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Aktuelles aus der Naturschutzstation Ems

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28.06.2019

Gänse-Großfamilie auf Bingumer Sand

Nilgänse sind sogenannte „Neozoen“, also Arten, die ursprünglich nicht bei uns heimisch sind, sondern aus anderen Teilen der Welt durch den Menschen eingeführt wurden. Bei den auffällig bunten Gänsen, die in Mitteleuropa inzwischen nahezu überall zu beobachten sind, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Nachkommen ehemaliger Parkvögel oder um andere Gefangenschaftsflüchtlinge.

Die auf der Emsinsel bei Leer im Rahmen des Projektes „Zukunftsperspektive Tideems“ (Träger: WWF, BUND und NABU) installierte WebCam offenbarte jetzt eine überraschende Verhaltensweise der Art: Die Bildung sogenannter „Kindergärten“, bei denen die Küken mehrerer Altvögel von einem Paar gehütet werden. Dies ist vor allem von Brandgänsen bekannt, bislang nicht aber von Nilgänsen. Auf Nachfrage zeigte sich auch Dr. Helmut Kruckenberg, Ornithologe und Gänsespezialist, überrascht von der Beobachtung. Er hält auch den „Raub“ fremder Küken im Verlauf von Revierstreitigkeiten für möglich.

Zählen Sie einmal die Küken auf dem Video, aber warten Sie bis zum Schluss!
(Video mit rechter Maustaste "Link öffnen" oder "in neuem Tab öffnen" starten)

 

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24.06.2019

Masterplan Ems: Angelegtes Grünland bei Rhede entwickelt sich prächtig

Der Masterplan Ems 2050 sieht auch Maßnahmen für Wiesenvögel wie Uferschnepfe und Kiebitz vor: Insgesamt sind 200 ha Fläche innerhalb eines weiten Suchraums an der Ems zu erwerben und für die selten gewordenen Wiesenbrüter herzurichten. Inzwischen stehen bereits mehr als 80 ha zur Verfügung, deren Betreuung und ökologische Optimierung einen Arbeitsschwerpunkt der Naturschutzstation Ems darstellt.

So auch im Gebiet der Gemeinde Rhede (Ems) im Landkreis Emsland. Innerhalb des Vogelschutzgebietes südlich der Ortschaft erfolgte im Jahr 2017 die Umwandlung einer etwa 4 ha großen ehemaligen Ackerfläche. Mit einer speziellen Grünlandsaat aus zertifiziertem Wildpflanzen-Saatgut in standortheimischer Artenzusammensetzung wurden neben Futtergräsern auch typische Wiesenblumen eingebracht.

Als Stationsmitarbeiter Heinrich Pegel die Fläche jetzt aufsuchte, um sich ein Bild von ihrer Entwicklung zwei Jahre nach der Einsaat zu machen, bot sich eine prächtige, blütenreiche Vielfalt voller Leben. Seine Fotos verdeutlichen, dass extensiv bewirtschaftetes, artenreiches Grünland nicht nur den Wiesenvögeln, sondern auch der bedrohten Insektenwelt einen wertvollen Lebensraum bietet.

Infos zum Thema Einflug des Distelfalters (siehe Bilder unten).

 
Die in Grünland umgewandelte Ackerfläche bei Rhede-Flaar mit Aspekt-bildender Wiesen-Margerite im Juni
 
Kornblume und Kamille erhöhen, …
 
…wie auch das Taubenkropf-Leimkraut, das Blütenangebot der Fläche, …
 
… das derzeit von zahlreichen Insekten besucht wird. Hier saugt ein Distelfalter an einer Wiesen-Flockenblume.
 
Seit Ende Mai dieses Jahres treten Distelfalter in ganz Niedersachsen überaus auffällig in Erscheinung, praktisch überall in Gärten und freier Natur sind die hübschen Schmetterlinge derzeit anzutreffen.
 
Was die wenigsten aber wissen: Der Distelfalter ist ein Wanderfalter aus Afrika! In seltenen günstigen Jahren überqueren die Tiere massenhaft im Frühling die Alpen und breiten sich in Mitteleuropa aus, allerdings überstehen sie hier nicht den Winter.

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18.06.2019

Naturschutzstation präsentiert sich am Tag des offenen Hofes

Gern folgten die Stationsmitarbeiter der Einladung des Deichschäfers aus Petkum bei Emden, sich am diesjährigen Tag des offenen Hofes mit einem eigenen Stand zu präsentieren. Mehrere tausend Besucher fanden bei gutem Wetter den Weg zum Ausstellungsgelände, das neben der großen Stallhalle auch weite Außenflächen umfasste. Informiert und angeboten wurde vielerlei rund um landwirtschaftliche Produkte, dabei standen Schafzucht und –nutzung natürlich im Vordergrund. Aber auch zu „benachbarten“ Themenfeldern, wie Imkerei, Jagd und eben Naturschutz, gab es kleine Ausstellungen, multimediale Informationen und Material zum Mitnehmen.

