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20 Jahre Ackerwildkrautschutz in Niedersachsen

Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen

Heft 2/07, 52 S., 2,50 €
Ein Besprechungsvorschlag für dieses Heft steht Ihnen hier als Download zur Verfügung (DOC, 163 KB).

Beiträge

Zu diesem Heft
Niedersachsen fördert seit 1987 den Erhalt seltener und gefährdeter Ackerwildkrautarten und -Gesellschaften auf extensiv bewirtschafteten Äckern bzw. Ackerrändern. Beginnend mit dem Pilotprojekt Ackerwildkrautprogramm (1987 bis 1992) wurde die Förderung mit dem Ackerrandstreifenprogramm (1992 bis 1997), den Artenschutzmaßnahmen für Ackerwildkräuter (1997 bis 2000) sowie über das PROLAND Kooperationsprogramm – Erhaltung der biologischen Vielfalt, Teilbereich Ackerwildkrautschutz (2000 bis 2006) fortgesetzt. Von 2007 bis 2013 werden die Ackerwildkrautarten über das PROFIL Kooperationsprogramm Naturschutz gefördert.

Im vorliegenden Heft wird über die Entstehung des Programms, Ergebnisse aus 20 Jahren Förderung und Erfahrungen beteiligter Landwirte ebenso berichtet wie über die Bedeutung von Wildäckern und Schutzäckern für den Ackerwildkrautschutz. Beiträge über den Schutz gefährdeter Ackerwildkräuter im Spannungsfeld zwischen Nutzungsaufgabe und -intensivierung sowie zum Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen durch Blühstreifen runden das Heft ab. Ein Teil der Beiträge wurde als Vortrag auf dem NNA-Seminar "20 Jahre Ackerwildkrautschutz mit der Landwirtschaft in Niedersachsen" am 26.6.2007 in Schneverdingen vorgestellt.

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20 Jahre Ackerwildkrautschutz in Niedersachsen – Entstehung eines Förderprogramms
von Annemarie Schacherer

Inhalt
1 Einleitung
2 Die Vorgeschichte
3 Das Niedersächsische Ackerwildkrautprogramm (Pilotprojekt)
3.1 Programmstart
3.2 Kurzbeschreibung
3.3 Was war wichtig für die erfolgreiche Durchführung des Programms?
4 Fazit/Ausblick
5 Zusammenfassung
6 Summary
7 Literatur

Zusammenfassung
Seit dem Jahr 1987 fördert das Land Niedersachsen den Erhalt seltener und gefährdeter Ackerwildkrautarten und -Gesellschaften auf extensiv bewirtschafteten Ackerrändern. Die Förderung begann mit dem "Pilotprojekt Ackerwildkrautprogramm". Die Entstehungsgeschichte und die Inhalte des Programms werden dargestellt. Für die erfolgreiche Durchführung des Programms waren die guten organisatorischen Voraussetzungen (klare Ziele, Empfehlungen, Beratung) ebenso wichtig wie eine gute Akzeptanz durch die beteiligten Landwirte und Naturschutzbehörden sowie eine gezielte Auswahl der Vertragsflächen.

Summary
Since 1987, Lower Saxony has been subsidizing the conservation of rare or endangered species and associations of weed vegetation on extensively farmed field margins. Subsidies were initiated within the pilot project "Conservation of Segetal Plant Species” ("Ackerwildkraut-Programm”), the history and contents of which are described. The successful implementation of the programme depended as much on organisational preconditions (clearly defined goals, recommendations, advice and consulting) as on acceptance (and willingness) of participating farmers and targeted choice of contract plots.

