Wichtige Lektüre für Bürger und Kommunen
30. August 2007: Hochwasserschutzplan Wümme wurde am Donnerstag in Hellwege vorgestellt
"Einen absoluten Hochwasserschutz gibt es nicht: Deshalb sind auch die Bürgerinnen und Bürger gefordert, im Rahmen der Bauvorsorge und der Risikovorsorge ihren persönlichen Beitrag zum Hochwasserschutz zu leisten". Werner Kochta vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) nannte am Donnerstag in Hellwege ein einfaches Beispiel für einen praktikablen Hochwasserschutz in gefährdeten Gebieten: "Fliesen statt Parkett im Keller und im Erdgeschoss". Anlass für den Appell an die Hausbesitzer war die Vorstellung des Hochwasserschutzplanes für die Wümme.
Die Betriebsstelle Verden des NLWKN hat jetzt den zweiten Hochwasserschutzplan für Niedersachsen vorgelegt, der das mehr als 2000 Quadratkilometer große Einzugsgebiet von Lesum, Hamme und Wümme östlich von Bremen abdeckt. Die Lesum vereinigt Hamme und Wümme und mündet nach nur zehn Kilometern im Stadtgebiet von Bremen in die Weser. Das Einzugsgebiet – das umfasst Bremen und Teile der Landkreise Osterholz, Rotenburg, Verden, Soltau-Fallingbostel und Harburg. Hier leben etwa 480.000 Menschen – die meisten von ihnen sind von einem möglichen Hochwasser kaum betroffen. Welche Orte und Regionen in den überschwemmungsgefährdeten Gebieten liegen, ist nachzulesen im jetzt veröffentlichten Hochwasserschutzplan Wümme, erhältlich beim NLWKN (www.nlwkn.de).
Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander betonte bei der Vorstellung: "Der Hochwasserschutz ist eine außerordentlich wichtige Daueraufgabe und muss gerade auch vorbeugend betrieben werden. Nicht umsonst gibt Niedersachsen landesweit jährlich etwa 40 Millionen Euro für den Hochwasserschutz aus".
Nach hydraulischen Modellberechnungen werden im Hochwasserschutzplan Wümme exakt jene Überschwemmungen dargestellt, die statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten sind, "Bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser werden Flächen von ca. 110 Quadratkilometern überschwemmt; zum Beispiel Lauenbrück im Landkreis Rotenburg, die Stadt Rotenburg oder das Wochenendhausgebiet "Wümmepark" in Tostedt", sagte Kochta.
"Weitere 130 Quadratkilometern sind bei Deichbrüchen als überschwemmungsgefährdet einzustufen", betonte der Experte vom NLWKN und fügte hinzu: "Die Modellberechnungen haben zwar ergeben, dass die Deiche auf bremischer und niedersächsischer Seite derzeit noch relativ sicher sind, trotzdem müssen sie in den nächsten Jahren verstärkt werden". Teilweise sind die Deiche nicht hoch genug, in einigen Bereichen müssen sie stärker als bisher vor dem Bisam geschützt werden.
Der Plan ist nicht nur eine wichtige Lektüre für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für die Landkreise: Denn sie sind für die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten zuständig. Deutlich benannt sind im Plan die mehr als 10.000 Hektar umfassenden Überschwemmungsflächen – eine wichtige Information, um die Überschwemmungsgebiete auszuweisen. Wichtige Akteure im Hochwasserschutz sind auch die Kommunen: Sie sollen die Informationen über überschwemmungsgefährdete Bereiche bereits vorab in der Bauleitplanung berücksichtigen. Die Verbände und Katastrophenschutzbehörden können die Informationen zur Verbesserung im Hochwassermanagement nutzen.
Doch die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es einen absoluten Schutz nicht gibt. Die Strategie für einen modernen Hochwasserschutz folgt deshalb dem Drei-Säulen-Modells, welches neben dem technischen Hochwasserschutz (Bau von Deichen und Schöpfwerken) in verstärktem Maße eben auch die Hochwasservorsorge und die Rückhaltung in der Fläche berücksichtigt. Mit der Hammeniederung, den Borgfelder Wümmewiesen und dem Wümme-Binnendelta befinden sich im Gebiet drei großflächige, natürliche Retentionsräume, die auch naturschutzfachlich große Bedeutung besitzen. Mit Hilfe des Modells wurde die Wirksamkeit von Maßnahmen zum Rückhalt in der Fläche an Einzelbeispielen untersucht. "Wenn gezielt Retentionsräume im Oberlauf geschaffen werden, lassen sich lokale Hochwassergefahren beispielsweise an der oberen Wümme im Bereich Wümmepark oder an der Fintau in Lauenbrück entscheidend mindern", betonte Kochta. Ein Allheilmittel sind die Retentionsflächen aber nicht: "Ohne Deiche und Schöpfwerke geht es nicht". Umweltminister Sander sagte deshalb auch zu, dass Niedersachsen ebenso wie Bremen auch zukünftig kräftig in den Hochwasserschutz investieren wolle.
Artikel-Informationen
erstellt am:
30.08.2007
zuletzt aktualisiert am:
27.04.2010

