NLWKN klar

Gewässerallianz Niedersachsen

Ausgangslage

Ein guter ökologischer Zustand der Fließgewässer richtet sich in erster Linie nach der Vielfalt der vorhandenen Pflanzen- und Tierarten. Voraussetzung dafür sind eine gute Wasserqualität und natur­nahe Gewässerstrukturen.

Die aktuelle ökologische Zustandsbewertung der Oberflächengewässer in Niedersachsen zeigt, dass zum jetzigen Zeitpunkt leider nur sehr wenige Gewässer die Bewirtschaftungsziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie seit deren Inkrafttreten im Jahre 2000 erreicht haben. Aktuell sind es in Niedersachsen 2% der Wasserkörper. 68% der Wasserkörper sind sogar als unbefriedigend oder schlecht eingestuft. Störungen in der Gewässerhydromorphologie und der Durchgängigkeit der Gewässer werden - wie schon im ersten Bewirtschaftungsplan - als eine Hauptursache für dieses schlechte Ergebnis verantwortlich gemacht. Daher bleiben hydromorphologische Maßnahmen und Konzepte zur naturnahen Gewässergestaltung auch im zweiten Bewirtschaftungszyklus (2015 bis 2021) weiterhin ein Schwerpunkt der Aktivitäten.

Die Umsetzung von Maßnahmen zur naturnahen Gewässergestaltung ist bislang deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es hat sich zudem im Lauf des ersten Bewirtschaftungszeitraums gezeigt, dass die Planungen von Maßnahmen zielgerichteter an den fachlichen Erfordernissen und den vorhandenen chemischen und biologischen Defiziten ausgerichtet werden müssen, um die Ziele dort zu erreichen, wo Erfolge möglich sind.

Grundlagen einer erfolgreichen Gewässerentwicklung

Gewässertypische Lebensgemeinschaften zu etablieren, braucht natürlicherweise Zeit. Gewässerentwicklung ist daher auch ein lang andauernder Prozess, in dem sich die Entwicklung vom naturfernen, gestörten zu einem naturnäheren und ökologisch guten Zustand vollzieht.

Die wichtigsten Grundsätze einer erfolgreichen Gewässerentwicklung sind:

  • Nicht alle Gewässer haben die gleichen Vorrausetzungen, um sich in relativ kurzer Zeit gut zu entwickeln! Gewässerentwicklung, d.h. eine Wiederbesiedlung mit gewässertypischen Arten und Lebensgemeinschaften, kann grundsätzlich nur dort stattfinden bzw. initiiert werden, wo auch noch ein entsprechendes Potential dazu vorhanden ist.
  • Nicht alle Gewässer sind daher in Hinblick auf Erfolge gleich zu behandeln!
  • Es werden die richtigen Maßnahmen in ausreichender Qualität und Menge gebraucht! Für stabile und durchschlagende Erfolge sind die richtigen Maßnahmen in ausreichender Dichte und Qualität - und an der richtigen Stelle - erforderlich.
  • Es bedarf professioneller „Kümmerer", die sich der erforderlichen Maßnahmen und der potentiellen Maßnahmenträger intensiv annehmen.

Für verschiedene Gewässer wurden bereits im ersten Bewirtschaftungszeitraum Handlungsempfehlungen für Maßnahmen erarbeitet. Diese stellen eine grobe, langfristige Gesamtplanung für einen Wasserkörper zum Erreichen der Bewirtschaftungsziele der EU-WRRL dar. Sie werden durch den NLWKN anhand der vorhandenen Defizite der biologischen Komponenten Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen erarbeitet und dienen als fachliche Grundlage und Orientierung für nachfolgende konkrete Planungsschritte. Eine Überarbeitung ist auf Basis der neuen Bewirtschaftungsergebnisse 2015 erfolgt: Die erweiterten Handlungsempfehlungen für die niedersächsischen Schwerpunktgewässer sind auf den Internetseiten des NLWKN www.nlwkn.niedersachsen.de veröffentlicht.

Eine weitere wichtige Grundlage für die Maßnahmenumsetzung können Gewässerentwicklungspläne darstellen. Gewässerentwicklungspläne sind verortete handlungs- und maßnahmenorientierte Fachplanungen von Wasserwirtschaft und Naturschutz unter Beteiligung der Landwirtschaft und weiteren Beteiligten.

Neue Strategien: Schwerpunktgewässer und Gewässerallianz

Aufgrund der aktuell schlechten ökologischen Bewertungsergebnisse für die Fließgewässer wurden die vorhandenen Strategien für den zweiten Bewirtschaftungsplanzeitraum überprüft und modifiziert, um zukünftig Maßnahmen noch zielgerichteter umzusetzen und damit Erfolge aufzuweisen.