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Ergebnisse von 20 Jahren Ackerwildkrautschutz in Niedersachsen und Förderung im Kooperationsprogramm Naturschutz ab 2007
von Gisela Wicke

Inhalt
1 Einleitung
2 Methode der Datenerhebung
3 Ergebnisse aus den einzelnen Förderabschnitten
3.1 Pilotprojekt Ackerwildkrautprogramm (1987 bis 1992)
3.2 Das Ackerrandstreifenprogramm (1992 bis 1997)
3.3 Artenschutzmaßnahmen für Ackerwildkräuter (1997 bis 2000)
3.4 PROLAND Kooperationsprogramm – Erhaltung der biologischen Vielfalt, Teilbereich Ackerwildkrautschutz (2000 bis 2006)
4 Notwendigkeiten für die Umsetzung der Maßnahmen zur Erreichung der Schutzziele
5 Ackerwildkrautschutz im Kooperationsprogramm Naturschutz von 2007 bis 2013
6 Ausblick
7 Zusammenfassung
8 Summary
9 Literatur

Zusammenfassung
Der Ackerwildkrautschutz mit der Bewirtschaftung von Äckern ohne Einsatz von Pflanzenschutz und Dünger wird in Niedersachsen seit 1987 kontinuierlich praktiziert und von der Fachbehörde für Naturschutz fachlich begleitet. Die Landwirte haben in Kooperation mit dem Naturschutz bis zu 1.150 ha ausgewählte Flächen extensiv bewirtschaftet.

Die Ergebnisse der einzelnen Förderabschnitte zeigen, dass Pflanzenarten der Roten Liste und charakteristische Arten der Pflanzengesellschaften der Äcker erfolgreich erhalten werden können. Um die Maßnahmen auf die geeigneten Flächen zu bringen, hat sich das niedersächsische Pflanzenarten-Erfassungsprogramm als gute Grundlage für die Auswahl der Förderkulisse ebenso bewährt, wie die Betreuung durch Kartiererinnen und Kartierer, die meist durch den Kontakt zu den Landwirten die Akzeptanz für die Maßnahme steigern konnten. Für die Umsetzung des Ackerwildkrautschutzes sollten bestimmte Kriterien wie die gezielte Auswahl der Vertragsflächen und ein ausreichender finanzieller Ausgleich für die Landwirte beachtet werden, damit die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel optimal eingesetzt werden.

In der nächsten EU-Förderperiode 2007 bis 2013 wird der Ackerwildkrautschutz im Kooperationsprogramm Naturschutz, Teilbereich Acker weitergeführt. Daneben ist für den langfristigen Ackerwildkrautschutz die Einrichtung von Schutzäckern anzustreben. Eine Förderung nach dem Prinzip der ergebnisorientierten Honorierung könnte zu einer größeren Flexibilisierung in der Bewirtschaftung für die Landwirte führen.

Summary
Supervised by the NLWKN, conservation of weed vegetation by extensive farming (i.e. without applying fertilizers or herbicides) has been continually practiced in Lower Saxony since 1987. Cooperating farmers have extensively managed up to 1.150 hectares on selected plots.

Results from the various funding periods show that conservation of characteristic plant species of segetal associations as well as species featuring in the Red List can be achieved. To implement conservation measures on appropriate plots, the Flora Survey of Lower Saxony has proven to provide a sound basis for choosing. Also, efforts of volunteer field surveyors to convey the idea to farmers helped greatly towards acceptance of the programme. To successfully implement conservation of weed vegetation, plots should be carefully selected and farmers appropriately compensated to make the most of the available funding.

During the next funding period 2007-2013, conservation of weed vegetation will continue in the "cooperative programme nature conservation, category arable land”. Simultaneously, the design of protected arable fields is to be envisaged to achieve long term conservation. Funding on the principle of result-orientated payment might lead to farmers handling management of plots more flexibly.

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20 Jahre Ackerwildkrautschutz auf der Wernershöhe (Lkr. Hildesheim)
von Heinrich Hofmeister

Inhalt
1 Einleitung
2 Untersuchungsgebiet
3 Einrichtung eines Schutzgebietes für Ackerwildkräuter
4 Ackerbegleitflora
4.1 Ackerlichtnelken-Gesellschaft
4.2 Floristische und pflanzensoziologische Bestandserfassungen
4.3 Rote-Liste-Arten
5 Einflüsse der Bewirtschaftungsmaßnahmen auf die Ackerbegleitflora
6 Zusammenfassung
7 Summary
8 Literatur

Zusammenfassung
Das Schutzprojekt Wernershöhe ist kein unter musealen Zielsetzungen eingerichtetes Feldflorareservat. Hier geht es vielmehr um den Erhalt von extensiv bewirtschafteten Ackerflächen mit einer vielfältigen, auch im Bestandsinneren ausgebildeten Begleitflora. Dazu dient eine nachhaltige, unter ökologischen Gesichtspunkten praktizierte Bewirtschaftung, die auf die besonderen standörtlichen Gegebenheiten des Gebietes abgestimmt ist.

