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Grundwassermenge und -messnetze

Die Grundwasser- und die Niederschlagsuntersuchungen im Gewässer-Überwachungssystem Niedersachsen (GÜN)


Die Grundwasservorkommen in Niedersachsen unterscheiden sich nach ihren jeweiligen hydrogeologischen sowie hydrochemischen Eigenschaften zum Teil erheblich voneinander. Im norddeutschen Tiefland bestehen die Grundwasserleiter überwiegend aus Lockergesteinen; im mittelgebirgigen Südniedersachsen herrschen Festgesteinsaquifere vor. Je nach Ausbildung der wasserleitenden Schichten und Durchlässigkeiten im Untergrund ergeben sich gute oder weniger gute Möglichkeiten zur Grundwassergewinnung. Die natürliche Beschaffenheit des Grundwassers hängt davon ab, welche Zusammensetzung die durchflossenen Gesteine haben. Insbesondere die menschlichen Aktivitäten bei der Bodennutzung können zur Verunreinigung des Grundwassers führen.

Wegen der Filterwirkung der überdeckenden Boden- und Gesteinsschichten sowie der im Grundwasserleiter ablaufenden Selbstreinigungsprozesse galt Grundwasser lange Zeit als ausreichend geschützt gegen Verunreinigungen aller Art. Zahlreiche in neuerer Zeit festgestellte Kontaminationen haben jedoch gezeigt, dass der natürliche Schutz nicht umfassend wirksam ist. Die Filterwirkung und das Abbaupotenzial im Grundwasserleiter sind begrenzt. Bei anhaltender Schadstoffbelastung erschöpft sich das Reinigungsvermögen und selbst mehrere Meter mächtige Lehm- oder Tonschichten werden eines Tages durchdrungen. Eine regelmäßige Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit ist daher unverzichtbar.

Grundwassermessnetze

Die natürlichen Grundwasservorkommen sind durch vorsorgende Maßnahmen flächendeckend zu schützen, um deren Verfügbarkeit auch für kommende Generationen sicherzustellen. Um die Vorgänge im Grundwasserhaushalt besser verstehen zu lernen und die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zum Grundwasserschutz und zur Grundwasserbewirtschaftung überwachen zu können, werden Grundwassermessnetze betrieben.

Dazu wurden die schon seit Jahren im Rahmen des Gewässer-Überwachungssystem Niedersachsen (GÜN) betriebenen gewässerkundlichen Messnetze optimiert und systematisch ausgebaut. Innerhalb des GÜN gehören die Grundwassermessstellen nach ihrem Hauptzweck dem Grundwasserstandsmessnetz oder dem Grundwassergütemessnetz an, wobei die Zuordung zu den Messnetzen variabel ist. So wird z. B. an allen Grundwassergütemessstellen auch der Grundwasserstand beobachtet, und einzelne Messstellen können zumindest zeitweise verschiedenen oder auch mehreren Messnetzen zugeordnet sein.

Die Grundwasserbeschaffenheit ist das Endergebnis aller auf das Wasser während seiner Bewegung durch die Umweltkompartimente Atmosphäre, Vegetation, Boden und Gestein einwirkenden Prozesse. Turnusmäßig wiederholte Grundwasserstandsmessungen und chemische Grundwasseruntersuchungen informieren über den natürlichen Zustand sowie über die geogenen und anthropogenen Faktoren, welche auf Menge und Beschaffenheit des Grundwassers einwirken. Die Auswertung der Daten erlaubt das Erkennen quantitativer und qualitativer Veränderungen.

Diese Veränderungen erfolgen in der Regel bedeutend langsamer als in oberirdischen Gewässern. Im Falle von Grundwasserverunreinigungen bedeutet dies, dass vom Schadensereignis bis zur Feststellung des Schadens viel Zeit vergeht, in der die eingetragenen Schadstoffe weiträumig verbreitet werden können. Langfristig anhaltende und diffuse Belastungen offenbaren sich häufig erst dann, wenn das Filter- und Abbaupotenzial im Grundwasserleiter erschöpft ist.

Noch länger dauert es im allgemeinen, bis Grundwasserschäden wieder auf ein tolerierbares Maß reduziert oder gar behoben sind. Aktive Schadensbekämpfung durch Sanierungsmaßnahmen ist wegen der Unzugänglichkeit des Mediums Grundwasser nur selten möglich und erfordert erheblichen technischen und finanziellen Aufwand. Mehr Erfolg versprechen Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung und Beseitigung von Gefährdungspotenzialen. Dieser Sachverhalt unterstreicht die Notwendigkeit eines vorsorgenden Grundwasserschutzes.


Depositionsmessnetz

Bei jedem Niederschlagsereignis werden Stoffe aus der Atmosphäre zunächst auf der Pflanzendecke und auf der Erdoberfläche deponiert, die dann je nach ihren Eigenschaften in unterschiedlichem Ausmaß durch Sickerwasser in den Boden verlagert und schließlich bis ins Grundwasser transportiert werden können. Die im Rahmen der Deposition auftretenden Stoffflüsse bestehen aus stark wechselnden Anteilen fester, flüssiger und im geringen Maße auch gasförmiger Verbindungen. Diese Stoffe sind durch natürliche und anthropogene Emissionen in die Atmosphäre gelangt. Ursachen der wichtigsten anthropogenen Belastungen sind: Verbrennung fossiler Rohstoffe in Industrie, im Verkehr und in Haushalten, Produktion und Verwendung synthetisch-chemischer Erzeugnisse sowie Emissionen aus der Landwirtschaft.

Um Stoffflüsse zu erkunden, werden die Niederschläge auf chemische Inhaltsstoffe untersucht. Im Rahmen des Gewässerüberwachungssystems Niedersachsen (GÜN) und des Bodendauerbeobachtungsprogrammes (BDF-Programmes) wird die Niederschlagsbeschaffenheit an insgesamt 61 Depositionsmessstellen untersucht.

oben: Klosterbach im Landkreis Diepholz - unten: Sohlbauwerk im Gewässer

oben: Klosterbach im Landkreis Diepholz - unten: Sohlbauwerk im Gewässer

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dieter de Vries

NLWKN Aurich
Oldersumer Straße 48
D-26603 Aurich
Tel: +49(0)4941 / 176-157
Fax: +49(0)4941 / 176-199

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