren Büschel gut zu erkennen. (Foto: NLWKN, Sabrina Schäfer)

Rotenburg/Badenstedt – Klein, aber fein. Das nur knapp sieben Hektar große Naturschutzgebiet bei Badenstedt beherbergt eines der größten und am besten ausgeprägten Borstgrasrasenbestände im Landkreis Rotenburg. Der Borstgrasrasen stellt nicht nur einen bedeutenden Lebensraum für seltene Pflanzen wie das namensgebende Borstgras, Pillensegge, Breitblättriger Thymian, Teufelsabbiss und Moorlilie dar, sondern bietet auch zahlreichen Tagfaltern, Wildbienen und Waldeidechsen Nahrung, Brutmöglichkeiten und einen Platz zum Leben.

Um den Erhaltungszustand dieses wertvollen Biotops zu verbessern, sind im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ umfassende Arbeiten geplant. In einem Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Landkreis Rotenburg, der Stadt Zeven, der Ökologischen NABU Station Oste-Region (ÖNSOR) und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) rollen jetzt die Bagger, um umfangreiche Gehölz- und Bodenarbeiten durchzuführen.

„Manchmal muss man im Naturschutz auch mit schwerem Gerät ausrücken, um wertvolle Biotope zu erhalten“, erklärt Sabrina Schäfer, beim NLWKN zuständig für die Umsetzung der Maßnahme. „Um den Flächenanteil des geschützten Borstgrasrasens zu vergrößern, werden beispielweise Pappeln und Birken entnommen“, so Frau Schäfer weiter.

„Durch die Entnahme von Gehölzen werden die Lichtverhältnisse für sonnenliebende Arten optimiert, Konkurrenzvegetation reduziert und Ausbreitungsbarrieren abgebaut“, erklärt Reinhard Schraa, Mitarbeiter der Naturschutzbehörde im Landkreis Rotenburg. „Das sieht im ersten Moment etwas gewaltig aus, aber ohne entsprechende Maßnahmen können sich die seltenen Pflanzenarten des Borstgrasrasens nicht weiter ausdehnen“, betont der Pflanzenexperte.

Damit die Gehölze und konkurrenzstarke Pflanzenarten wie Brombeeren sich nicht wieder durchsetzen können, werden zweimal pro Jahr etwa 600 Schafe und Ziegen eingesetzt, die die Fläche beweiden. „Wir hoffen, dass wir damit auf lange Zeit auf große Maschineneinsätze verzichten können und den Magerrasen qualitativ aufwerten“, ergänzt Mathias Holsten zuständiger Mitarbeiter der Samtgemeinde Zeven.

Die Ökologische NABU Station Oste-Region begleitet die Maßnahme vor Ort. „Damit keine sensiblen Pflanzenbestände durch die Pflegemaßnahmen zerstört werden, ist nicht nur eine gute Planung und Zusammenarbeit mit den Fachbehörden wichtig, sondern auch mit der ausführenden Firma“, erläutert Sarina Pils von der ÖNSOR. „Nur durch eine naturschutzfachliche Begleitung, eine Koordination der Fahrtrassen und Sensibilisierung der Mitarbeiter, können Beeinträchtigungen auf sensiblen Pflanzenbeständen möglichst geringgehalten werden“, ist sich die Leiterin der ÖNSOR sicher.

Übrigens ist der Borstgrasrasen Biotop des Jahres 2020. Die Projektpartner sind sich einig: „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam zum Schutz und Entwicklung dieses wertvollen Biotops beitragen können.“


Das Integrierte LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“

Die Maßnahmen im NSG Badenstedt sind Teil des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachen umgesetzt wird. LIFE steht für „L’Instrument Financier pour l’Environnement“ und ist ein EU-Finanzinstrument zur Förderung von Umweltmaßnahmen in der gesamten EU und in ausgewählten Kandidaten-, Beitritts- und Nachbarländern.

Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region, wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer, sollen dabei nachhaltig aufgewertet werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten, wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse, sollen gestärkt werden.

Für die zehnjährige Laufzeit des Projektes (2016 bis 2026) steht beiden Ländern insgesamt ein Budget von 16,875 Millionen Euro zur Verfügung. 60 Prozent der Mittel werden von der Europäischen Union gestellt, jeweils 20 Prozent von den beiden Bundesländern. Die Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in Nordrhein-Westfalen beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV). Die operative Umsetzung der konkreten Einzelmaßnahmen in Niedersachsen liegt beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU).

Weitere Informationen sind im Internet unter www.sandlandschaften.de und unter www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

Für Rückfragen zum Gesamtprojekt steht das IP-LIFE-Team des NLWKN gerne zur Verfügung (Tel.: 0511/3034-3352, E-Mail: Thomas.Kutter@nlwkn-h.niedersachsen.de). Für weitere Informationen zur Maßnahme im Naturschutzgebiet Borstgrasrasen bei Badenstedt wenden Sie sich bitte an die örtliche Bauüberwachung (Sarina Pils, Ökologische NABU Station Oste Region, Tel: 06266-936572 oder 0152-310 55 143, s.pils@oesoste-region.de)

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Vorsichtig befreit die Baggerschaufel sensible Bereiche von übermäßigem Bewuchs (Foto: NLWKN, Sabrina Schäfer)
Presseinformation Bildrechte: NLWKN
Artikel-Informationen

18.02.2020

Ansprechpartner/in:
Bettina S. Dörr

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Pressesprecherin
Göttinger Chaussee 76 A
30453 Hannover
Tel: 0511/3034-3223

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