 
Flyer zum Tag des offenen Hofes in der Deichschäferei Petkum
 
Im zur Ausstellungshalle umfunktionierten Schafstall…
 
…waren zahlreiche Betriebe, Firmen und Vereine mit Ständen vertreten.
 
Kollegin Silke Haack aus Oldenburg unterstützte die Naturschutzstation vor Ort. Infomaterialien über die Renaturierungsvorhaben an der Ems, vor allem aber zum Themenfeld Insektensterben stießen auf reges Interesse.
 
Nebenan informierte die Jägerschaft Emden auch mittels anschaulicher Tierpräparate.

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11.06.2019

Rohrweihen am Sauteler Siel

Seit geraumer Zeit sichten die Mitarbeiter von den oberen Fenstern des Stationsgebäudes aus immer wieder Rohrweihen über der Ems. Bereits im Mai konnten Balzflüge eines Paares über dem Schilfgürtel am Emsufer beobachtet werden. Der Eintrag von Nistmaterial unweit des Sportboothafens am Sauteler Siel verriet später dann die Brutabsicht in diesem Bereich.

 
Das Rohrweihen-Männchen landet im Grünland hinter dem Schilf, im Getreibsel der letzten Sturmflut findet es hier…
 
… lange Schilfhalme als geeignetes Horstmaterial.
 
Das Männchen der Rohrweihe ist deutlich kleiner und insgesamt „bunter“ gezeichnet als das überwiegend braune Weibchen.
 
Oft sitzt es längere Zeit gut getarnt im hohen Gras.

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03.06.2019

Austernfischerbrut am Sauteler Siel blieb erfolglos

Keines der Mitte Mai auf dem Gebäude des Sauteler Siel und Schöpfwerks geschlüpften Austernfischerküken ist flügge geworden. Das mussten die Mitarbeiter der Naturschutzstation, die das große Flachdach über eine Video-Kamera einsehen können, nun leider feststellen. Während zwei der Küken wenige Tage nach dem Schlupf beim Sturz vom hohen Dach den Tod fanden (siehe Meldung vom 16.05.), verschwand das dritte Geschwister spurlos Ende Mai, vielleicht war es einem fliegenden Beutegreifer in die Fänge geraten.

 
Austernfischer, Altvogel auf dem Kiesdach des Sauteler Siels
 
Bereits wenige Tage nach dem Schlupf halten sich die Küken oft am Dachrand auf, was zwei von ihnen schließlich zum Verhängnis wird...
 
Das verbliebene Küken etwa eine Woche später am 23.05.
 
Jetzt wurde bereits die Flügelmuskulatur trainiert.
 
Jungtier mit Altvögeln am Rand des Gebäudedachs, wenige Tage später war auch dieses Küken verschwunden.

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22.05.2019

Gänse-Stelldichein auf Bingumer Sand

Die auf der Emsinsel bei Leer installierte WebCam liefert derzeit interessante, gelegentlich auch überraschende Bilder in die Naturschutzstation. Das unten eingestellte Video zeigt eine aktuelle Sequenz dieser Woche, bei der alle vier auf Bingumer Sand brütenden Gänsearten sich an einer Wasserlache nahe der Kamera treffen: von links schreitet ein Brandganspaar ins Bild, die Art gehört genau wie die beiden Nilgänse oben rechts zu den sogenannten „Halbgänsen“. Zu den „echten Gänsen“ hingegen zählen die Graugans (unten) sowie die sich putzende Weißwangen- oder Nonnengans ganz unten rechts (Video öffnen mit rechter Maustaste "Link öffnen"!).

Hintergrund: Seit dem Jahr 2017 wird das öffentlichkeitswirksame Projekt „Zukunftsperspektive Tideems“ als Gemeinschaftsvorhaben der drei großen Naturschutzverbände WWF, BUND und NABU umgesetzt und von der Naturschutzstation Ems unterstützt. Im Teilprojekt „Einblicke in das Naturgeschehen der Tideems“ wurde unter anderem eine WebCam auf Bingumer Sand installiert. Die Kamera lässt sich aktiv steuern und zeichnet das vielfältige Leben auf der „Vogelinsel“ auf, die besten Sequenzen werden auch ins Internet gestellt: https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/ems/zukunftsperspektive-tideems.

 

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16.05.2019

Siel und Schöpfwerk Sautel: Austernfischerküken geschlüpft - und abgestürzt!