Auf der Wernershöhe lassen sich in jedem Jahr ca. 20 Rote-Liste-Arten nachweisen, von denen die meisten Populationen von > 1.000 Individuen ausbilden. Darunter befindet sich der vom Aussterben bedrohte Stachys annua (Einjähriger Ziest), die stark gefährdeten Arten Legousia hybrida (Kleiner Frauenspiegel), Ranunculus arvensis (Acker-Hahnenfuß), Valerianella rimosa (Gefurchter Feldsalat), Scandix pecten-veneris (Venuskamm), Veronica praecox (Früher Ehrenpreis), Caucalis platycarpos (Acker-Haftdolde), Galium spurium (Grünblütiges Labkraut) sowie 11 weitere Arten, die als gefährdet eingestuft sind.

Summary
The conservation project "Wernershöhe” has not been set up as a museum for weed vegetation but aims at conserving extensively farmed plots harbouring a wealth of companion plant species. A sustainable management following ecological principles serves to achieve this goal, taking into account particular conditions ‘on site’.

On "Wernershöhe”, every year ca. 20 plant species featuring in the ‘Red List’ can be found, most of which occur in populations exceeding 1.000 specimens. Among the species recorded are the critically endangered Stachys annua (Annual Yellow-woundwort) and endangered Legousia hybrida (Venus’s-looking-glass), Ranunculus arvensis (Corn Buttercup), Valerianella rimosa (Broad-fruited Cornsalad), Scandix pecten-veneris (Shepherd’s-needle), Veronica praecox (Breckland Speedwell), Caucalis platycarpos (Small Bur Parsley), Galium spurium (False Cleavers) as well as further 11 species featuring as ‘vulnerable’.

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Biodiversität in der Agrarlandschaft – Aufbau eines Netzes von Schutzäckern für Ackerwildkräuter in Mitteldeutschland
von Stefan Meyer und Thomas van Elsen

Inhalt
1 Zielsetzung des Vorhabens
1.1 Hintergrund und Anlass
1.2 Naturschutz für Ackerwildkräuter
2 Projektziel: Ein Netz von Schutzäckern für Ackerwildkräuter in Mitteldeutschland
2.1 Arbeitsschritte und Methoden
2.2 Beispiele für Schutzäcker in Mitteldeutschland
3 Die Perspektive: "100 Äcker für die Vielfalt"! Ein bundesweites Netz von Schutzäckern für Ackerwildkräuter
4 Zusammenfassung
5 Summary
6 Literatur

Zusammenfassung
Das hier vorgestellte Projekt Errichtung eines Schutzgebietsnetzes für Ackerwildkräuter verfolgt das Ziel, ein nachhaltiges Schutzgebiets-Netzwerk zum Erhalt bedrohter Segetalarten in Mitteldeutschland zu konzipieren und umzusetzen. Geeignete Ackerstandorte sollen für eine "dauerhafte Sicherung" selten gewordener Ackerwildkräuter unter Schutz gestellt und ihre spezielle, auf den Erhalt und Förderung der entsprechenden Arten ausgerichtete Bewirtschaftung langfristig sichergestellt werden.

