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FAQ zum Steinhuder Meer – Tourismus

Übersichtskarte zum Steinhuder Meer mit Darstellung der „Deipen“ von 1963 und 2019 im Vergleich.   Bildrechte: NLWKN
Übersichtskarte zum Steinhuder Meer mit Darstellung der „Deipen“ von 1963 und 2019 im Vergleich.

2. Seit wann gibt es Tourismus am Steinhuder Meer und wie hat sich dieser auf das Steinhuder Meer ausgewirkt?

Bereits seit dem 18. Jahrhundert gab es Tourismus am Steinhuder Meer. In den 1920er Jahren nahm der Fremdenverkehr stark zu, sodass es insgesamt zu wenig Platz für die hohen Besucherzahlen gab. Es herrschten vor allem am Nordufer chaotische Zustände. Es lag eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur vor und die gastronomischen sowie hygienischen Einrichtungen entsprachen oft einem schlechten Standard. Die starke, ungeregelte Erholungsnutzung führte zur Zerstörung des ursprünglich natürlichen Charakters des Steinhuder Meeres (Fesche 1998).

Als im Jahr 1965 die Besucherzahlen stark zurückgingen, war man angehalten die Touristen anzulocken und zu längerem Bleiben zu bewegen. Die Gemeinde Steinhude engagierte hierzu einen der damalig populärsten bundesdeutschen Stadtplaner, um einen Gesamtentwicklungsplan zu erarbeiten. Ziel war die touristische Aufwertung Steinhudes mit der Planung von neun achtgeschossigen Hochhäusern als Kernelement. Der Plan des angesehenen Stadtplaners wurde so nicht verwirklicht, aber die Appartmentgroßbauten wurden in Teilen gebaut. Im Kompromiss einigte man sich darauf die Appartments zu vermieten und nicht wie geplant als Eigentumswohnungen anzubieten (Fesche 1998).

Noch stärker als am Südufer machte sich der Strukturwandel und der vermehrte Fremdenverkehr am Nordufer in Mardorf bemerkbar. Mardorf war damals überwiegend von landwirtschaftlichen Strukturen geprägt. Doch weil die Beschaffenheit der Böden schlecht war und auch andere Gewerbe- und Industriezweige fehlten, blieben den Bewohnern lediglich zwei Möglichkeiten: für andere Berufe in umliegende Orte pendeln oder den Tourismus als Erwerbszweig zu verfolgen. Die Zahl der Auspendler stieg daraufhin von 1961 bis 1968 um 163% an und viele Landwirte verpachteten oder verkauften ihre Flächen für den Wochenendhausbau. Zur Planungs- und Finanzierungsstrategie gehörten im Wesentlichen das Freimachen der Uferbereiche für die Allgemeinheit, das Anlegen eines Wanderweges und Grundstückserwerb an Erholungsschwerpunkten. Im Jahr 1968 wurde das neugestaltete Ufer eingeweiht. Es folgten ab 1974 der Bau des Restaurants Weiße Düne und eines Campingplatzes mit 360 Stell- und 80 Zeltplätzen (Fesche 1998).

Im Jahr 2019 wurden laut amtlicher Statistik 301.683 und im Jahr 2020 199.208 (bis einschließlich Oktober und ohne die Daten der Stadt Rehburg-Loccum sowie den dazugehörigen Ortsteilen) Übernachtungen in der Region Steinhuder Meer registriert.

3. Wie heißen die Inseln im Steinhuder Meer und wie sind sie entstanden?

Badeinsel
Ausgehend von einer natürlichen Schilfinsel entstand die Badeinsel 1975 durch das Aufspülen von Sand aus dem Steinhuder Meer und liegt am Südufer des Sees in Steinhude (Abbildung 1). Die heutige Badeinsel ist somit künstlich geschaffen. Sie ist rund 3,5 Hektar groß und damit etwa dreimal so groß wie die mitten im Steinhuder Meer liegende Insel Wilhelmstein. Über eine rund 80 Meter lange Fußgängerbrücke ist die Badeinsel erreichbar. Dort befindet sich eine Aussichtsplattform, die aus etwa 15 Meter Höhe einen Blick auf den See gewährt. Im Nordosten der Insel bildet das Ufer eine kleine Bucht mit einem ca. 100 Meter breiten Sandstrand. Der Rest der Insel besteht überwiegend aus Rasenflächen, Büschen, Bäumen und kleinen Hainen, die die gesamte Insel durchziehen und dieser ein parkähnliches Aussehen verleihen.

Insel Wilhelmstein
Die Insel Wilhelmstein ist heute 1,25 ha groß (Abbildung 1) und wurde in den Jahren 1761 bis 1767 durch Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe errichtet. Zweck der Insel war die Verteidigung des Kleinstaates. Der Bau der Insel wurde mithilfe von Fischerbooten im Sommer und Schlitten im Winter bewerkstelligt. Damit Baumaterial besser zur im Bau befindlichen Insel Wilhelmstein gebracht werden konnte, wurde in den 1760er Jahren der Hagenburger Kanal als Stichkanal am Südufer angelegt, um das Schloss Hagenburg mit dem Steinhuder Meer zu verbinden. Ursprünglich bestand die Insel, neben der Festung, aus 16 sogenannten Wilhelmsinseln und war bedeutend kleiner als heutzutage. Diese Außenwerke waren nicht besonders haltbar, da sie auf Holz aufgebaut waren. So erhielten sie bereits 1772 einen festen Untergrund, ehe sie 1810, inklusive der vorhandenen Zwischenräume, ganz verfüllt wurden.

