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Umsetzung und Erprobung hydrologischer Optimierungsmaßnahmen in Hochmooren der Diepholzer Moorniederung

Klimaschutz durch Moorentwicklung - ZW6-85042002


Der NLWKN - Regionaler Naturschutz - bearbeitet im Zeitraum 01.05.2020 - 30.06.2022 (Bewilligungszeitraum) das aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderte Projekt „Umsetzung und Erprobung hydrologischer Optimierungsmaßnahmen in Hochmooren der Diepholzer Moorniederung“.

Die Projektbereiche liegen in drei Naturschutzgebieten mit insgesamt ca. 1.500 ha Moorfläche in den Landkreisen Diepholz, Nienburg und Osnabrück: Siedener Moor (NSG HA 112), Diepholzer Moor (NSG HA 148, FFH 429) und Dievenmoor (NSG WE 218).

Lage des Projektgebietes   Bildrechte: NLWKN
Lage des Projektgebietes

1. Wiedervernässung und Renaturierung vorentwässerter Hochmoorflächen im Landkreis Diepholz

Ein zentrales Projektziel ist die Wiedervernässung und Renaturierung von mehr als 50 ha v. a. durch Entwässerung und Torfabbau vorgeschädigter Hochmoorfläche in den Naturschutzgebieten Siedener Moor und Diepholzer Moor im Landkreis Diepholz. Die hydrologischen Defizite in den Moorkernbereichen konnten bisher trotz verschiedener Maßnahmen, z.B. im Rahmen von Flurbereinigungsverfahren, nicht vollständig behoben werden. Durch Austrocknung des organischen Moorbodens wird dieser unter Luftzufuhr rasch zersetzt. Dabei kommt es zu beträchtlichen Emissionen klimarelevanter Gase wie CO2, und zu einer Absenkung des Geländes aufgrund von Torfschwund und Bodensackung. Hiervon betroffen sind sowohl sensible Heile-Haut-Flächen in den Moorkernbereichen mit hohen Torfmächtigkeiten als auch durch den Torfabbau stark überprägte Moorrandbereiche.

Optimale (blau) und defizitäre (rot) Wasserstandsdynamik im Hochmoor, fiktive Daten zur Veranschaulichung   Bildrechte: NLWKN
Optimale (blau) und defizitäre (rot) Wasserstandsdynamik im Hochmoor, fiktive Daten zur Veranschaulichung

In mehreren ausgewählten Maßnahmenbereichen sollen möglichst hochmoortypische, d. h. ganzjährig flurnahe Wasserstände (s. Grafik) wiederhergestellt werden. Auf geeigneten Teilflächen wird zudem Offenland wiederhergestellt. Auswahlkriterien für die Wiedervernässung und Renaturierung sind jeweils hohe Torfmächtigkeiten sowie günstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiedervernässung und eine naturschutzfachliche Aufwertung.

Oberflächenabflüsse überschüssigen Niederschlagswassers treten v. a. im Winterhalbjahr auf, hier als Beispiel im NSG Siedener Moor.   Bildrechte: Jan-Erik Dickopp
Oberflächenabflüsse überschüssigen Niederschlagswassers treten v. a. im Winterhalbjahr auf, hier als Beispiel im NSG Siedener Moor.

Für eine erfolgreiche Wiedervernässung müssen bestehende Wasserverluste weitestgehend reduziert werden. Hierzu zählen in den vorgeschädigten Hochmooren hauptsächlich oberflächliche Abflüsse überschüssigen Niederschlagswassers (s. Abb), seitliche Sickerverluste von Moorwasser in den oberen Bodenschichten und die Verdunstung über Gehölzbestände.

Der Moorwasserhaushalt wird im laufenden Projekt auf effektive Weise durch Kombination wasserbaulicher und landschaftspflegerischer Maßnahmen optimiert:

Neu errichteter Torfdamm, Beispielbild   Bildrechte: Jan-Erik Dickopp
Neu errichteter Torfdamm, Beispielbild
  • Torfdämme und Verwallungen
    Oberflächliche Abflüsse werden durch die Herstellung von Dämmen und Wällen aus Torf unterbunden. Wichtig bei der Positionierung und Dimensionierung dieser wasserbaulichen Anlagen ist die Beachtung der lokalen Topographie und der daraus resultierenden Entwässerungspfade, da in den Maßnahmenbereichen durch den früheren Torfstich ein ausgeprägtes Relief mit teils erheblichen Höhenunterschieden vorliegt (s. Abb. unten). Mittels Annäherung der Wasserspiegellagen zwischen benachbarten Flächen werden zudem oberflächennahe Sickerverluste herabgesetzt.
Räumliche Modellierung von Oberflächenabflüssen ohne Dämme (links) und mit simulierten Dämmen (rechts) im NSG Siedener Moor, Darstellung 10-fach überhöht   Bildrechte: NLWKN
Räumliche Modellierung von Oberflächenabflüssen ohne Dämme (links) und mit simulierten Dämmen (rechts) im NSG Siedener Moor, Darstellung 10-fach überhöht
Sekundäre Gehölzbestände von Moorbirke (Betula pubescens) auf vorentwässertem Hochmoor, jüngeres Stadium im NSG/FFH Diepholzer Moor (oben) und älteres Stadium im NSG Siedener Moor (unten)   Bildrechte: Jan-Erik Dickopp
Sekundäre Gehölzbestände von Moorbirke (Betula pubescens) auf vorentwässertem Hochmoor, jüngeres Stadium im NSG/FFH Diepholzer Moor (oben) und älteres Stadium im NSG Siedener Moor (unten)
  • Verschluss von Gräben
    Durch die Verfüllung verbliebener gängiger Entwässerungsgräben wird Niederschlagswasser im Moorkern zurückgehalten, anstatt rasch in die Vorflut abgeführt zu werden. Vorhandene Schlitzgrabensysteme auf nicht abgetorften Flächen werden abgedämmt, um dem Wasseraustritt an den Rändern entgegenzuwirken. Hierdurch werden auch höhergelegene Moorflächen, wie etwa im Zentrum des Diepholzer Moores, besser vernässt.
  • Entfernung nicht hochmoortypischer Gehölzbestände
    Sekundär auf vorentwässerten Moorflächen etablierte, dichte Gehölzbestände aus Moor-Birke (s. Abb.), Faulbaum und Wald-Kiefer werden entfernt, um moorhydrologische und naturschutzfachlich höherwertige Entwicklungsziele zu erreichen. Zum einen werden die Verdunstungsverluste verringert und somit die Wasserbilanz des Moorbodens verbessert. Zum anderen kann sich nach Wegfall der Beschattung die lichtbedürftige niedrigwüchsige Hochmoorvegetation wieder etablieren, darunter die für die Hochmoorbildung und die Wasserspeicherung essenziellen Torfmoose. Darüber hinaus wird das natürlicherweise offene Landschaftsbild der Hochmoore wiederhergestellt und Lebensräume für seltene und bedrohte Tierarten, wie Wat- und Wiesenvögel, Libellen und Tagfalter geschaffen.