Die Einrichtung von Schutzäckern zum Erhalt bedrohter Segetalarten, auf denen der Pflanzenbau ohne Herbizide und mit weiteren Bewirtschaftungsauflagen erfolgt, ist ein Erfolg versprechendes Instrument zum Schutz von Ackerwildkräutern und deren Biozönosen. Als Feldflorareservate – oft in Verbindung mit dem Anbau alter Kultursorten – lassen sich mit Schutzäckern auch umweltpädagogische Ziele erreichen. Die Anlage regionaler Schutzäcker kann, nach der Erfassung der in der jeweiligen Region noch vorhandenen Bestände, ein erster und wichtiger Schritt zum Erhalt der regionaltypischen Ackerwildkraut-Vegetation sein. Langfristiges Ziel ist, in den Naturräumen Deutschlands eine Mindestzahl von vitalen, an Umweltveränderungen anpassungsfähigen Populationen von Ackerwildkräutern und deren Lebensgemeinschaften zu erhalten bzw. zu entwickeln.

Weitere Informationen unter www.schutzaecker.de.

Summary
The project‚ Establishment of a system of reserves for field weeds’ aims at conserving threatened weed vegetation in Central Germany. Suitable plots of cropland are to be protected as reserves for field weeds that have become rare and managed in such a way as to ensure the survival of these species.

A promising way to conserve weed vegetation and their biocoenoses is the establishment of cropland reserves where crops are raised under a specific management regime that, inter alia, avoids the use of herbicides. By (means of) raising old cultured varieties of crops, this kind of protected area may also serve the purpose of environmental education. Following appropriate inventories, cropland reserves in different regions may be the first and most important step towards conservation of weed vegetation communities typical for each region. In the long run, the aim is to create in each natural region of Germany a minimum number of vital and adaptable populations of field weeds and their biocoenoses.

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Bedeutung von Wildäckern für den Artenschutz
von Sabine Aboling

Inhalt
1 Was sind Wildäcker?
2 Warum werden Wildäcker angelegt?
3 Weshalb kritisiert man Wildäcker?
4 Wie lassen sich Wildäcker objektiv beurteilen?
5 Beitrag zum Landschaftsschutz
6 Bedeutung als Standort für wild wachsende Pflanzenarten
7 Nutzen für das Wild
8 Schädigende Effekte
9 Schlussfolgerung
10 Zusammenfassung
11 Summary
12 Literatur

Zusammenfassung
68 Wildäcker in Niedersachsen wurden floristisch und vegetationskundlich erfasst und die beästen Pflanzenarten des Aufwuchses kartiert. Jeder zweite Wildacker besitzt eine andere Einsaat. Die Artenzahl variiert von 12-63; im Mittel sind es rund 40 Arten. 40 % der Wildäcker beherbergen mindestens eine von 16 Arten der Roten Liste. Gefährdete Arten sind jedoch meistens nur in Einzelexemplaren zu finden. Die Ursache ist in der Regel eine zu dichte Einsaat oder eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Umgebung. Unabhängig davon besteht eine Tendenz, wonach gefährdete Arten häufiger auf Standorten mit langer Ackernutzung zu finden sind. Die quantitative Erfassung der von Rehwild und Feldhase verbissenen Pflanzenarten (Individuenzahl) sowie die Feststellung der pflanzenartspezifischen Äsungspräferenz (Anteil Äcker, wo Art beäst im Verhältnis zur Zahl, wo Art auftrat) ergab 23 Kultur- und 67 Wildpflanzenarten. Die Artenvielfalt unter den Wildpflanzen trägt dem besonderen Selektionsbedürfnis des Wildes Rechnung: Je artenreicher ein Standort, desto mehr Arten beäst das Wild. Die Anlage von Wildäckern bedeutet bei optimaler Unterhaltung eine Artenschutz-Maßnahme, da geeignete Wuchsbedingungen durch Bewirtschaftung geschaffen werden und eine spontane Besiedlung mit standorttypischen Wildpflanzen ermöglicht wird. Dies kommt wiederum dem arttypischen Äsungsspektrum bestimmter Wildtiere zugute.

