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Vögel

Vor allem wegen ihrer Fähigkeit zum Fliegen und des schönen Gesanges wegen werden Vögel von Menschen bewundert. Die Vögel haben schon immer im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit eine besondere Rolle gespielt. So sind beispielsweise neben "Amsel, Drossel, Fink und Star" auch der Weißstorch und die Schwalben allgemein bekannt und beliebt.

Auch die Tatsache, dass sie z.T. sehr weiter Entfernungen zurücklegen, macht die Vögel zu einer interessanten Artengruppe. So leben manche Vogelarten ganzjährig bei uns (die sog. Standvögel), andere (die Zugvögel) ziehen von hier im Winter in den Süden (z.T. sogar bis nach Südafrika), oder sie kommen im Winter aus kälteren Ländern (etwa der Arktis) zu uns. Zugvögel sind Weltenbummler, zu deren Schutz wir im internationalen Rahmen unseren Beitrag leisten müssen.

Zu den 212 Vogelarten, die in Niedersachsen als Brutvögel heimisch sind, gehören Reiher, Störche, Entenvögel, Greifvögel und Hühnervögel, Schnepfen, Eulen und Spechtvögel sowie Singvögel wie Lerchen, Schwalben, Stelzen, Drosseln, Meisen, Rabenvögel und Finken, um nur einige Ordnungen zu nennen.

Vögel besiedeln alle Bereiche unserer Umwelt, sowohl Wald und Wiese als auch Strand und Heide bis hin zu Dörfern und Städten. Der Reichtum an Vogelarten spiegelt dabei die Vielfalt der Landschaft wider. Unterschiedliche Vogelarten haben sich an alle natürlichen und an viele vom Menschen geschaffene Lebensräume angepasst.

So ist zu beobachten, dass z. B. an der Nordsee neu entstandene Aufsandungen im Bereich der Inseln schnell von Zwergseeschwalben als Brutplätze angenommen werden, sogar Flachdächer von Hochhäusern vom Austernfischer besiedelt werden, Wanderfalken an Kernkraftwerken und Amseln auf dem Balkon nisten.

Der Lebensraum der Brutvögel muss sowohl die Möglichkeit zur artspezifischen Nestanlage als auch das spezielle Nahrungsangebot bieten. Nicht bei allen Vogelarten stehen Brutplatz und Nahrungshabitat in direktem räumlichen Zusammenhang. So brütet beispielsweise der Schwarzstorch auf Bäumen im Wald, zur Nahrungssuche nutzt er aber vor allem naturnahe Fließgewässer. Diese Zusammenhänge müssen zum Schutz der Tiere erkannt und berücksichtigt werden.

Zum Schutz der Nester haben die Arten unterschiedlichste Strategien entwickelt: Neben dem versteckten Nest im Gebüsch oder Baum gibt es bei uns auch zahlreiche Boden- und Höhlenbrüter. Spechte sind dabei die "Baumeister des Waldes", die durch die Vielzahl der von ihnen gebauten Höhlen auch anderen Arten sichere Nistplätze bereiten.

Die Nahrung der Vögel reicht von Pflanzen (Entenvögel sind überwiegend Vegetarier) über Insekten (hiervon ernähren sich vor allem Singvögel) bis hin zu Lurchen und Kriechtieren, Fischen sowie Vögeln und Säugetieren (neben Greifvögeln ernähren sich hiervon überwiegend z. B. auch Graureiher und Weißstorch).

Im Gegensatz zu den Brutvögeln sind Gastvögel solche Vögel, die sich hier aufhalten, ohne zur Fortpflanzung zu schreiten. Es fallen darunter vor allem die Zugvögel, die bei uns überwintern oder auf dem Zug in die/von den Winterquartieren hier rasten. Über Niedersachsen hinweg fliegende Vögel sind damit nicht gemeint. In Niedersachsen werden ca. 188 Gastvogelarten regelmäßig beobachtet, wobei viele Brutvogelarten zeitweise auch als Gastvögel bei uns vorkommen.