Von Samstag auf Sonntag war es soweit: Die Küken des Austernfischerpaares, das seit Mitte April auf dem Schöpfwerk vor dem Sauteler Siel brütete, waren geschlüpft. Am Montag stellten die Stationsmitarbeiter anhand der Bildübertragung der am Dach installierten WebCam drei offensichtlich gesunde Jungvögel fest. Doch nach wenigen Tagen wich die Freude darüber einer bitteren Erkenntnis: das Flachdach des Betriebsgebäudes stellt bei allen Vorteilen für die Tiere offensichtlich eine ökologische Falle dar. Denn kurz hintereinander stürzten zwei der Küken vom Dach und fanden den Tod…

Die Mitarbeiter der Naturschutzstation hoffen nun, dass dem verbliebenen Küken dieses Schicksal erspart bleibt.

Brutablösung am Ende der 19. Woche, kurz vor dem Schlupf

Drei Küken folgen den Altvögeln auf dem Dach...

...offensichtlich sind auch hier oben Insektenlarven und anderes Kleingetier als Nahrung vorhanden.

Dabei halten sich die Tiere immer wieder sehr nah am Dachrand auf!

 
Dies wurde ihnen zum Verhängnis. Nur wenige Tage nach dem Schlupf liegen 2 tote Küken auf den Pflasterflächen vor dem Gebäude (im Bild oben links und unten rechts).

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13.05.2019

Vogelexkursion im Rheiderland

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Brutvögel der Emsvorländer“, die die Naturschutzstation in Zusammenarbeit mit der VHS Leer in diesem Frühjahr wieder anbietet, fand am vergangenen Samstag eine Vogelexkursion durchs schöne Rheiderland statt. Bei kühlen Temperaturen, aber strahlend blauem Himmel begann das Treffen am frühen Morgen in Jemgum. Während des ca. 3-stündigen Rundweges durch die Meeden bei Critzum gelangen schöne und zum Teil überraschende Beobachtungen, die Teilnehmer Jürgen Bambrowicz in einigen wunderbaren Bildern festhalten konnte.

 
Grüne Weiten unter blauem Himmel – das Vogelschutzgebiet Rheiderland zeigte sich von seiner besten Seite.
 
Ein Grauganspaar
 
Die landesweit in ihrem Bestand bedrohte Uferschnepfe zeigte eine erfreulich große Präsenz in den Feuchtwiesen entlang des Weges.
 
Auch „Meister Lampe“ ließ sich mehrfach blicken.
 
Ein Rotschenkel im Anflug, auch er zählt zur „Gilde“ der typischen Wiesenvögel.
 
Ein Küken führendes Kiebitzweibchen, zu erkennen an der deutlich kürzeren Federholle, beäugt wachsam die Umgebung.
 
Im Altschilf entlang der Gräben singt ein Männchen der Rohrammer.
 
Hier wohl kein Brutvogel, sondern eher auf dem Durchzug: der Steinschmätzer
 
Teilnehmer*innen der Exkursion am Ende der erlebnisreichen vogelkundlichen Wanderung durchs Rheiderland

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08.05.2019

Flussseeschwalben am Sauteler Siel

Seit einigen Tagen lassen sich immer wieder Flussseeschwalben nahe der Station am Sauteler Siel beobachten. Dabei wechseln die grazilen Vögel zwischen Außen- und Binnenmuhde des Sauteler Kanals oder rasten im Bereich des Mahlbusens.

Flussseeschwalben sind sogenannte Langstreckenzieher. Die in unseren Breiten derzeit anzutreffenden Vögel sind überwiegend wandernde Tiere auf ihrem Weg Richtung Norden. Gleichwohl ist die Flussseeschwalbe auch Brutvogel in Deutschland, dabei beherbergt Niedersachsen ca. ein Drittel des Vorkommens. Seit 1990 sind für die Flussseeschwalbe landesweit sehr starke Bestandseinbußen zu verzeichnen, mit nur noch etwa 2.600 Brutpaaren (Stand 2014) gilt sie in Niedersachsen nach der aktuellen Roten Liste der Staatlichen Vogelschutzwarte als „stark gefährdet“.

Brutplätze finden sich vor allem im Bereich der Watten und Marschen an den Mündungen der Tideflüsse und auf den Ostfriesischen Inseln. Auch im Bereich der Ems werden zwar selten, aber doch immer wieder Bruten an geeigneten Stellen beobachtet. Dr. Klaus Gerdes aus Leer beschreibt die Fundorte in seinem jüngst erschienenen Buch „Entwicklung der Vogelwelt im Landkreis Leer“.

 
Vor allem bei stürmischem Wetter rasten die Flussseeschwalben jetzt gern…
 
…auf den Stegbojen der Binnenmuhde am Sauteler Siel.
 
Vorbeifliegende Artgenossen werden mit gedehntem „kriii-errr“ begrüßt.
 
Typisch für alle Seeschwalben und einfaches Unterscheidungsmerkmal von Möwen ist der gegabelte Schwanz, der bei der Flussseeschwalbe besonders stark ausgeprägt ist.
 
Anders als bei der sehr ähnlichen Zwillingsart Küstenseeschwalbe ist die Schnabelspitze der Flussseeschwalbe meist schwarz.
Ansprechpartner in den Naturschutzstationen

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