Summary
The flora and vegetation of 68 annual wild fields were investigated along with plant species browsed on by roe deer and brown hares. Every second wild field was seeded to a different crop. The number of species varies between 12 and 63, on average 40. 40 % of the wild fields contain at least one of the 16 species registered on the Red List of Endangered Species. Such species could be found in small numbers only. This is most often due to either a dense cover with crop plants or an intensely cultivated, and thus species-low surrounding area. Independent from that there is a tendency where after endangered species occur more often on long-term spots than on those with a short-term usage as wild field. The quantitative determination of plant species (number of individuals) browsed on by roe deer and brown hares as well as the assessment of plant species specific browsing preferences (ratio of fields where the species is browsed to the number of fields where the species occurs) resulted in 23 cultivated and 67 wild plant species. The species richness among the wild plants satisfied the need for food selection by the game: The richer in species the wild field, the more species are browsed by the game. Given optimal management the cultivation of wild fields is equivalent to any measure of species protection since there are proper conditions for the annual wild plants typical for such habitats. This enables them to colonize the spot spontaneously. This is again for the benefit of the species specific browsing spectrum of certain wild animals.

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Segetalvegetation in den Spannungsfeldern von intensiver Produktion und Nutzungsaufgabe, Agrarpolitik und Naturschutz sowie Forschung und Praxis
von Rainer Waldhardt

Inhalt
1 Ausgangslage
2 Zur Situation der Segetalvegetation in ausgewählten Regionen
2.1 Das Lahn-Dill-Bergland
2.2 Der Kosovo
3 Zusammenfassung
4 Summary
5 Danksagung
6 Literatur

Zusammenfassung
Sowohl durch intensiven Ackerbau als auch durch Nutzungsaufgabe sind in Europa habitat- und landschaftsbezogen vielfach nicht die Bedingungen mittleren ökosystemaren Stresses und mittlerer Störungen gegeben, welche zur Ausbildung und Erhaltung artenreicher Segetalvegetation erforderlich sind. Vor dem Hintergrund der Gefährdung der Segetalvegetation kommt Agrarumweltprogrammen und Programmen des Vertragsnaturschutzes, die das (Teil-)Ziel der Erhaltung und Förderung der Segetalvegetation verfolgen, weiterhin große Bedeutung zu. Darüber hinaus sind unterstützende Maßnahmen in den Bereichen Aus-/Weiterbildung und Beratung von Landwirten und Naturschützern mit dem Ziel der Förderung des Wissens um Zusammenhänge zwischen Landnutzung und Biodiversität sowie anwendungsbezogene Forschung zur Multifunktionalität der Landwirtschaft und der Agrarlandschaften erforderlich. Am Beispiel des hessischen Lahn-Dill-Berglandes und des Kosovo werden die Zusammenhänge veranschaulicht.

Summary
Over large areas of Europe, intensive cultivation and abandonment of cultivation do not fulfil the requirements of intermediate stress and intermediate disturbance of arable ecosystems that are essential to sustain a species-rich and diverse weed vegetation at the habitat and the landscape scale. In the light of the current endangerment of the weed vegetation, agri-environment schemes and contractual environmental-protection programmes are highly important for the protection and conservation of weed vegetation. Further, supporting measures such as the education, advanced training, and consulting of farmers and nature conservationists, as well as applied research on the multifunctionality of agriculture and agricultural landscapes are necessary to foster the knowledge of interrelations between land use and biodiversity. Given the examples of the Lahn-Dill-Highlands (Hesse, Germany) and Kosovo, these connections are illustrated.

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Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen
von Werner Beeke und Eckhard Gottschalk

Inhalt
1 Einleitung
2 Ziel und Konzept des Projektes
3 Maßnahmen
3.1 Saatgutmischung
3.2 Modifizierte Bewirtschaftung der Blühstreifen
3.3 Werbung und Beratung von Landwirten
3.4 Biotopverbund
4 Erfolgskontrolle
4.1 Transektbegehungen mit Klangattrappen
4.2 Umfragen bei den Jägern
5 Populationsentwicklung
6 Ausblick
7 Zusammenfassung
8 Summary
9. Literatur

Zusammenfassung
Ziel des Rebhuhnschutzprojektes ist es, eine überlebensfähige Population von Rebhühnern im Landkreis Göttingen aufzubauen und zu stabilisieren. Entscheidend hierfür ist, dass großräumig im gesamten Landkreis Habitatverbesserungen für die verbliebene Population vorgenommen werden. Daraus ergibt sich ein erheblicher Flächenbedarf im Projekt, der durch die rege Beteiligung der Landwirte zunehmend erfüllt wird. Durch eine intensive Naturschutzberatung der Landwirte konnte für dieses Projekt mit insgesamt ca. 500 Hektar Rebhuhnschutzflächen, verteilt auf mehrere Hundert Einzelflächen, eine Dimension erreicht werden, die populationsbiologische Effekte zeigen sollte.

