NLWKN Niedersachen klar Logo

Bewertung von Vogellebensräumen in Niedersachsen – Brutvögel, Gastvögel –

Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen

Heft 2/13, 36 S., 4,- €


Beiträge

  • BEHM, K. & T. KRÜGER (2013): Verfahren zur Bewertung von Vogelbrutgebieten in Niedersachsen, 3. Fassung, Stand 2013
  • KRÜGER, T., J. LUDWIG, P. SÜDBECK, J. BLEW & B. OLTMANNS (2013): Quantitative Kriterien zur Bewertung von Gastvogellebensräumen in Niedersachsen, 3. Fassung, Stand 2013


Verfahren zur Bewertung von Vogelbrutgebieten in Niedersachsen -
3. Fassung, Stand 2013

von Katja Behm & Thorsten Krüger

Inhalt
1 Einleitung
2 Bewertungsmethodik – Herleitung und Anwendung

2.1 Datengrundlage
2.2 Flächenabgrenzung und Gebietsgröße
2.3 Ermittlung der Punktwerte
2.4 Besondere Berücksichtigung der Nahrungshabitate ausgewählter Arten
2.5 Besondere Berücksichtigung extrem seltener Arten
2.6 Zusammenfassende Bewertung
3 Anwendungsbeispiele
3.1 Landesweite Darstellung avifaunistisch wertvoller Bereiche
3.2 Gebietsbewertungen als planungsrelevante Informationen
4 Diskussion
5 Dank
6 Zusammenfassung
7 Summary
8 Literatur


Zusammenfassung

Das Verfahren zur Bewertung von Vogelbrutgebieten in Niederachsen wurde erstmals 1978 beschrieben und ist seither in seinen Grundzügen unverändert geblieben. In den 1990er Jahren erfolgte eine erste Erweiterung von Teilaspekten des Verfahrens. In dieser Arbeit wird das Verfahren aktualisiert, in den einzelnen Bewertungsschritten erläutert und es werden Hinweise zu oft gestellten Fragen und Problemen gegeben.

Die Bewertung erfolgt nach einem einfachen standardisierten Punktwert-System. Die grundlegenden Bewertungskriterien eines zu bewertenden Vogellebensraumes sind 1.) die Vorkommen gefährdeter Brutvogelarten gemäß ihrer Einstufung in die Roten Listen, 2.) die Brutbestandsgröße der einzelnen gefährdeten Vogelarten und 3.) die Anzahl der gefährdeten Arten. Die Flächengröße der zu bewertenden Brutvogellebensräume muss zwischen 80 und 200 ha liegen. Die Abgrenzung der Flächen soll sich jeweils an möglichst einheitlichen Biotoptypen orientieren. Neben den Brutgebieten werden zusätzlich für ausgewählte stark gefährdete Arten die für die Jungenaufzucht notwendigen Nahrungshabitate bewertet.

In Zusammenhang mit einer geänderten Gefährdungseinstufung haben sich viele Veränderungen bei der Einstufung der Brutvogelarten in den für das Bewertungsverfahren relevanten Roten Listen Niedersachsens und Deutschlands ergeben. Das Bewertungsverfahren liefert auch unter Zugrundelegung der neuen Gefährdungseinstufungen belastbare Ergebnisse und ist geeignet, sowohl Bereiche mit großem avifaunistischen Wert als Brutgebiet als auch allgemein Bereiche mit hoher Biodiversität zu identifizieren.

Das Verfahren hat in der Vergangenheit insgesamt große Bedeutung für die Umsetzung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie bzw. allgemein bei der Identifizierung der wichtigsten Brutvogellebensräume erlangt. Es hat sich in Niedersachsen zu einem Standardverfahren in der Landschaftsplanung und im Rahmen von Planungs- und Eingriffsvorhaben entwickelt.


Summary

The procedure to assess the importance of specific sites as breeding grounds for nesting birds in Lower Saxony was introduced in 1978 and has remained unchanged in its basic outline ever since. In the 1990’s it has been extended in certain aspects for the first time. This paper describes all steps of the procedure in detail and gives answers to frequently asked questions and problems.

The assessment is based on a simple, standardized points system. The value of each breeding site is assessed according to the following criteria: i) the occurrence of endangered breeding bird species weighted according to their status in the relevant Red Lists, ii) the size of the breeding population of each endangered species, and iii) the number of endangered species. The size of the sites to be assessed has to cover a range of 80 to 200 hectares. The boundaries of each site should preferably be defined by natural characteristics, e.g. homogenous biotope type. For some selected, highly endangered species not only the breeding sites, but also their feeding grounds are to be assessed since they are of equal importance for raising chicks successfully.

With the update of the relevant Red Lists of Lower Saxony and Germany the threat status of various bird species changed. However, based on the updated Red Lists the assessment procedure delivers equally suitable results as before. It enables to identify sites of high value as breeding site as well as sites of high biodiversity.

Throughout the last decades the assessment has become an important tool for the implementation of the EU Birds Directive and for the identification of valuable breeding sites in general. It has become a standard method in the process of landscape planning as well as in planning projects and impact mitigation procedures.
.
.........nach oben
.

