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Expedition: Auf den Spuren der Vögel vom Dümmer nach Afrika

Niedersachsen sucht Schulterschluss mit Naturschützern im Senegal


 
Gemeinsam auf der Suche nach den am Dümmer geschlüpften Uferschnepfen (v.l.n.r.): Idrissa Ndaye, Heinrich Belting und Christopher Marlow bei der Vogelzählung im Senegal. Das Forscherteam erlebte einen herzlichen Empfang (Foto: Melter).

Nur vier Monate verbringen Uferschnepfen in ihrem Brutgebiet am Dümmer. Wo genau in der Welt die bedrohte Wiesenvogelart im Laufe des übrigen Jahres Station macht, sollte eine Besenderung von zehn Vögeln im vergangenen Frühjahr klären. Im westafrikanischen Senegal ging eine Gruppe niedersächsischer Ornithologen dem ermittelten Überwinterungsverhalten jetzt näher auf den Grund. Dabei trafen sie auf zwei alte Bekannte – und knüpften wichtige Kontakte zum örtlichen Naturschutz.

„Vögel scheren sich nicht um Staatengrenzen. Es reicht deshalb nicht aus, nur die Brutgebiete bei uns zu schützen - wir müssen auch die vielen anderen Gebiete berücksichtigen, wo diese Tiere den Großteil des Jahres verbringen“, betont Heinrich Belting, Mitarbeiter der Naturschutzstation am Dümmer, die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) unterhalten wird. Das Problem: bislang waren diese Gebiete den Forschern des LIFE-Projektes „Wiesenvögel“ nur ansatzweise bekannt. Die neue Technik der Besenderung bringt nun spürbar Licht ins Dunkel: „Über das ganze Jahr hinweg werden die Positionen von zehn im vergangenen Frühjahr mit kleinen Satellitensendern ausgestatteten Vögeln gesendet und exakt verortet“, so Belting. Schnell stellt sich dabei heraus: Die meisten Uferschnepfen der Dümmer-Region zieht es nach Westafrika.

Im Dezember nun reisten Projektleiter Belting, Doktorand Christopher Marlow von der Universität Oldenburg und Johannes Melter vom Planungsbüro BioConsult aus Osnabrück den bedrohten Wiesenvögeln vom Dümmer hinterher. Im Senegal erkundete die Expedition aus Niedersachsen gemeinsam mit den einheimischen Wildtierbiologen Idrissa Ndiaye und Saliou Diop dabei jene Gebiete, in denen am Dümmer brütende Vögel derzeit überwintern. „Die natürlichen Feuchtgebiete und Reisfelder hier und in angrenzenden Staaten bieten hinreichend Nahrung und sind eines der wichtigsten Winterquartiere. Hier bleiben die Vögel viele Monate“, erklärt der Biologe. Zwei Ring-Ablesungen freuten die Niedersachsen im Rahmen ihrer Zählung von rund 3400 Uferschnepfen dabei ganz besonders: „Beide Vögel waren 2017 am Dümmer geschlüpft und von uns dort beringt worden“, so Belting.

Gefahr Wassermangel

Neben der Durchführung von Zählungen und Lebensraumanalysen an 20 unterschiedlichen Standorten ging es auf der Expedition vor allem darum, mögliche Gefährdungen zu identifizieren und gemeinsam mit den afrikanischen Kollegen erforderliche Schutzmaßnahmen zu sondieren, vorzubereiten und zu unterstützen. „Erfreulicherweise stellten wir schnell fest, dass die augenblicklichen Lebensbedingungen dort für die Vögel sehr viel besser sind, als in vielen der Brutgebiete bei uns in Nordwestdeutschland“, so Heinrich Belting. Dennoch sei unübersehbar, dass hier künftig vielfältige Gefährdungen entstehen würden. Denn – auch das zeigten die vielen vor Ort geführten Gespräche des niedersächsischen Forscherteams: der Senegal durchlebt gegenwärtig einen rasanten Wandel. Unter dem Druck stark wachsender Bevölkerungszahlen und der Konkurrenz am Weltmarkt weichen traditionell-bäuerliche Strukturen mit kleinparzellierten Reisfeldern weiträumigen Reisplantagen, die auch mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union operieren.

Hauptproblem im Reisanbau ist dabei der enorme Wasserbedarf: Ein Hektar Reiskultur benötigt 11.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Dies wird mit Elektropumpen verteilt. „Angesichts der angestrebten künftigen Anbaufläche und des Klimawandels gerade in der Sahelzone liegt das Problem auf der Hand“, warnt Belting. Die bislang ausreichend vorhandenen natürlichen Feuchtgebiete könnte das gleiche Schicksal ereilen wie heute in Mitteleuropa: ein ausgeprägter Wassermangel. „Im Reisanbau müssen deshalb schnell Lösungen erarbeitet und umgesetzt werden, welche die Ernährungslage des Landes sicherstellen können, ohne die Winterquartiere der Vögel maßgeblich zu beeinträchtigen“, fordert das Forscherteam.

Im Rahmen ihrer Expedition wurden hierzu erste Schritte unternommen: „Wir konnten durch den intensiven Kontakt zu lokalen, regionalen und nationalen Naturschutz-Institutionen wie Nationalparks, der Staatsregierung und sonstigen Einrichtungen Möglichkeiten einer künftigen Zusammenarbeit bei Schutzmaßnahmen ausloten. Hieran gilt es anzuknüpfen“, so der NLWKN-Biologe. Der Bericht der Expedition kann ab März im Internet auf der Seite www.wiesenvoegel-life.de abgerufen werden.

Hintergrundinformation:

Die Uferschnepfen am Dümmer und das LIFE-Projekt „Wiesenvögel“

Die Expedition der drei niedersächsischen Forscher erfolgte im Rahmen des durch die Europäische Union und das Land Niedersachsen geförderten LIFE-Projektes „Wiesenvögel“, welches auch von der Naturschutzstiftung Landkreis Emsland und dem Landkreis Leer kofinanziert wird. Seit 2011 werden hierüber zahlreiche Naturschutzmaßnahmen in den bedeutendsten Brutgebieten Niedersachsens umgesetzt. Der Dümmer im Südwesten Niedersachsens ist eines der wichtigsten Brutgebiete für bedrohte Wiesenvögel in Deutschland. Auf der Internet-Seite www.wiesenvoegel-life.de kann der jeweils aktuelle Aufenthaltsort der im Frühjahr 2018 besenderten Vögel in Echtzeit verfolgt werden.

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Artikel-Informationen

30.01.2019

Ansprechpartner/in:
Achim Stolz, Carsten Lippe

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Am Sportplatz 23
D-26506 Norden
Tel: +49 (0)4931/ 947 - 288 / -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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