Ihren ursprünglichen Zweck zur Verteidigung erfüllte die Insel im Jahre 1787, als Hessische Truppen die Grafschaft Schaumburg-Lippe besetzten und sich 150 Mann auf der Insel Wilhelmstein verschanzten. Eine Belagerung misslang auch deshalb, weil die Insel vom Kurfürstentum Hannover versorgt wurde. Nachdem Preußen und Hannover sich zusammenschlossen, um die Grafschaft zu befreien, traten die Hessen den Rückzug an. Von 1767 bis 1778 befand sich eine Militärschule auf der Insel, danach diente sie bis 1867 als Gefängnis (Schaumburg-Lippischer Heimatverein e.V. Ortgemeinschaft Seeprovinz (Hrsg.) (2009)).

Noch heute besitzt die Insel einen kleinen Hafen, in dem früher Kanonenboote lagen. Nach der Nutzung als Gefängnis wurde die Insel für Besucher hergerichtet und der Fremdenverkehr verstärkte sich erheblich. Um die Insel attraktiver für Besucher zu gestalten, wurden seit 2005 umfangreiche Renovierungen an den Gebäuden vorgenommen. Heutzutage kann man die Insel entweder mit dem eigenen Boot, per gewerblicher Personenbeförderung oder mit Kanu bzw. Stand up paddle board (SUP-board) erreichen. Seit 2003 befindet sich dort eine Kunstausstellung und die Möglichkeit zur Übernachtung rundet das Erlebnisangebot ab. Die Insel ist Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes Steinhuder Meer (LSG-H-01).

4. Was ist der Naturpark Steinhuder Meer?

Ein Naturpark ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz ein großräumiges Gebiet, das überwiegend aus Natur- und Landschaftsschutzgebieten besteht. Er weist eine große Arten- und Biotopvielfalt auf, sowie eine durch vielfältige Nutzung geprägte Landschaft. Ein Naturpark bewahrt und entwickelt Natur und Landschaft mit und für Menschen. Er fördert die regionale Identität und schafft Verständnis sowie Akzeptanz für den Naturschutz als auch eine nachhaltige Entwicklung. Naturparke eignen sich besonders zur Erholung und für das Naturerleben. In Deutschland gibt es über 100 Naturparke, davon 14 Stück in Niedersachsen. In Deutschland machen sie knapp 30% der Fläche aus.

Der Naturpark Steinhuder Meer erstreckt sich auf einer Fläche von 420 km² zwischen Leine und Fulde sowie vom Kloster Mariensee bis zum Kloster Loccum. Er wurde im Oktober 1974 gegründet und 2018 um rund ein Drittel erweitert. Etwas mehr als 13 % der Fläche stehen unter Naturschutz, rund 50 % unter Landschaftsschutz. Seine vielfältigen Landschaften und Lebensräume sind für den Arten- und Biotopschutz von sehr großer Bedeutung. Der Naturpark Steinhuder Meer erstreckt sich über die Landkreise Nienburg/Weser und Schaumburg sowie die Region Hannover, die die Trägerschaft übernommen hat.

Der Naturpark Steinhuder Meer ist ein Refugium seltener Tier- und Pflanzenarten und damit ein wahres Eldorado für Naturbegeisterte. An sonnigen Wochenenden zieht es die Gäste vor allem an das Steinhuder Meer. Um empfindliche Bereiche zu schützen, wurde ein wirkungsvolles System zur Besucherlenkung mit Beobachtungstürmen, -plattformen und Stegen entwickelt. Unter anderem dafür hat der Naturpark bereits zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung „Qualitäts-Naturpark" vom Verband Deutscher Naturparke erhalten. Bei Führungen des Naturparks lässt sich die Natur aktiv erleben. Aber auch entlang der zahlreichen Routen kann man zu Fuß oder mit dem Rad vieles entdecken. So führt der 32 km lange Steinhuder Meer Rundweg um den See herum. Spannende Ausstellungen, Informationsmaterial und Tipps für individuelle Ausflüge gibt es im Naturparkhaus in Mardorf, Uferweg 118, und im Infozentrum in Steinhude, Am Graben 4-6. Über die Veranstaltungen im Naturpark informiert eine Jahresbroschüre. Die Naturpark-Ranger sind regelmäßig zu Land als auch zu Wasser unterwegs und achten darauf, dass die Schutzzonen eingehalten werden. Sie sind Ansprechpartner vor Ort und führen Besuchergruppen durch den Naturpark. Weitere Infos über den Naturpark Steinhuder Meer seine Ausstellungen und Angebote unter https://www.naturpark-steinhuder-meer.de/.

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