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Renaturierung der Rhume am Wehr Lindau

Wiederherstellung eines naturnahen Gewässerabschnittes mit neuen aquatischen Wandermöglichkeiten


Die Rhume springt im Pöhlder Ortsteil Rhumasprung zwischen Pöhlde und Rhumspringe im Landkreis Göttingen.

Mit einer Quellschüttung von durchschnittlich 2.000 Litern pro Sekunde ist sie die viertgrößte Karstquelle Deutschlands. Nach etwa 48 km Fließlänge mündet sie nordwestlich der Stadt Northeim als rechter Nebenfluss in die Leine. Am Pegel Northeim weist sie einen mittleren Wasserabfluss (MQ) von 16,4 m³/s auf und führt damit mehr als 1,5 Mal so viel Wasser wie die Leine selbst.

Seit den 1930er Jahren wurde auch die Rhume vielerorts anhand von Durchstichen begradigt, befestigt und staureguliert. So wurde beispielsweise der Firma August Greve aus Lindau im Jahre 1924 ein Wasserrecht an der Rhume für den Betrieb einer Jutespinnerei und Bindfadenfabrik erteilt. Das daraufhin zum Betrieb der Spinnerei errichtete Stauwehr in der Rhume bei Lindau stellte ein unüberwindbares Hindernis für Fische und andere aquatische (Kleinst-) Lebewesen dar.

Rhume-wehr  
Abbildung 1: ehemaliges Rhume-Wehr bei Lindau mit einer Absturzhöhe von 1,6 Metern
Zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Rhume übertrug der spätere Eigentümer des Wasserrechts dieses bereits im Jahre 1984 an das Land Niedersachsen, vertreten durch die Bezirksregierung Braunschweig.

Die ökologische Durchgängigkeit des Flusses ist entscheidend für eine gewässertypische, vielfältige Fischfauna und deren Lebensgemeinschaft, weshalb das Wehr rückgebaut werden musste. Im Rahmen der Verwaltungsumstrukturierung ging das Staurecht samt den dazugehörigen Pflichten an den Geschäftsbereich Naturschutz des NLWKN über. In gemeinsamer Initiative des NLWKN, der Bereiche Naturschutz und Wasserwirtschaft des Landkreises Northeim und der Gemeinde Katlenburg-Lindau konnten 2011 die notwendigen Randbedingungen für die Realisierung der Maßnahmen zur Renaturierung und Herstellung der Durchgängigkeit der Rhume am Wehr in Lindau geschaffen werden. Der bisher vorhandene Gefällesprung – bei Niedrigwasserabfluss (Q30) beträgt die Differenz zwischen dem Ober- und Unterwasserspiegel rund 1,6 m – wird nun durch ein naturnahes Raugerinne mit Beckenstruktur auf der Fläche südlich der Stauanlage überwunden.

Gewässerabschnitt im Bau, Unterwasseransicht  
Abblidung 2: Gewässerabschnitt im Bau, Unterwasseransicht
Das naturnahe und strukturreiche Raugerinne besteht aus 14 Becken und 15 Steinriegeln. An jedem Riegel wird ein geringer Höhenunterschied überwunden, so dass über alle 15 Riegel der gesamte Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser treppenartig abgebaut wird. In den zwischen den Riegeln entstandenen Becken bilden sich strömungsberuhigte Bereiche. Diese dienen u.a. den aufsteigenden Fischen als Ruhezonen. Am linken Ufer wird der Gewässerquerschnitt aufgeweitet, um höhere Abflüsse aufzunehmen und die Hochwasserneutralität der Maßnahme zu gewährleisten. Weitere Bereiche des Gewässerabschnitts werden durch strukturverbessernde Maßnahmen aufgewertet. Der vorhandene Fischteich wird so umgestaltet, dass er als Laichbiotop für die Zielart Kammmolch dient. Der Kammmolch ist eine für das Gebiet wertgebende und schutzbedürftige Art.
Planung und alter Bestand (gelb), Skizze  
Abbildung 3: Planung und alter Bestand (gelb), Skizze

Die Planung wurde vom Geschäftsbereich II „Planung und Bau wasserwirtschaftlicher Anlagen und Gewässer“ der Betriebsstelle Süd unter Zuarbeit weiterer Ingenieurbüros aufgestellt. Sie erfolgte, wie auch die bauliche Umsetzung, in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden und Betroffenen.

Das rund 800.000 Euro teure Projekt wurde aus Mitteln des Förderprogramms „ Fließgewässerentwicklung“ in Kombination mit einer EU-Kofinanzierung realisiert.

Die Plangenehmigung zur Umgestaltung des Gewässerabschnittes wurde von der zuständigen Wasserbehörde des Landkreises Northeim erteilt. Im Genehmigungsverfahren konnten alle Betroffenen nochmals ihre Anmerkungen einbringen. Auf diese Weise sind die verschiedensten Interessenslagen in das Verfahren eingeflossen und berücksichtigt worden.


naturnahes Raugerinne südlich der ehemaligen Stauanlage
Abbildung 4: naturnahes Raugerinne südlich der ehemaligen Stauanlage
Rhume-Wehr

Rhume-Wehr

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Rainer Carstens

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Am Sportplatz 23
D-26506 Norden
Tel: +49 (0)4931 / 947-210

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