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„Rosalie“, „Melto“ und Co. meistern 4.500 Kilometer weiten Rückflug

Besenderte Uferschnepfen unversehrt im Brutgebiet am Dümmer eingetroffen


 
Durch die Beringung auch auf die Distanz gut erkennbar: Der Jungvogel Elia (rechts) auf der Rast während des Durchzuges (Foto: Ton Renniers).

Hüde Einmal Afrika und zurück: Nach achtmonatiger Zugzeit sind „Melto“, „Rosalie“ und Co. seit Anfang April wieder vollzählig und unversehrt in der niedersächsischen Dümmerniederung eingetroffen. Die Tiere mit den klangvollen Namen gehören zu einer Gruppe von insgesamt zehn Uferschnepfen, die im Rahmen des LIFE+-Projekts „Wiesenvögel“ im vergangenen Jahr von Experten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) besendert worden waren. Die Vögel, deren Flug über eine Karte im Internet mitverfolgt werden kann, seien unversehrt und in einem sehr guten Zustand, so die Naturschützer.

Als erster Ankömmling war Uferschnepfe „Melto“ bereits am 19. März eingetroffen. „Rosalie“ als letzte der fünf mit einem Sender versehenen Altvögel ließ sich etwas mehr Zeit: Sie traf nach einem knapp 4.500 Kilometer weiten Rückflug am vierten April wieder in der Dümmerniederung ein. „Alle „unsere“ Brutvögel haben sich inzwischen wieder auf denselben Parzellen eingefunden, auf denen sie auch im Vorjahr gebrütet hatten“, freut sich Heinrich Belting, Leiter des LIFE+-Projekts „Wiesenvögel“.

Anders hält es dagegen der Nachwuchs der inzwischen wieder in Niedersachsen eingetroffenen Altvögel: „Die Jungtiere verbringen ihr erstes Jahr im Süden und schreiten erst im zweiten Jahr zur Brut“, erklärt Belting. Eine Ausnahme scheint Jungvogel „Jana“ zu machen: Er hält sich derzeit bereits in Westfrankreich auf. „Wie die Senderdaten bisher zeigen, bevorzugen viele der Dümmer-Vögel andere Überwinterungsgebiete und Zugrouten, als etwa jene Tiere, die von unseren niederländischen Nachbarn besendert wurden“, so der Vogelexperte der Naturschutzstation am Dümmer.

Der jeweilige Aufenthaltsort der Vögel ist auf einer interaktiven Karte im Internet abrufbar: http://www.wiesenvoegel-life.de/kingofthemeadow.html Hier wird etwa am Flugmuster der Uferschnepfe „Lenia“ der klassische Schleifenzug erkennbar: Entlang der Atlantikküste ging es für sie auf dem Weg ins Winterquartier zunächst nach Westafrika. Nach der Überwinterung weiter östlich in Mali führte der Rückweg den besenderten Vogel dann quer durch die Sahara über Italien und die Alpen zurück ins Brutgebiet.

Im Rahmen des Projektes werden seit 2011 Schutzmaßnahmen in den zwölf wichtigsten Brutgebieten Niedersachsens umgesetzt. Seit 2018 liefert die Besenderung auf der Zugroute sowie im Brutgebiet wertvolle zusätzliche Forschungsdaten.

 
Die letzte Etappe ist geschafft: Auch Rosalie ist zurück am Dümmer. Ein Online-Angebot ermöglicht es, den Flug der besenderten Exemplare zu verfolgen.

Hintergrundinformation:


Niedersachsen ist das wichtigste Wiesenvogelland Deutschlands. Hier brüten hohe Anteile der gesamtdeutschen Brutbestände etwa von Uferschnepfe, Kiebitz, Brachvogel, Rotschenkel, Bekassine und Wachtelkönig. Fast alle diese Arten sind mittlerweile in der niedersächsischen „Roten Liste der Brutvögel“ als „stark gefährdet“ oder sogar „vom Aussterben bedroht“ klassifiziert. Deshalb hat Niedersachsen auch eine besondere Verantwortung für deren Schutz, nicht nur innerhalb des Bundeslandes, sondern auch in Europa. Dies gilt besonders für die Uferschnepfe: Die westliche Population hat in Europa nur ein sehr kleines Brutverbreitungsgebiet. In den Niederlanden und im westlichen Niedersachsen befinden sich zusammen über 90 Prozent aller Brutpaare dieser Population. Mit dem Ende 2011 genehmigten LIFE+ Projekt stellt sich das Land Niedersachsen mit Hilfe der Europäischen Union dieser Verantwortung. Bei einem Gesamtvolumen von 22,3 Millionen Euro ist das auf neun Jahre angelegte Projekt das bislang größte Naturschutz-Projekt aus dem LIFE+ Programm der EU in Deutschland. Die EU fördert das Projekt mit 60 Prozent – also rund 13,5 Millionen Euro. 40 Prozent der Kosten trägt das Land Niedersachsen. Auch der Landkreis Leer und die Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland beteiligen sich finanziell.

 
Hungrige „Leistungssportler“: Nach dem langen Rückflug aus dem Überwinterungsgebiet verbringen Uferschnepfen täglich viele Stunden mit dem Stochern nach Nahrung (Foto: O. Lange)

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Artikel-Informationen

15.04.2019

Ansprechpartner/in:
Achim Stolz, Carsten Lippe

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Am Sportplatz 23
D-26506 Norden
Tel: +49 (0)4931/ 947 - 288 / -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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