NLWKN klar

Besenderte Wölfe in Niedersachsen

Datenauswertung des Rudels Munster - Juni bis Dezember 2015


Das Wolfsrudel in Munster ist im Frühjahr 2015 durch häufige Meldungen von möglichen Nahkontakten zu Menschen aufgefallen. Das Umweltministerium hat daraufhin eine Intensivierung des Monitorings vor Ort durch das LUPUS-Institut sowie die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) veranlasst. In diesem Zuge wurden durch das LUPUS-Institut im Auftrag des NLWKN am 22.06.2015 ein Jährlingsrüde namens MT6 und am 28.06.2015 eine Jährlingswölfin namens FT10 im Bereich des Truppenübungsplatzes Munster mit Halsbandsendern ausgestattet.


Besenderter Wolf © Jürgen Borris  
Besenderter Wolf des Munsteraner Rudels (Foto © Jürgen Borris)

Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass sich die Tiere vorrangig auf dem Truppenübungsplatz Munster aufhielten. Jungwölfe unternehmen mit wachsender Selbstständigkeit Ausflüge, meist im näheren Umfeld des Elternrevieres. Diese Ausflüge können sie auch mal etwas weiter weg führen. In der Anfangszeit kehren die Jungwölfe jedoch immer wieder in das Elternrevier zurück.

Diese Ausflüge werden oft alleine, häufig aber auch in Begleitung von noch vorhandenen Geschwistern unternommen. Vor allem von jungen Rüden sind weitere Ausflüge bekannt. Dieses Verhalten dient der Orientierung im Umfeld des Elternrevieres und der Suche nach einem möglichen eigenen Revier und einem Partner/einer Partnerin.

Einzellokationen der besenderten Wölfe  
Abb. 1: Einzellokationen ab Tag der Besenderung bis zur letzten Meldung aufgrund eines Defekts der GPS-Funktion der Sender: Jährlingsrüde MT6 bis Ende Dezember 2015 (blaue Quadrate), Jährlingswölfin FT10 bis Anfang November2015 (rote Punkte)

Aus Abb. 1 ist ersichtlich, dass beide besenderten Wölfe kurzfristige Ausflüge außerhalb des Truppenübungsplatzes Munster Nord und Munster Süd unternommen haben. Vor allem der Jährlingsrüde MT6 (blaue Quadrate) zeigte vermehrt Ausflüge in das weitere Umfeld außerhalb des Munsteraner Elternrevieres. Die Jährlingswölfin FT10 unternahm im untersuchetn Zeitraum nur wenige weiter entferntere Ausflüge (rote Punkte). Beide besenderten Tiere kehrten nachweislich immer noch in ihr Elternrevier zurück.

MCP 100 der besenderten Wölfe  
Abb. 2: MCP 100 (Minimum-Convex-Polygon) für die besenderten Jährlingswölfe (blau:Rüde MT6, rot:Wölfin FT10) unter Ausschluss offensichtlicher Erkundungsausflüge. Der Bereich spiegelt die ungefähre Lage des Elternreviers des Rudels Munster wider.

Streifgebiete von Jungwölfen können durch das beschriebene Verhalten größer als die Elternreviere sein. Die in Abb. 2 dargestellten sogenannten Minimum-Convex-Polygone (MCP100) stellen die hauptsächlich genutzten Gebiete der beiden Jungwölfe dar. Das heißt: offensichtliche Erkundungsausflüge wurden hier bewusst nicht berücksichtigt. Das Revier des Munsteraner Elternrudels wird in etwa dem Durchschnitt der MCPs der beiden Jährlinge entsprechen.

Das hauptsächlich genutzte Gebiet der Jährlingswölfin (MCP100) war mit 272 km2 etwas kleiner als das hauptsächlich genutzte Gebiet des Jährlingsrüden (MCP100), welches 351 km2 umfasste. Somit ist das geschätzte Revier des Munsteraner Elternrudels etwa 312 km2 groß. Es ist unwahrscheinlich, dass das Revier des Munsteraner Rudels größer ist als das MCP100 des Jährlingsrüden MT6.

Die satellitengestützte Übermittlung von Positionsdaten der GPS-Sender ist Ende des Jahres 2015 bei beiden Jungwölfen ausgefallen. Die letzte Positionsübermittlung des Rüden erfolgte am 20.12.2015, die der Wölfin am 03.11.2015. Die Sender verfügen zusätzlich über eine VHF-Senderfunktion, sodass auch die Möglichkeit besteht, besenderte Tiere terrestrisch über ein Funksignal zu orten. Der GPS-Sender des Rüden war auch bereits in der Zeit vom 20.09.2015 bis zum 11.11.2015 ausgefallen. Der temporäre Ausfall von Sendern ist ein in der Tiertelemetrie häufig auftretendes Problem. Ab dem 11.11.2015 wurden alle Ortungsdaten des Rüden innerhalb kürzester Zeit nachgesendet und die Übermittlung der neuen Ortungsdaten erfolgte wieder in gewohnter Taktung bis zum erneuten Senderausfall am 20.12.2015.

Die Auswertung der GPS-Daten der beiden 2015 besenderten Wölfe aus dem Rudel Munster ist abgeschlossen. Von der Wölfin FT10 sind keine Auffälligkeiten bekannt geworden. Über die weitere Entwicklung im Fall des Rüden MT6 können Sie sich anhand der Pressemitteilungen des Umweltministeriums in den Monaten März und April 2016 informieren.

Wolfbüro des NLWKN
Besenderter Wolf © Jürgen Borris  

Besenderter Wolf des Munsteraner Rudels (Foto © Jürgen Borris)

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Wolfsbüro des NLWKN

Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3034 (Mo-Fr: 9.00-12:00 Uhr; Mo-Do: 13:00-16:00 Uhr)
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