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Kooperationsmodell Trinkwasserschutz - Ergebnisse

Die 3. Auflage des Berichtes Trinkwasserschutzkooperationen in Niedersachsen ist im Februar 2019 erschienen (Reihe Grundwasser, Band 34, 2019). Der Bericht enthält Ergebnisauswertungen bis einschließlich 2016. Die Veröffentlichung ist im Web-Shop unter https://nlwkn-webshop.webshopapp.com erhältlich und steht hier als PDF-Download zur Verfügung. Die Tabellen und Abbildungen des Berichtes werden jedes Jahr aktualisiert und stehen in den Folgejahren ebenfalls als PDF-Download zur Verfügung. Nachfolgend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassend dargestellt:

Grundlagen des Kooperationsmodells

Im Jahr 2016 umfasste das Niedersächsische Kooperationsmodell 374 Trinkwassergewinnungsgebiete (TGG) mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) von insgesamt rund 293.000 ha. Das entspricht rund 11 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Niedersachsens.

Hohe Nitratbelastung im Grundwasser

Der mittlere Nitratgehalt aller Erfolgskontrollmessstellen in den TGG des Niedersächsischen Kooperationsmodells lag im Jahr 2016 bei rund 44 mg/l. Dabei wurden die höchsten mittleren Nitratgehalte mit rund 50 mg/l im Lockergesteinsgebiet westlich der Weser und die niedrigsten mittleren Nitratgehalte mit rund 31 mg/l im Festgesteinsgebiet erreicht. In allen drei Großräumen (Festgestein, Lockergestein östlich der Weser und Lockergestein westlich der Weser) nahmen die Nitratgehalte mit zunehmender Filtertiefe ab. Diese Abnahme war im Festgesteinsgebiet vergleichsweise gering, so dass die Nitratgehalte im Bereich > 20 m unter der Grundwasseroberfläche (GWOF) im Festgesteinsgebiet am höchsten waren (Tab. 1).

Die Nitratkonzentration von 50 mg/l wurde im Jahr 2016 in 36 % aller Erfolgskontrollmessstellen überschritten. Im Lockergesteinsgebiet lag dieser Anteil sogar bei 39 % ( Abb. 1). Aus der Nitratbelastung des Grundwassers ergibt sich der besondere Handlungsbedarf für den vorsorgenden Trinkwasserschutz.

Geringe Nitratbelastung im Rohwasser

Im Gegensatz zu der hohen Nitratbelastung im Grundwasser lag der fördermengengewichtete Nitratgehalt im Rohwasser in 2016 landesweit nur bei rund 5 mg/l (Tab. 2). Landesweit wiesen nur 0,4 % des geförderten Rohwassers Nitratgehalte von über 50 mg/l auf. Durch das Mischen mit Rohwasser einer geringeren Nitratkonzentration wurde der Grenzwert der Trinkwasserverordnung eingehalten.

Landesweite Erfolge des Kooperationsmodells

  • Zwischen 1998 und 2016 ging der Stickstoff-Hoftorbilanzüberschuss in den Trinkwassergewinnungsgebieten des Niedersächsischen Kooperationsmodells landesweit von 95 kg N/ha LF auf 55 kg N/ha LF zurück (Tab. 3). Im gleichen Zeitraum verringerte sich der N-Mineraldüngerzukauf von 139 kg N/ha LF auf 114 kg N/ha LF (Tab. 4), während die Wirtschaftsdüngerausbringung von 91 kg N/ha LF auf 108 kg N/ha LF anstieg (Tab. 5).
  • Die Stickstoffüberschüsse von Schlagbilanzen konnten durch Freiwillige Vereinbarungen, Agrarumweltmaßnahmen und Ökologische Vorrangflächen in den Trinkwassergewinnungsgebieten im Zeitraum 2008 bis 2016 im Mittel um rund 3.100 t N*a bzw. rund 10 kg N/ha LF*a reduziert werden.
  • Die Herbst-Nmin-Gehalte konnten durch Freiwillige Vereinbarungen, Agrarumweltmaßnahmen und Ökologische Vorrangflächen im Zeitraum 2008 bis 2016 im Mittel um rund 3.600 t N*a bzw. rund 12 kg N/ha LF*a verringert werden. • Die Nitratgehalte der Erfolgskontrollmessstellen mit einer Nitratkonzentration von über 5 mg/l gingen in den Trinkwassergewinnungsgebieten des Niedersächsischen Kooperationsmodells landesweit von 68 mg/l im Jahr 2000 auf 60 mg/l in 2016 zurück. Die Verringerung vollzog sich vor allem bis 2008, während die Nitratgehalte seitdem im Landesdurchschnitt stagnierten (Abb. 2).
  • Im Rohwasser gingen die Nitratgehalte von Rohwassermessstellen mit einer Nitratkonzentration von über 5 mg/l geringfügig von 25 mg/l im Jahr 2000 auf 23 mg/l in 2016 zurück.