Die Maßnahmen zur rebhuhngerechten Bewirtschaftung verlaufen gut und die Saatgutmischung bringt überwiegend gute Pflanzenbestände hervor. Bezüglich Vegetationsstruktur und Heterogenität haben sich die Flächen im zweiten Bewirtschaftungsjahr meistens sogar verbessert.

Im Frühjahr 2006 und 2007 wurde ein Monitoring der Rebhuhnbestände im Landkreis auf einer Fläche von ca. 280 km² durchgeführt. Es wurden Transekte eingerichtet, entlang derer die Vögel im Frühjahr mit Klangattrappe kartiert werden. Diese Begehungen werden alljährlich auf den gleichen Transekten wiederholt. Für eine im Landkreis flächendeckende Erfassung der Rebhuhnsichtungen werden die Jäger alljährlich schriftlich befragt.

Die Zahl der besetzten Rebhuhnterritorien blieb im Vergleich zum Vorjahr gleich, aber die Zahl der in den Familien gesehenen Vögel nahm fast um ein Drittel ab. Bei der Transektkartierung 2007 wird allerdings mit einer Unterschätzung gerechnet, da im milden Winter die mit Rufen verbundenen Aktivitäten (Revierverteilung und Paarbildung) wohl bereits sehr früh abgeschlossen waren. Da das Rebhuhn natürlicherweise eine starke, z.B. wetterbedingte Populationsdynamik aufweist, können nur langfristige Trends der Populationsentwicklung Auskunft über den Zustand der Population geben.

Die Nachhaltigkeit dieses Rebhuhnschutzprojektes hängt immer auch von der Landwirtschafts- und Umweltpolitik ab. So sollten bei der Entwicklung und Ausgestaltung neuer Agrarumweltmaßnahmen die Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Projekt, aber auch aus anderen Projekten, mit einfließen und berücksichtigt werden.

Weitere Informationen unter www.rebhuhnschutzprojekt.de.

Summary
The grey partridge conservation project aims at raising a population of grey partridge in Göttingen county that is viable and stable. The crucial prerequisite are measures to enhance habitat quality for the still existing population throughout the county. The considerable need for plots is met to a growing extent by contributing farmers. Intensive counsel for farmers towards nature conservation effected management towards grey partridge conservation being carried out on several hundred plots, amounting to a total area of ca. 500 hectares. This dimension should suffice to have beneficial effects on the remaining population.

Management towards grey partridge conservation appears to run well, with applied seed mixtures generating suitable vegetation. As to vegetation structure and heterogeneity, most plots seem to have improved in the second year.

In spring 2006 and 2007, surveys on grey partridge were carried out on 280km² in the county. Along transects birds were recorded using playbacks to prompt calls. These surveys are to be repeated annually along the same transects. To cover the whole county, transect surveys are complemented by addressing hunters to report on grey partridge sightings.

The number of occupied grey partridge territories did not vary compared to the previous year, but the number of birds per family did decline by nearly one third. The transect survey of 2007 will probably result in an underestimation, as calling activities (occupation of territories and pair formation) concluded comparatively early in the year, due to the mild winter. As population dynamics in grey partridge are considerably related to weather conditions, only long term observations will allow to reliably tell the state of grey partridge populations.

Whether the project will be successful in the long run is not least a matter of politics in the fields of agriculture and environment. Development and formation of new agro-environmental schemes should therefore opt to consider experiences and findings of this and other projects.

