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Gewässerrenaturierung: Kompromiss an der Vechte begeistert auch Skeptiker

Großvorhaben von NLWKN und Landkreis Grafschaft Bentheim erfolgreich abgeschlossen


Die Projektfläche aus der Luft: Um die Interessen der umliegenden landwirtschaftlichen Flächenpächer zu wahren, wurden im Rahmen eines Kompromisses zusätzliche Hochwasserschutzmaßnahmen ergriffen.   Bildrechte: NLWKN
Die Projektfläche aus der Luft: Um die Interessen der umliegenden landwirtschaftlichen Flächenpächer zu wahren, wurden im Rahmen eines Kompromisses zusätzliche Hochwasserschutzmaßnahmen ergriffen.

Schüttorf/Meppen. Ein knappes Jahr lang gestalteten Bagger und anderes schweres Gerät in Quendorf ein neues Bett für die Vechte. Das Renaturierungsprojekt in dem Landkreis Grafschaft Bentheim soll die Entwicklung natürlicher, dynamischer Prozesse in dem stark begradigten Gewässer ermöglichen. Zum Abschluss des unter Führung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) umgesetzten Vorhabens trafen am neu gestalteten Ufer der Vechte jetzt Wasserwirtschafter, Naturschützer und ehemalige Skeptiker zusammen.

Ein neues Auengewässer, ein um 245 Meter verlängerter Flusslauf, insgesamt 15 Bäume als Strukturelemente und Strömungslenker: Die Liste der in Quendorf im Auftrag des Landesbetriebs und der Grafschaft Bentheim umgesetzten Arbeiten ist lang. Dass ein solch tiefgreifender Eingriff in die Gewässerstruktur gerade bei den unmittelbar betroffenen Anliegern auch kritisch verfolgt wurde, ist für Josef Schwanken, Projektleiter in der NLWKN-Betriebsstelle Meppen, verständlich. „Umso wichtiger war es den Planern, die bestehenden Ängste und Vorbehalte vor allem in Bezug auf befürchtete Auswirkungen auf den Hochwasserschutz ernst zu nehmen und zu berücksichtigen“, so der Ingenieur.

Ein Anrainer, der bereits in der Planungsphase massive Bedenken gegen das Projekt angemeldet hatte, ist die Familie Löpmann. Heute, knapp ein Jahr nach Baubeginn, kann der Flächenpächter vergleichsweise gelassen zusammen mit Vertretern des NLWKN, des Landkreises Grafschaft Bentheim und des BUND über das nun fertiggestellte, neu gestaltete Areal schreiten. „Wir hatten als Pächter von Stiftungsflächen der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim die Möglichkeit, uns intensiv in den Planungsprozess und das Genehmigungsverfahren einzubringen. Das wir als Nutzer heute keine Bedenken mehr gegen das Projekt haben, hat viel damit zu tun, wie konstruktiv, kooperativ und lösungsorientiert alle Seiten miteinander und mit den verschiedenen Positionen umgegangen sind“, so Löpmann. Im Ergebnis steht in Quendorf ein Kompromiss, bei dem eine durch die Anlage einer Verwallung erreichte zusätzliche Hochwassersicherheit flussabwärts und die mit dem Projekt verfolgten ökologischen Ziele eng ineinandergreifen.

Diese formuliert der erste Kreisrat des Landkreises Garfschaft Bentheim, Dr. Michael Kiehl, beim Ortstermin an der Vechte wie folgt: „Es geht darum, den Fluss und sein Umfeld, die sogenannte Aue, zu fördern und wieder für natürlichere, dynamische Prozesse in der Vechte zu sorgen. Dafür haben wir in den vergangenen Monaten gemeinsam hervorragende Voraussetzungen geschaffen“, so Kiehl. Im Rahmen der durch die Firma Boymann aus Glandorf im Auftrag durchgeführten Arbeiten wurden insgesamt 220 Meter Schüttsteine aus der Böschung entnommen und 1.400 Quadratmeter Oberboden abgetragen. Zur Förderung der Auenentwicklung wurde auf einer Fläche von 3.600 Quadratmetern ein Auengewässer neu angelegt und der Lauf der Vechte verlängert. Die hierfür erforderlichen Flächen am Fluss wurden von der Naturschutzstiftung des Landkreises, der Stadt Schüttorf und dem Land Niedersachsen zur Verfügung gestellt.

Das Projekt, das mit Mitteln der europäischen Union in Höhe von rund 653.000 Euro gefördert wurde, erregte schon während der Baumaßnahmen auch in der Bevölkerung großes Interesse. Bei einer ersten naturschutzfachlichen Führung durch die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim, den BUND und den NLWKN Anfang Oktober waren alle Teilnahmeplätze schnell vergeben. Eine Fortsetzung des Angebots im kommenden Jahr ist geplant. Überhaupt schaut man an der Vechte positiv in die Zukunft: „Von dem in Quendorf gewonnenen Vertrauen können alle Partner bei Folgeprojekten profitieren“, glaubt Josef Schwanken.



Gruppenfoto auf der Fläche - im Hintergrund sind die neu gestalteten Wasserbereiche zu erkennen.   Bildrechte: NLWKN
Bei herbstlichem Wetter machten sich die Vertreter des Landkreises Grafschaft Bentheim, des BUND, des NLWKN Meppen, der Naturschutzstiftung des Landkreises und der Gemeinde Quendorf zusammen mit Familie Löpmann ein Bild von der fertiggestellten Fläche.
NLWKN-Logo Bildrechte: NLWKN

Artikel-Informationen

erstellt am:
22.11.2021

Ansprechpartner/in:
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Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
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30453 Hannover / 26506 Norden
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