Während viele der kleinen Zugvogelarten unter den Singvögeln beinahe unbemerkt einzeln oder in kleinen Gruppen durch das gesamte Land ziehen, konzentrieren sich vor allem die größeren, an Feuchtgebiete gebundenen Arten an relativ wenigen Stellen. Zu diesen Arten gehören mit besonderer Bedeutung in Niedersachsen vor allem die Enten, Schwäne und Gänse, Watvögel, Möwen und Kraniche. Als feuchtgebietsreiches Land hat Niedersachsen eine hohe Verantwortung für den Schutz dieser Arten, daher müssen wir wissen, wo und zu welcher Zeit bedeutsame Bestände vorkommen.

Gefährdung
Trotz der oben beschriebenen Anpassungsfähigkeit sind Vögel nur zum Teil in der Lage, die rasanten Lebensraumveränderungen und -verluste zu verkraften. Gefährdungen gehen vor allem von der Intensivierung der Landnutzung aus, verbunden mit der Ausräumung unserer Landschaft, Veränderungen des Wasserhaushalts sowie großflächigem Lebensraumverlust (Bebauung, Straßenbau etc.). Viele Vogelarten und insbesondere solche, die auf naturnahe Lebensräume spezialisiert sind, sind heute gefährdet.

Erfassung
Mit dem niedersächsischen Vogelarten-Erfassungsprogramm werden seit 1974 Daten für 122 ausgewählte Brutvogelarten gesammelt, überwiegend durch ehrenamtliche Mitarbeit. Hierbei besteht eine enge Kooperation mit der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV). Gastvögel werden durch Wasser- und Watvogelzählungen erfasst. Die Ergebnisse sind in zahlreichen Veröffentlichungen publiziert worden, wie z. B. dem 2014 erschienenen "Atlas der Brutvögel Niedersachsens und Bremens".

Daneben konnten als wichtiges Ergebnis des Vogelarten-Erfassungsprogramms zwei Karten der avifaunistisch wertvollen Bereiche - Brut- und Gastvögel - veröffentlicht werden. Damit liegen Karten vor, die jedem die Möglichkeit bieten, bedeutsame Vogellebensräume in Niedersachsen zu erkennen. Die Niedersächsische Umweltkarte der für Brut- und Gastvögel wertvollen Bereiche können Sie sich hier ansehen.

Literatur
  • BEHM, K. & T. KRÜGER (2013): Verfahren zur Bewertung von Vogelbrutgebieten in Niedersachsen, 3. Fassung, Stand 2013. – Inform.d. Naturschutz Niedersachs 33, Nr. 2 ( Heft 2/13): 55-69.
  • BLÜML, V. & K. Sandkühler (2015): Bedeutung niedersächsischer Hochmoore für Brutvögel. – Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 35, Nr. 3 ( Heft 3/15): 119-177.
  • KRÜGER, T., J. LUDWIG, P. SÜDBECK, J. BLEW & B. OLTMANNS (2013): Quantitative Kriterien zur Bewertung von Gastvogellebensräumen in Niedersachsen, 3. Fassung, Stand 2013. – Inform.d. Naturschutz Niedersachs 33, Nr. 2 ( Heft 2/13): 70-87.
  • KRÜGER, T., J. LUDWIG, S. PFÜTZKE & H. ZANG (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008. – Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. H. 48: 1-552 + DVD
  • KRÜGER, T. & M. NIPKOW (2015): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel – 8. Fassung, Stand 2015. – Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 35 (4) ( Heft 4/15): 181-256.
  • NLÖ/NLWKN (Hrsg.) (1978-2012): Die Vögel Niedersachsens und des Landes Bremen. - Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. Sonderreihe B: H.1.1-2.11.
  • SÜDBECK, P. & T. KRÜGER (2004): Wiesenvogelschutz in Niedersachsen. – Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. H. 41: 1-123, Hildesheim.
  • WÜBBENHORST, J., C. PEERENBOOM & K. SANDKÜHLER (2014): Brutvögel in der Niedersächsischen Elbtalaue – Erfassungen im EU-Vogelschutzgebiet V37 „Niedersächsische Mittelelbe“ 2005-2011 – Inform.d. Naturschutz Niedersachs 34, Nr. 3 ( Heft 3/14): 93-156.
Rotmilan
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Katja Behm

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Betriebsstelle Hannover-Hildesheim
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0511) / 3034-3013
Fax: +49 (0)511 / 3034-3507

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