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Kurzmitteilungen

Neue Naturschutzgebiete ausgewiesen
Im Zeitraum Juni 2007 – September 2007 wurden vom NLWKN zur Sicherung von Natura 2000-Gebieten insgesamt 9 neue Naturschutzgebiete ausgewiesen:

Name

Landkreis / Stadt

Itterbecker Heide

Grafschaft Bentheim

Steinberg bei Wesseln

Hildesheim

Erweiterungsfläche Vogelmoor

Gifhorn

Stapeler Moor Süd und Kleines Bullenmeer

Ammerland, Leer

Holzurburg am Bederkesaer See

Cuxhaven

Obere Allerniederung bei Celle

Stadt Celle

Niederungsbereich Oerrelbach

Gifhorn

Lutter

Celle, Gifhorn

Kollrunger Moor

Wittmund, Aurich

Informationen zu allen Naturschutzgebieten Niedersachsens finden Sie unter:
www.naturschutzgebiete.niedersachsen.de
Weitere Gebiete befinden sich zur Zeit im Ausweisungsverfahren.

Preis für das schönste Grünland
Der erste Wettbewerb in Niedersachsen für die schönste Wiese fand in den Landkreisen Northeim, Göttingen und Holzminden statt. Die Idee stammt aus Baden-Württemberg und wurde dort bisher erfolgreich umgesetzt. 14 Grünlandflächen wurden der Bewilligungsstelle Northeim der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angeboten.

Durch eine Expertenjury, die aus Mitarbeitern der Landwirtschaftskammer, der Universität Göttingen und dem NLWKN bestand, wurden die Wiesen in Augenschein genommen. Der Niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen übergab am 8.6.2007 die Preise und wollte damit gleichzeitig auf den Wert der extensiven Grünlandnutzung aufmerksam machen.

Eine Podiumsdiskussion über Bewirtschaftung und Artenvielfalt, bei dem u.a. eine Vertreterin des NLWKN als Referentin teilnahm, rundete die Veranstaltung ab. Hier wurde auch über das neue EU-Agrarumweltprogramm zur ergebnisorientierten Honorierung informiert. Der NLWKN war bei der Entstehung dieses Programms maßgeblich beteiligt.

Energiepflanzenanbau und Naturschutz
Die Erzeugung regenerativer Energie ist erklärtes Ziel der Politik und erfährt eine entsprechende Förderung. Der Naturschutz hat bisher zu dieser Entwicklung noch keine klare Position. Einerseits wird die Förderung der regenerativen Energie aus Klimaschutzgründen befürwortet und unterstützt, andererseits werden Bedenken zur Umsetzung der Ziele zur Nachhaltigkeit im Gewässer-, Boden- und Naturschutz geäußert. Probleme werden vor allem in Bezug auf vermehrte Stoffeinträge, die Flächenkonkurrenz mit Auswirkungen auf die Agrarumweltprogramme und die Biodiversität gesehen.

Im Rahmen einer Fachtagung in der NNA am 31.5.2007 mit über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die in Kooperation mit dem NLWKN durchgeführt wurde, konnten u.a. Projekte vorgestellt werden, die die Auswirkungen auf Feldvögel, Wild und das Landschaftsbild untersuchen.

Um eine Position des Naturschutzes unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus anderen Fachdisziplinen zu erarbeiten, wurde im NLWKN eine geschäftsbereichsübergreifende Arbeitsgruppe gegründet. Ziel ist es, bis zum Herbst einen landesweiten Vergleich über den Stand und die Perspektiven des Energiepflanzenanbaus und einen Problemaufriss aus naturschutzfachlicher Sicht zu erstellen.

Weitere Infos: www.nna.de > Veranstaltungen > Vorträge/Seminarbeiträge: 2007, Nr. 35

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Integrierte Bewirtschaftungspläne Elbe, Weser und Ems
Die Mündungsbereiche von Elbe, Weser und Ems hat Niedersachsen gemäß den Bestimmungen der europäischen FFH- und Vogelschutzrichtlinie nach Brüssel gemeldet. Am 3. Juli 2007 beschloss das Kabinett die Aufstellung integrierter Bewirtschaftungspläne für diese Bereiche, um die Anforderungen aus den Schutzvorschriften mit den Belangen anderer Nutzer in Einklang zu bringen. Die Federführung liegt beim NLWKN. Die Betriebsstelle Lüneburg übernimmt die Aufgaben für die Elbe. Weser und Ems fallen in die Zuständigkeit der Betriebsstelle Brake-Oldenburg. Die Direktion in Hannover wird die Koordinierung übernehmen.

