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erstellt am:
14.01.2026
Norden. Ob es draußen heiß oder kalt ist, lässt sich relativ schnell anhand der Lufttemperatur feststellen. Der Klimawandel und damit die globale Erwärmung sorgen für steigende Temperaturen, was sich durch Messwerte belegen lässt. Doch wie sieht es beim Grundwasser aus? Wie wirkt sich der Klimawandel auf das kühle Nasse unterhalb der Erdoberfläche aus? Dieser Frage sind die Grundwasserexpertinnen und -experten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nachgegangen und haben Daten mehr als 300 Messstellen in Niedersachsen ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: An 75 Prozent der Messstellen stieg die Temperatur im Grundwasser in den vergangenen 30 Jahren signifikant an, im Durchschnitt um etwa ein Grad Celsius.
Dem NLWKN stehen im Rahmen der Gewässerüberwachung landesweit zahlreiche Gütemessstellen im Grundwasser zur Verfügung. „Diese langjährig durch den NLWKN erhobenen Messreihen sind nicht nur Basis der vorliegenden Auswertungen, sie sind insgesamt von wesentlicher Bedeutung bei der Betrachtung von Klimaauswirkungen auf das Grundwasser“, erläutert Dr. Anne Mehrtens von der NLWKN-Direktion in Norden. Die Grundwassertemperatur gilt traditionell als stabil. In Niedersachsen liegt sie im Mittel bei etwa zehn Grad Celsius, was ungefähr der Jahresdurchschnittstemperatur der Atmosphäre entspricht.
Um zu überprüfen, ob und wie sich der globale Klimawandel in Niedersachsens Grundwasser niederschlägt, wurden an mehr als 300 dieser Messstellen langjährige, weitestgehend lückenlose Datenreihen ausgewertet. An denen kann die Temperaturentwicklung bis in eine Tiefe von etwa 40 Meter gut abgebildet werden. Diese wird regelmäßig erfasst. Das Grundwasser wird mithilfe eines Pumpsystems an die Oberfläche befördert und die Temperatur mithilfe einer Sonde gemessen. Diese wird in eine Messzelle eingesetzt, die permanent mit unbeeinflusstem Grundwasser direkt aus der Tiefe durchströmt wird.
„Anhand der umfangreichen Datensätze konnte gezeigt werden, dass Faktoren wie Tiefe, Landnutzung und Gesteinsart zwar einen Einfluss auf den Anstieg haben, diesen aber nur dämpfen oder begünstigen. Der Klimawandel und die Urbanisierung sind die treibenden Faktoren für den Anstieg der Grundwassertemperatur“, berichtet Grundwasserexpertin Dr. Anne Mehrtens. In Zusammenarbeit mit ihren Fachkolleginnen und -kollegen am NLWKN-Standort Cloppenburg hat sie die Untersuchungsergebnisse im Bericht „Klimawandel im Grundwasser? Die Entwicklung der Grundwassertemperatur in Niedersachsen“ zusammengefasst.
Diese Publikation dient nicht nur dazu, auf die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre zurückzublicken. Gleichzeitig soll diese Auswertung beitragen, wichtige Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen. Das Klimaziel, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst unter eineinhalb Grad Celsius zu halten, verdeutlicht, dass die Erwärmung der Grundwassertemperatur um ein Grad Celsius in 30 Jahren signifikante Folgen haben könnte. „Zu den Auswirkungen des Temperaturanstiegs im Grundwasser zählt vor allem die Störung des Ökosystems Grundwasser: Dort leben Bakterien, Mikroorganismen sowie eine hochangepasste Fauna - darunter wärmeempfindliche und wärmetolerante Arten. Diese Organismen erfüllen bedeutende Ökosystemdienstleistungen, etwa den Nitratabbau im Untergrund“, erklärt Dr. Anne Mehrtens.
Welche Folgen der Temperaturanstieg für diese Abbauprozesse und andere Ökosystemdienstleistungen hat, ist zum jetzigen Stand der Forschung weder quantitativ bewertbar noch absehbar. Der NLWKN wird die Entwicklung der Grundwassertemperatur und potentielle Folgen des Temperaturanstiegs auch in Zukunft verfolgen. „Wir beobachten weiter“, kündigt Dr. Anne Mehrtens an.
Der Bericht „Klimawandel im Grundwasser? Die Entwicklung der Grundwassertemperatur in Niedersachsen“ steht auf in folgender Übersicht zum Download (PDF-Format) zur Verfügung: Publikationsreihe Grundwasser
Diese Abbildung zeigt die Entwicklung der Grundwassertemperatur an Grundwassermessstellen in Niedersachsen im Zeitraum von 1995 bis 2024. Die Grundwassertemperatur gilt traditionell als stabil. In Niedersachsen liegt sie im Mittel bei etwa zehn Grad Celsius. Die blauen Einfärbungen zeigen Jahresmitteltemperaturen unter und die gelbroten Einfärbungen Jahresmitteltemperaturen über dem Mittelwert aller Messwerte. (Abbildung NLWKN)