Die umzusetzenden Maßnahmen wurden konzipiert im vorangegangenen EFRE-Projekt „Optimierung des Wasserhaushaltes in Hochmooren der Diepholzer Moorniederung“ (ZW6-85003687) der Betriebsstelle Hannover-Hildesheim des NLWKN. Bei der Maßnahmenplanung wurden topographische und bodenstratigraphische Aspekte besonders berücksichtigt. Zur Auswertung der Oberflächenstrukturen wurde u .a. das hochauflösende Digitale Geländemodell DGM1 eingesetzt.

2. Hydrologische Erprobung auf stark degenerierten Hochmoorstandorten im Landkreis Osnabrück

FFH-Moorwald LRT 91D0* in Torfmoos- (Sphagnum spec.) reicher Ausprägung im NSG Dievenmoor (oben) und mit Unterwuchs aus Gagel (Myrica gale) im NSG/FFH Diepholzer Moor (unten)   Bildrechte: Jan-Erik Dickopp
FFH-Moorwald LRT 91D0* in Torfmoos- (Sphagnum spec.) reicher Ausprägung im NSG Dievenmoor (oben) und mit Unterwuchs aus Gagel (Myrica gale) im NSG/FFH Diepholzer Moor (unten)

Auf Erprobungsflächen im Projektgebiet Dievenmoor (NSG WE 218) soll untersucht werden, wie sich der Wasserhaushalt hydrologisch stark gestörter und bewaldeter Hochmoorstandorte durch Umsetzung gezielter wasserbaulicher Maßnahmen und durch Entfernung von Gehölzen optimieren lässt. Hierbei werden gerodete und nicht gerodete Versuchsflächen gegenübergestellt. Die Wasserstände werden mittels automatisierter Messstellen fortlaufend in kurzen Intervallen erfasst. Darüber hinaus wird die vertikale Versickerung durch die unteren Torfschichten als Funktion der Bodenstratigraphie untersucht.

Strukturreicher Moorwald mit lichter, torfmoos- und unterwuchsreicher Ausprägung und einem hohen Anteil von Alt- und Totholz stellt einen seltenen und wertvollen Lebensraum dar. Derartige naturschutzfachlich günstige Ausprägungen von Moor- und Bruchwald werden gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union als eigener Lebensraumtyp (LRT) „Moorwälder“ (Kennziffer 91D0*) geführt (s. Abb.). Dieser Lebensraumtyp kann nur bei ausreichend hohen Wasserständen langfristig erhalten werden. Mittels der nicht gerodeten Erprobungsflächen soll aufgezeigt werden, ob und wie eine naturschutzfachlich höherwertige Moorwaldentwicklung auf stark degenerierten Hochmoorstandorten mit ausgeprägten hydrologischen Defiziten gelingen kann.

3. Planungen zur Optimierung der Vorflut im FFH-Gebiet Diepholzer Moor

Im Diepholzer Moor werden Machbarkeitsstudien zur naturschutzfachlichen Optimierung der Vorflutverhältnisse durchgeführt. Auf den im Osten des FFH- und Naturschutzgebietes liegenden Grünlandflächen kommt es durch die starke Grabenentwässerung im Sommerhalbjahr regelmäßig zur vollständigen Austrocknung des Moorbodens. Hierdurch wird die verbliebene Torfauflage rasch zersetzt und es kommt zu Dürreschäden an der Grasnarbe. Gefährdete und geschützte Nass- und Feuchtgrünland-Biotope sind aufgrund der trockenen Verhältnisse nur noch kleinflächig vorhanden.

Im laufenden Projekt sollen Möglichkeiten zur Optimierung der Vorflut geprüft werden, um die Tiefe der Austrocknung zu verringern und die jahreszeitlichen Trockenphasen insgesamt zu verkürzen. Darüber hinaus wird die Aufhebung nicht mehr benötigter Entwässerungsgräben im ungenutzten westlichen Randbereich des Diepholzer Moores verfolgt.

EFRE  

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Jan-Erik Dickopp

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3159

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