Naturschutzstation Dümmer: Neue Dauerausstellung ist eröffnet
Die Dümmerniederung ist um eine Attraktion reicher: Die neue Dauerausstellung in der Naturschutzstation Dümmer in Hüde wurde im Juli 2007 offiziell eröffnet. In der Ausstellung erleben die Gäste mit Hilfe von interaktiven Exponaten die Entstehung der Dümmerniederung und ihre heutige Bedeutung für den internationalen Natur- und Artenschutz. In diesem Zusammenhang wird auch erläutert, wie die Niederung naturschutzverträglich bewirtschaftet wird und wie das Gebiet weiter entwickelt wird. Einen großen Stellenwert nehmen die in der Dümmerniederung brütenden und rastenden Vögel ein, deren Bestandszahlen in der Ausstellung ständig aktuell abrufbar sind. Der eigens über das LIFE-Projekt produzierte Film wird als fester Bestandteil in der neuen Ausstellung vorgeführt.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des EU-LIFE Projektes "Wiedervernässung der westlichen Dümmerniederung" eingerichtet. Das EU-LIFE Projekt wurde von Juni 2002 bis April 2007 realisiert. Mit diesem Projekt der Wiedervernässung wurde das Europäische Vogelschutzgebiet als Lebensraum einer Vielzahl bedrohter Vogelarten geschützt und weiterentwickelt. Das Projekt zielte aber nicht nur auf die Vogelwelt ab, sondern es ging darum, Naturschutz mit den Menschen umzusetzen. So wurde neben der Einrichtung neuer Naturerlebnispfade und weiterer Projekte auch die Ausstellung zur Information der Besucher und der Menschen vor Ort mit aufgenommen. Für das Gesamtvorhaben standen rund drei Millionen Euro zur Verfügung, die je zur Hälfte vom Land Niedersachsen und von der EU aufgebracht wurden. Träger des Projektes war das Land, vertreten durch das Niedersächsische Umweltministerium. Das Vorhaben wurde durch den NLWKN und die dazu gehörige Naturschutzstation Dümmer in enger Kooperation zwischen Naturschutz, Wasserwirtschaft und Agrarstruktur umgesetzt.

Weitere Infos: www.life-duemmer.niedersachsen.de

Zusammenarbeit von Naturschutz und Wasserwirtschaft im NLWKN bei der Umsetzung von Natura 2000 und Wasserrahmenrichtlinie
Die Zusammenarbeit zur Umsetzung der EU-Richtlinien (Wasserrahmen-, Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien) wurde im NLWKN kontinuierlich ausgebaut. Zur gemeinsamen Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die notwendigen Schritte (z.B. Erhaltungsziele der Natura 2000-Gebiete, Anforderungen an das Management zur Entwicklung eines günstigen Erhaltungszustandes) u.a. in vier Erprobungsgebieten erarbeitet.

Synergieeffekte können darüber hinaus in vielen anderen Bereichen genutzt werden, wie bei der Erarbeitung von Stellungnahmen, bei wasserwirtschaftlichen Zulassungsverfahren, der Umsetzung der Eingriffsregelung, der Umsetzung gemeinsamer Projekte sowie beim Einsatz von Fördermaßnahmen für die Erreichung der gemeinsamen Ziele in der Wasser- und Naturschutzverwaltung. Hierbei lassen sich die regionalen Kompetenzen in den Geschäftsbereichen des NLWKN sinnvoll einbinden.

Ansprechpartner im Geschäftsbereich Naturschutz für die Zusammenarbeit im NLWKN sind:

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20 Jahre Ackerwildkrautschutz in Niedersachsen  
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Hier finden Sie die lieferbaren landesweiten Veröffentlichungen des NLWKN:

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Naturschutzinformation

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3305
Fax: +49 (0)511 / 3034-3501

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