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Deutlicher Nachholbedarf in der Naturschutzverwaltung

Umweltministerium will Kommunen mehr in die Pflicht nehmen / Presseinformation vom 7. Mai 2014


„Hervorragend aufgestellt in der Wasserwirtschaftsverwaltung, nachbessern in der Naturschutzverwaltung“– Umweltminister Stefan Wenzel macht keinen Hehl daraus, dass Niedersachsen in Sachen Naturschutz Nachholbedarf hat. „Aber wir sind dabei, den Naturschutz zu stärken – durch eine bessere Datengrundlage, neu ausgerichtete landesweite Programme sowie durch eine qualifizierte Beratung“, sagte Wenzel am Mittwoch vor Journalisten in Norden. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) zu: Die landesweiten Daten zum Zustand von Natur und Landschaft müssen auf den neuesten Stand gebracht werden. „Insbesondere der niedersächsische Beitrag zum nationalen FFH-Bericht hat offenbart, dass unser Land nur teilweise belastbare Daten liefern konnte“, betonte Wenzel bei der Vorstellung des Jahresberichts des NLWKN und machte gleichzeitig deutlich, dass das Defizit nicht dem NLWKN anzulasten sei: „In der Vergangenheit gab es andere Prioritäten.“

Eine weitere Grundlagenarbeit wird der NLWKN auch mit Blick auf den Moorschutz leisten, der in Niedersachsen neu ausgerichtet wird. „38 Prozent der deutschen Moorfläche liegen in Niedersachsen: Damit haben wir beim Moor- und Klimaschutz eine besondere Verantwortung“, mahnte Wenzel. Die Entwicklung der „Niedersächsischen Moorlandschaften“ soll nicht nur wertvolle Lebensräume erhalten und schaffen, sondern soll auch die Emissionen von Treibhausgasen aus Mooren reduzieren und Moore als Kohlenstoffspeicher reaktivieren. Ein wesentlicher Baustein dafür ist die Erfassung der Verbreitung und des Zustandes der Hoch- und Niedermoore. In einem ersten Schritt wurde auf der Grundlage vorhandener Daten eine landesweite Übersicht über kohlenstoffreiche Böden erstellt. Diese Gebietskulisse wird ab diesem Jahr weiter differenziert und aktualisiert und soll Ende 2015 sowohl die bodenkundlichen als auch die für den Biotopschutz relevanten Daten zusammenführen.

Für die Neuausrichtung und Stärkung des Naturschutzes soll eine umfassende Naturschutzstrategie für Niedersachsen erarbeitet werden; die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt steht hierbei im Fokus. Sie berücksichtigt darüber hinaus Aspekte des Landschaftsbildes, der Landschaftsnutzung, der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes. Auch sollen Hinweise zur verbesserten Kommunikation von Naturschutzanliegen enthalten sein. Auf der Grundlage der Naturschutzstrategie wird ein neues Landschaftsprogramm für Niedersachsen entwickelt.

Das Umweltministerium erwartet auch von den unteren Naturschutzbehörden, also den Landkreisen und kreisfreien Städten, ein deutlich höheres Engagement für den Naturschutz: „Sie sind für die Sicherung der Natura-2000-Gebiete zuständig, dies muss jetzt rasch geschehen“, mahnte der Minister. Deshalb sollen die unteren Naturschutzbehörden jetzt berichten, in welcher Form – Naturschutzgebiet oder Landschaftsschutzgebiet – und in welchem Zeitraum die Sicherung vorgesehen ist. „Nach einschlägiger Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes sind Natura-2000-Gebiete hoheitlich zu sichern, daran kommen wir nicht vorbei“, sagte Berthold Paterak, für den landesweiten Naturschutz zuständiges Direktionsmitglied des NLWKN.

Gleichwohl ist Niedersachsen kein Entwicklungsland, was den Naturschutz betrifft: „Das Vogelmonitoring belegt, dass hier 208 Vogelarten brüten, mehr als in jedem anderen Bundesland“, freute sich Wenzel. Und zudem nimmt das LIFE-Projekt „Wiesenvögel“ weiter Fahrt auf: „Wir können nach dem zweiten Projektjahr auf große Fortschritte zurückblicken. Die Optimierung der Wasserstände in den wichtigsten Wiesenvogel-Schutzgebieten Niedersachsens gehört zu den zentralen Maßnahmen dieses Projektes.“ Beispiel Bornhorster Huntewiesen bei Oldenburg: Mithilfe des jetzt fertiggestellten Stauwehres im Pandsgraben sollen hohe Wasserstände im Frühjahr für eine niedrige, lückige Grünlandvegetation sorgen und damit günstige Bedingungen für eine erfolgreiche Aufzucht der Küken von Uferschnepfen und anderen Wiesenvögeln bieten. Ein zweites wichtiges Ziel des LIFE-Projektes ist der Flächenankauf, um eine weitere gezielte Anhebung des Wasserstandes auf öffentlichen Flächen verwirklichen zu können.

Zudem sind in Niedersachsen 77 wildlebende Säugetierarten belegt. Ein Säugetier, das derzeit für viele Diskussionen sorgt, ist der Wolf. Nachdem der Wolf vor mehr als 150 Jahren in Niedersachsen durch menschliche Verfolgung ausgerottet worden ist, werden seit 2007 wieder wildlebende Wölfe in Niedersachsen beobachtet. Eine jetzt im NLWKN-Jahresbericht erstmals veröffentlichte Karte zeigt, dass die derzeit in Niedersachsen lebenden Wölfe aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Polen eingewandert sind. „Dass der Wolf in Niedersachsen wieder heimisch ist, ist ein großer Erfolg für den Artenschutz“, betonte der Minister. „Der Schutz des Wolfes ist ein Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der biologischen Vielfalt. Das Land Niedersachsen will deshalb die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung und insbesondere bei den Nutztierhalterinnen und -haltern stärken, um ein Miteinander von Mensch und Wolf in Niedersachsen zu ermöglichen.“

Jahresbericht 2013 im Internet: http://www.nlwkn.niedersachsen.de/aktuelles/jahresberichte/46059.html

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Artikel-Informationen

07.05.2014

Ansprechpartner/in:
Herma Heyken

NLWKN-Direktion
Pressesprecherin
Am Sportplatz 23
D-26506 Norden
Tel: +49 (0)4931/947-181
Fax: +49 (0)4931/947-222

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