Ausgaben im Rahmen des Kooperationsmodells

Die Ausgaben für Freiwillige Vereinbarungen und die Gewässerschutzberatung beliefen sich zwischen 2004 und 2016 landesweit im Mittel auf rund 17,6 Mio. €*a bzw. 58 €/ha LF. Davon entfielen ca. 11,5 Mio. € bzw. 38 €/ha LF auf die Freiwilligen Vereinbarungen und ca. 6,1 Mio. € bzw. 20 €/ha LF auf die Gewässerschutzberatung (Abb. 3).

Gegenläufige Entwicklungen zu den Erfolgen des Kooperationsmodells

Den Erfolgen des Kooperationsmodells stehen Entwicklungen in Niedersachsen gegenüber, die zusätzliche Nitrateinträge in das Grundwasser zur Folge haben und somit der erzielten Stickstoffminderung des Kooperationsmodells entgegenwirken. Zu nennen sind hier der zu hohe Wirtschafts- und Mineraldüngereinsatz, die Abnahme des Grünland- und Bracheanteils sowie der hohe Maisanteil und das hohe Aufkommen an Gärresten infolge des Betriebes von Biogasanlagen.

Fazit und Ausblick

Die Nitratgehalte im Grundwasser spiegeln nicht nur die Maßnahmen des Kooperationsmodells wider, sondern sind Ausdruck aller Nitrat beeinflussenden Faktoren. Hierzu zählen im Wesentlichen die allgemeine land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung, die gegenläufigen Entwicklungen, die Fließzeiten des Grundwassers sowie der Nitratabbau durch Denitrifikation. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führte zwischen 2000 und 2008 im Mittel zu einem Rückgang der mittleren Nitratkonzentration in den Erfolgskontrollmessstellen der Trinkwassergewinnungsgebiete Niedersachsens, während die Nitratgehalte zwischen 2008 und 2016 stagnierten. In den Referenzmessstellen außerhalb der Trinkwassergewinnungsgebiete fand dagegen zwischen 2000 und 2016 kein Rückgang der Nitratgehalte statt (Abb. 4).

Die Notwendigkeit, in den Trinkwassergewinnungsgebieten auch zukünftig Maßnahmen gegen Nitrateinträge in das Grundwasser umzusetzen, besteht weiterhin. Einerseits vor dem Hintergrund der gegenläufigen Entwicklungen und zum anderen aufgrund der hohen Nitratbelastung im Grundwasser.

Basis für einen erfolgreichen Grund- und Trinkwasserschutz sind die strikte Umsetzung und Kontrolle der örtlichen WSG-VO, der landesweiten SchuVO und des landwirtschaftlichen Fachrechtes sowie die jeweilige Sanktionierung bei Verstößen. Nur wenn die Schutzgebietsverordnungen und das landwirtschaftliche Fachrecht eingehalten werden, können die ergänzenden Maßnahmen des Kooperationsmodells sinnvoll darauf aufgesattelt werden.

 

Titelblatt Grundwasser Band 34

Trinkwasserschutzkooperationen in Niedersachsen

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Markus Quirin

NLWKN Göttingen
Alva-Myrdal-Weg 2
D-37085 Göttingen
Tel: +49(0)551 / 5070-453

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