Nach zwei einheitlichen Kriterien wurden landesweit hydromorphologisch besonders entwicklungsfähige Gewässer ausgewählt. Dazu gehören:

  • Gewässer im aktuell mäßigem Zustand oder Potential, da sie vom Ziel guter Zustand/Potential nur noch eine Klasse entfernt sind und damit die größten Chancen besitzen sich mit entsprechend zielgerichteten Maßnahmen mittelfristig in einen guten Zustand bzw. zum guten ökologischen Potenzial zu entwickeln.
  • Gewässer, die noch über ein relativ intaktes, natürliches Arteninventar verfügen und damit von Natur aus ein gutes ökologisches Regenerationsvermögen besitzen, sodass wiedergeschaffene Strukturen auch mit den gewässertypischen Arten besiedelt werden.

An diesen Gewässern, den sogenannten Schwerpunktgewässern, sollen in Zusammenarbeit mit Unterhaltungsverbänden ab 2015 verstärkt Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. Auch sollen zukünftig bevorzugt Fördermittel aus dem Fließgewässerentwicklungsprogramm an diese Gewässer fließen.

In Niedersachsen ist die Maßnahmenumsetzung häufig dort erfolgreich, wo sich engagierte Akteure viel um die Maßnahmenumsetzung kümmern können und Akzeptanz für notwendiges Handeln schaffen. Aus diesem Grund wird für den zweiten Bewirtschaftungszeitraum in freiwilliger Kooperation mit Unterhaltungsverbänden die „Gewässerallianz Niedersachsen" gestartet. Dazu wurden leistungsfähige Partner gesucht, die bereit und in der Lage sind an einem derartigen Projekt teilzunehmen und dieses konstruktiv mitzugestalten. Für die fachlich ausgewählten Schwerpunktgewässer im Verbandsgebiet wurden Vereinbarungen mit den Kooperationspartnern geschlossen, um dort die personalintensiven Umsetzungsaktivitäten an Fließgewässern zu intensivieren. Im Zuge einer grundsätzlich langfristig anzulegenden Kooperationsstrategie wird zunächst bei einer begrenzten Anzahl von Unterhaltungsverbänden die Einstellung eines „Gewässerkoordinators" finanziell durch das Land Niedersachsen für zwei Jahre unterstützt. Für die erste Projektphase in den Jahren 2015/2016 haben zunächst neun Unterhaltungsverbände diesen Weg gemeinsam mit dem NLWKN beschritten. Mit dabei sind als

Partner in der Gewässerallianz

Inzwischen konnten die bestehenden Verträge mit den Allianzverbänden bis Ende 2018 verlängert und die Projektkulisse darüber hinaus um drei neue Allianzgebiete "Leine", "Weserbergland" und "Aller-Böhme" ausgeweitet werden.

Das Projekt wird durch den NLWKN, Betriebsstelle Lüneburg GB III zentral koordiniert.

Im Sinne eines effizienten Gewässerschutzes sollen damit zukünftig gezielter und konsequenter lohnenswerte und überregional bedeutsame Gewässer bevorzugt entwickelt werden.

Das Projekt baut auch auf eine Unterstützung und Kooperation durch die im Gebiet zuständigen und am Gewässer tätigen Institutionen.

Aber auch für Gewässer außerhalb dieser Regionen werden zukünftig, wenn auch in geringerem Umfang, für Maßnahmen der naturnahen Gewässergestaltung und für Projekte zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit Fördermittel vom Land bereitgestellt. Die Aktivitäten sollten sich aber, damit auch hier langfristig messbare Erfolge zu verzeichnen sind, zunächst auf ein oder zwei Gewässer pro Gebietskooperation konzentrieren und Maßnahmen hier möglichst gebündelt angegangen werden.

Das Rahmenkonzept der Gewässerallianz, die Karte der Schwerpunktgewässer sowie die Kontaktdaten der Ansprechpartner stehen Ihnen rechts in der Infospalte zum Download bereit.

Projektkulisse Gewässerallianz  

Projektkulisse Gewässerallianz

Fintau  

Altarm an der Fintau

Hunte  

Sohlgleite in der Hunte

Lenne  

Renaturierung der Lenne

Meiße  

Totholz in der Meiße

Meiße  

Kieseinbau in der Meiße

Rhume  

Umbauarbeiten am Rhumewehr

Artikel-Informationen

12.04.2017

Ansprechpartner/in:
Dr. Katharina Pinz

NLWKN Lüneburg
Adolph-Kolping-Straße 6
D-21337 Lüneburg
Tel: +49 (0)4131/8545-271

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