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Hirschkäfer in Niedersachsen – Erfassung und Verbreitung

Hirschkäfer-Weibchen

Hirschkäfer-Weibchen (Foto: R. Altmüller)

Der Hirschkäfer ist mit 3 bis 8 cm Gesamtlänge unser größter heimischer Käfer. Seinen Namen verdankt er den markanten, bis zu 3 cm langen Oberkiefern, die zu hirschgeweihartigen Zangen umgebildet sind. Nur die Männchen tragen dieses „Geweih", die Weibchen haben einen schmaleren Kopf und normal entwickelte Oberkiefer.

Hirschkäfer besiedeln alte, totholzreiche Laubwälder in südexponierten und wärmebegünstigten Lagen, aber auch Laubwaldreste, alte Parkanlagen und waldnahe Obstplantagen mit einem hohen Anteil an absterbenden Althölzern und Baumstümpfen. Randlagen werden anscheinend bevorzugt.

Hirschkäfer-Männchen

Hirschkäfer-Männchen (Foto: H. Wilke)

Im Juni/Juli schwärmen die Tiere in der Dämmerung aus. Eichen mit anhaltendem Saftfluss sind Nahrungsquellen, aber auch wichtige Rendezvousplätze für Männchen und Weibchen. In dieser Zeit kommt es zu Rivalenkämpfen. Die Männchen führen mit ihren mächtigen Oberkiefern Zweikämpfe um die Weibchen aus. Dabei versuchen sie, den Gegner vom Zweig zu werfen.

Der Hirschkäfer ist wegen seines drastischen Rückgangs in der bundesweiten Roten Liste als „stark gefährdet" eingestuft und nach der Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt". In der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU ist der Käfer als Art „von gemeinschaftlichem Interesse" aufgelistet, für dessen Erhaltung die Mitgliedsstaaten eine besondere Verantwortung und Verpflichtung haben.

Beobachtungstipps

Über die Verbreitung und den Bestand des Hirschkäfers in Niedersachsen gibt es trotz seiner Größe nur unzureichende Informationen.

Die meisten Hirschkäfer werden eher zufällig entdeckt. Funde von toten Tieren sind ebenfalls möglich und wichtig. Gezielt suchen kann man Hirschkäfer am besten in ihren bevorzugten Lebensräumen (besonders an Eichensaftflüssen und geeigneten Brutsubstraten). Dies sind z.B.

  • Eichen-Althölzer mit einem möglichst hohen Anteil von alten und absterbenden Bäumen (v.a. Eichenstümpfe > 40 cm Durchmesser an lichten, trockenen, südexponierten Stellen)
  • Baumreihen, Baumgruppen
  • möglichst licht stehende Alt-Eichen, die in Beständen anderer Baumarten eingestreut sind
  • alte Parkanlagen und Obstplantagen
  • Straßen- und Gebäudelampen in Ortsrandlage.
Lebensraum des Hirschkäfers: Alteichen-Bestand

Lebensraum des Hirschkäfers: offene Landschaft mit alten Eichen (Foto: A. Pelzer)

Am besten kann man die Tiere von Ende Mai bis Juli an warmen, windstillen Abenden in der Dämmerung beobachten. In dieser Zeit schwärmen insbesondere die Männchen mit „Gebrumm" um ihre Nahrungsbäume.Gegen Ende des Sommers bleiben immer weniger Hirschkäfer übrig. Werden die Tiere nicht von Feinden gefressen, sterben sie nach etwa 60 Tagen an Altersschwäche.

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Bitte melden!

Um dem Hirschkäfer gezielt helfen zu können, ist eine möglichst genaue Kenntnis über sein Vorkommen notwendig. Hierzu können alle beitragen, die sich viel in der freien Natur oder im Garten aufhalten!

Bitte teilen Sie dem NLWKN alle Beobachtungen von Hirschkäfern mit, am besten unter Verwendung des speziellen Hirschkäfer-Meldebogens. Neben der korrekten Artbestimmung ist die genaue Fundortangabe von größter Bedeutung, z. B. sollte die Baumgruppe, die Baumreihe, die Alteichen am Südrand der Forstabteilung Nr. xy, das Feldgehölz o.ä. so genau wie möglich benannt werden. Der Fundort sollte in einer möglichst kleinmaßstäblichen Karte oder einen Luftbildausdruck eingetragen und am besten auf die Rückseite des Meldebogens kopiert werden.

Es geht zur Not aber auch mit einem einfachen Anschreiben, in dem die gefundenen Käfer (Anzahl, Geschlecht) aufgelistet werden und der Fundort so genau wie möglich beschrieben und möglichst in eine Kartenkopie eingezeichnet wird. Belegfotos, vor allem von Weibchen, sind sehr willkommen!

Bitte schicken Sie Ihre Fundmeldungen an:
NLWKN
- Betriebsstelle Hannover-Hildesheim -
Aufgabenbereich Arten- und Biotopschutz
Göttinger Chaussee 76 A
30453 Hannover
naturschutz-meldebogen@nlwkn-h.niedersachsen.de

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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an

Dr. Alexander Pelzer, 0511 / 3034-3203, Mail an Dr. Alexander Pelzer
oder an
Thomas Herrmann, 0511 / 3034-3217, Mail an Thomas Herrman


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Bestandssituation

Schwerpunkträume der Verbreitung liegen in Westniedersachsen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim, im Süden des Landkreises Emsland, in den Landkreisen Osnabrück und Vechta, in der Göhrde einschließlich ihrer Randbereiche, in Teilen der Lüneburger Heide (hier insbesondere auf dem Truppenübungsplatz Bergen, wo allerdings nutzungsbedingt vermutlich noch viele Daten fehlen) und im Süden in den tieferen Mittelgebirgslagen.

Hirschkäfer-Nachweise aus Niedersachsen und Bremen, 1800-2015

Hirschkäfer-Nachweise aus Niedersachsen und Bremen, 1800-2015

Das Quellenverzeichnis für die Nachweiskarte vom Hirschkäfer finden Sie hier.
Hirschkäfer-Männchen

Hirschkäfer-Männchen (Foto: H. Wilke)

Unterlagen für die Meldung von Hirschkäfern

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