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Libellen

Von diesen schillernden, farbenprächtigen Flugkünstlern - manchmal auch "fliegende Edelsteine" genannt - gibt es in Niedersachsen 69 bodenständige Arten, die sich hier regelmäßig fortpflanzen.

Die Entwicklung von Libellen, vom Ei bis zum erwachsenen Insekt (Imago), findet in Gewässern verschiedenster Art statt. Die Ansprüche der Libellen (sowohl Larven als auch Imagines) an ihr Wohn- bzw. Eiablagegewässer sind artspezifisch sehr unterschiedlich hinsichtlich Temperatur, Sauerstoffgehalt und Gewässerstruktur (Tiefe, Bodenbeschaffenheit, Pflanzenbewuchs). Einige Arten leben z.B. nur in stets kühlen, klaren Bächen, einige nur in Mooren mit flutenden Torfmoosen, andere in sommerwarmen flachen Weihern mit üppigem Wasserpflanzenbewuchs. Sie ernähren sich räuberisch von kleineren Wassertieren.

Erst im letzten Stadium ihrer Entwicklung verlässt die Libellenlarve das Wasser. Nachdem sie einen Halm oder Ast am Gewässer erklettert hat, platzt ihre Rückenhaut und die erwachsene Libelle (Imago) schlüpft heraus. Nach kurzer Zeit sind Flügel sowie Außenskelett ausgehärtet und der erste Beuteflug kann beginnen. Auch in dieser Lebensphase leben Libellen räuberisch und erbeuten als reine Flugjäger Insekten und Spinnen.

Auf ihren Jagdflügen sind Libellen manchmal mehrere Kilometer vom Gewässer entfernt anzutreffen. Das Imaginalstadium dient der Fortpflanzung und Ausbreitung der Art. Diese letzte Existenzphase endet, nach Paarung und Eiablage, je nach Art schon nach der kurzen Zeitspanne von einer Woche bis zu drei Monaten. Spätestens nach den ersten Frösten sterben auch die letzten - mit Ausnahme der Winterlibellen, die als Vollinsekt überwintern.

Gefährdung und Schutz
Die Bestände aller Libellenarten sind durch vom Menschen verursachte Veränderungen ihrer Lebensräume zurückgegangen. Hauptursachen für den Bestandsrückgang und die Gefährdung sind:

  • Gewässerverschmutzung durch Abwässer sowie Nährstoffzufuhr von landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen, Verschmutzung und Erwärmung von Fließgewässern durch Fischteiche
  • Ausbau und Unterhaltung (Grundräumung, Entkrautung, Mahd) von Fließgewässern und Gräben
  • Trockenlegung von Mooren und Sümpfen
  • Beseitigung von Weihern, Tümpeln und Sümpfen, z.B. durch Verfüllen
  • Ausbaggern von Weihern, Tümpeln und Sümpfen, z.B. zur Anlage von Fischteichen.

Positiv haben sich für viele Libellenarten die großen Anstrengungen bei der Abwasserreinigung ausgewirkt, die zu einer merklichen Verbesserung der Wasserqualität vieler niedersächsischer Fließgewässer geführt hat. Die Maßnahmen zur naturnäheren Gewässergestaltung schaffen wieder neue Libellen-Lebensräume. Auch die Umsetzung des Niedersächsischen Moorschutzprogramms wird zu einer Verbesserung der Situation führen, weil in den nächsten Jahren die Genehmigung zum Torfabbau für viele Moorflächen erlischt und diese Flächen dann wieder vernässt werden.

Arten der Sümpfe und Weiher bedürfen, auch wenn die meisten in ihrem Bestand als Art nicht gefährdet sind, ebensolcher Anstrengungen. Sie waren einst 'Massentiere' und als solche eine wichtige Nahrungsquelle für andere Arten, z.B. den Baumfalken oder andere Vögel.

Erfassung
Alle Libellenarten werden im Tierarten-Erfassungsprogramm erfasst.

Literatur

  • ALTMÜLLER, R., M. BREUER & M. RASPER (1989): Zur Verbreitung und Situation der Fließgewässerlibellen in Niedersachsen. - Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 9, Nr. 8 ( 8/89): 137-176, Hannover.
  • Altmüller, R. & H.-J. Clausnitzer (2010): Rote Liste der Libellen Niedersachsens und Bremens – 2. Fassung, Stand 2007. – Inform.d. Naturschutz Niedersachs 30, Nr. 4 ( 4/10): 211-238.

Grüne Keiljungfer
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Alexander Pelzer

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Betriebsstelle Hannover-Hildesheim
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3203
Fax: +49 (0)511 / 3034-3501

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