Quantitative Kriterien zur Bewertung von Gastvogellebensräumen in Niedersachsen - 3. Fassung, Stand 2013
von Thorsten Krüger, Jürgen Ludwig, Peter Südbeck, Jan Blew & Bernd Oltmanns

Inhalt
1 Einleitung
2 Methode und Datengrundlage

2.1 Begriffserklärungen und Definitionen
2.2 Datengrundlage
3 Herleitung und Anwendung der Kriterien
4 Dank
5 Zusammenfassung
6 Summary
7 Literatur

Anhang: Tabelle „Quantitative Kriterien für die einzelnen Arten“ ( hier zum Download, xls)


Zusammenfassung

Zur Bewertung von Gastvogellebensräumen (hier: in erster Linie von Wasservogellebensräumen) in Niedersachsen werden mit dieser Arbeit aktualisierte quantitative Kriterien in regionaler Differenzierung und unter Berücksichtigung der Verbreitungs- und Häufigkeitsmuster der Arten vorgestellt. Die Bedeutung des Gastvogelbestandes eines Gebietes wird dabei in fünf Stufen bewertet (international, national, landesweit, regional, lokal). Dazu werden Kriterienwerte verwendet, die sich aus den Bestandsgrößen der Arten in den jeweiligen Bezugsräumen ableiten. Dies schafft die Voraussetzungen für eine differenzierte Einstufung der Vogelbestände.

So ist ein Gebiet von internationaler Bedeutung, wenn es mindestens 20.000 Wasservögel oder mindestens 1 % der Individuen einer biogeographischen Population einer Wasservogelart beherbergt. Gastvogellebensräume sind von landesweiter Bedeutung für Wasservögel, wenn dort regelmäßig mindestens 2 % des landesweiten Rastbestandes einer Wasservogelart (durchschnittliche Höchstzahlen) vorkommen. Grundsätzlich gilt für alle Bewertungsstufen, dass ein Gebiet nur dann eine bestimmte Bedeutung erreicht, wenn wenigstens für eine Art das entsprechende Kriterium in der Mehrzahl der untersuchten Jahre, z. B. in mindestens drei von fünf Jahren, registriert wurde. Bei nur kurzzeitiger Untersuchungsdauer und geringer Untersuchungsdichte, wie es z. B. bei Eingriffsplanungen die Regel ist, muss im Sinne des Vorsorgeprinzips davon ausgegangen werden, dass eine Bedeutung des Gebietes auch bei nur einmaligem Überschreiten des Kriterienwertes gegeben ist.

Das Bewertungsverfahren hat sich inzwischen vielfach bewährt und ist allgemein anerkannt. Es ermöglicht, bedeutsame Lebensräume für Gastvögel objektiv zu identifizieren und differenziert zu bewerten. Erst wenn diese Gebiete bekannt sind, können sie auch etwa in der Landes-, Regional- und Bauleitplanung, bei Eingriffsvorhaben und jeder Art der Flächennutzung berücksichtigt und mit den Instrumenten des Naturschutzes und der Landschaftspflege geschützt werden.


Summary

This article presents updated quantitative criteria to assess the importance of specific sites as habitats for migratory waterbirds in Lower Saxony. The criteria refer to different regional levels and factor in the distribution patterns of the different species in Lower Saxony. The assessment of a particular site is based on the number of occurring waterbirds and classified into five levels (international, national, state-wide, regional and local importance). Thus, threshold values are used, which depend on the population size of the respective reference area, leading to region- and site-specific assessments.

For instance, a stopover, staging or wintering site is of international importance, if it holds at least 20,000 waterbirds or at least 1 % of the individuals of the biogeographic population of a waterbird species; this complies with the current application of the so-called 1 %-criterion. In order to apply this method to the federal state Lower Saxony, nation-wide and state-wide population numbers have been calculated, including a responsibility factor for the state-wide criteria, based on the relation between the national and state-wide numbers. Thus, sites for migratory waterbirds are of state-wide importance, if they regularly host at least 2 % of the average maximum number of the entire state or an even lower value depending on the responsibility factor. A site achieves importance if the respective criterion is reached in the majority of surveyed years, e. g. three of five years. If data are only available from a one-year survey or if the surveying frequency has been quite low – as it is often the case in spatial planning and infrastructure projects – the importance of a site is assumed even if the respective criterion is reached only once. This complies with the precautionary principle.

The assessment of sites for migratory waterbirds is an accepted and established method to objectively identify important bird sites or areas, since it provides an essential basis for the identification of important sites for waterbirds. Only if sites have been objectively identified as important they can be appropriately taken into account in the frame of state-wide and regional development planning, land use planning and the assessment of plans in the course of impact mitigation regulation, but also for the designation and allocation of protected areas, management and development plans, species action plans, and, last but not least, for the implementation of the EU Birds Directive.

2/2013  
NLWKN-WebShop

Hier finden Sie die lieferbaren landesweiten Veröffentlichungen des NLWKN:

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Naturschutzinformation

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3305
Fax: +49 (0)511 / 3034-3501

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln