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Persönlicher Austausch rund um Kiebitz, Uferschnepfe und Co

Schutz für Wiesenvögel steht im Mittelpunkt: Erstes Präsenzmeeting der internationalen Partner des LIFE IP Projekts „GrassBirdHabitats“


Exkursion der Partner des LIFE IP Projekts „GrassBirdHabitats“ in die Dümmer-Wiesen.   Bildrechte: Jürgen Ludwig
Exkursion der Partner des LIFE IP Projekts „GrassBirdHabitats“ in die Dümmer-Wiesen.

Erstmals war es im Rahmen des von der EU und dem Land Niedersachsen sowie weiteren Partnern mit 27 Mio Euro geförderten LIFE IP Projekts möglich, in einem der Projektgebiete am Dümmer in Niedersachsen zu tagen. Während des zweitägigen Treffens am 5. und 6.10.2021 ging es um den aktuellen Stand der im Projekt vorgesehen Maßnahmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts konnten sich aufgrund der Corona-Situation bisher nur auf digitalem Wege austauschen. „Es ist ein Meilenstein für uns, uns als Projektpartner endlich persönlich treffen zu können!“, freut sich Heinrich Belting, im NLWKN verantwortlich für das LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“, dem EU-Nachfolgeprojekt des LIFE+ Projekts „Wiesenvögel“. „Nicht nur die Partner aus Niedersachsen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden reisten zahlreich an.“

Am ersten Tagungstag drehte sich inhaltlich alles um den Start der Maßnahmen im auf zehn Jahre ausgelegten Projekt. Die Projektpartner Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und das Büro BioConsultOS berichteten, mit welchen Aktionen sie bereits anfangen konnten: Dazu zählen die Entwicklung eines wiesenvogelfreundlichen Businessmodels für Landwirte, das Schaffen von Netzwerken in den Überwinterungsgebieten der Vögel in Afrika sowie das Ausstatten von Uferschnepfen mit Satellitensendern zum Erforschen ihrer Zugwege und der Gefährdungen, die hier auftreten.

Die Teilprojekte der niederländischen Partner Provinz Friesland, der landwirtschaftlichen Kooperative Collectief Súdwestkust (SWK), des Naturschutzverbands BondFrieseVogelWachten und der Universität Groningen starteten ebenfalls vielversprechend. Hier wurde beispielsweise mit einem länderübergreifenden Monitoring von Insekten in Wiesenvogelbrutgebieten begonnen. Über fünf Sommermonate fangen die Forscher Insekten mit unterschiedlichen Methoden. Die Auswertung soll Auskunft über den Insektenbestand geben, der den Wiesenvögeln als Nahrungsgrundlage zur Verfügung steht. Darüber hinaus entwickelte die Provinz Friesland in Zusammenarbeit mit Landwirten ein neues Modell zum nachhaltigen Bewirtschaften von Feuchtgrünland und startet Maßnahmen zur Optimierung der Wasserstände in fünf Projektgebieten.

Die Doktorandinnen und Doktoranden der Rijksuniversiteit Groningen, Niederlande, sowie ein im NLWKN beschäftigter Doktorand der Universität Oldenburg gaben einen Überblick über die mit dem Projekt verbundenen, aktuellen Forschungsarbeiten. Die Themen reichten von der Erforschung alternativer multifunktionaler Landschaften für den Naturschutz (Luis Barba) über Erfolgsfaktoren bei der Beteiligung von Landwirten am Wiesenvogelschutz (Jean-Yves Duriaux) und die drohende globale Krise bezüglich Boden- und Landdegradation (Clarisse Kraamwinkel). Weitere Vorträge betrafen die Voraussetzungen für die Vernetzung von Lebensräumen für Uferschnepfen als Leitart (Christopher Marlow) sowie deren Reaktion auf Landnutzungsänderungen in Brut- und Nichtbrutgebieten (Taylor Craft).

Bei einer Exkursion ins Projektgebiet Dümmer am zweiten Tag informierten sich die Teilnehmenden vor Ort über Best-Practice-Beispiele im Wiesenvogelschutz. Die dortigen Bestände der das Feuchtgrünland bewohnenden Vogelarten Uferschnepfe, Brachvogel, Bekassine und Kiebitz gehören zu den wichtigsten Brutvorkommen im Binnenland und haben seit Beginn der Schutzmaßnahmen stark zugenommen. Heinrich Belting stellte die im Gebiet über Jahrzehnte vorgenommenen erfolgreichen Maßnahmen zum Wiedervernässen der Wiesenflächen und die dafür angelegten Sielbauwerke vor. „Mit den Wassersstauanlagen und windbetriebenen Pumpen sorgen wir im Jahresverlauf für unterschiedlich hohe Wasserstände auf den Dümmer-Wiesen. Die Vögel wählen selbst, welcher Wasserstand ihnen am meisten zusagt.“ Am Dümmer werden 3.000 Hektar Naturschutzflächen durch Landwirte bewirtschaftet. Das Mähen des Grases zur Heuernte und die Beweidung durch Kühe oder Schafe erfolgt in enger Abstimmung mit den Interessen des Naturschutzes und sichert offene Flächen für die brütenden Vögel. Diese Kooperation ist ein wichtiger Garant für den erfolgreichen Wiesenvogelschutz.

Aus organisatorischen Gründen konnten die westafrikanischen Partner aus Gambia nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Ein ausführlicher Austausch, wie die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren intensiviert werden kann, fand eine Woche später im Rahmen der Zugvogeltage im Niedersächsischen Wattenmeer in Wilhelmshaven statt. Durch die bestehende Partnerschaft soll die geplante Ausweisung eines 180.000 Hektar großen Biosphärenreservats unterstützt werden.

Mehr zum LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“ (LIFE19 IPE/DE/000004)

Der Schutz von Wiesenvögeln wie Uferschnepfe, Kiebitz und Brachvogel und deren Lebensräumen stehen im Fokus des von der Europäischen Union im Rahmen des LIFE-Programms geförderten Projekts. Ziel ist es, optimale Brutgebiete zu schaffen und zu verbinden. Hierfür gilt es, die Flächennutzung zu extensivieren und die Wasserstände zu optimieren. Um die Aktivitäten künftig stärker zu vernetzen und Maßnahmen für erfolgreichen Wiesenvogelschutz abzustimmen, wird ein strategisches Schutzkonzept für Wiesenvogellebensräume in Westeuropa entwickelt. In 27 Projektgebieten in Niedersachsen werden wiesenvogelfreundliche Maßnahmen umgesetzt.

Das Gesamtbudget des über zehn Jahre laufenden Projekts beträgt rund 27 Millionen Euro, darin 12 Millionen Anteil des Landes Niedersachsen. Das Niedersächsische Umweltministerium als Projektträger hat die Staatliche Vogelschutzwarte im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Umsetzung des Projekts beauftragt. Partner in Niedersachsen sind die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und das Büro BioConsultOS. Projektpartner in den Niederlanden sind die Provinz Friesland, die Universität Groningen sowie die landwirtschaftliche Kooperative Collectief Súdwestkust (SWK) und der Naturschutzverband BondFrieseVogelWachten (BFVW).

Beim Partnermeeting des LIFE IP Projekts „GrassBirdHabitats“ geht es um den aktuellen Stand der Projektmaßnahmen. Im Bild: Projektleiter Heinrich Belting.   Bildrechte: Simone Peist
Beim Partnermeeting des LIFE IP Projekts „GrassBirdHabitats“ geht es um den aktuellen Stand der Projektmaßnahmen. Im Bild: Projektleiter Heinrich Belting.
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Artikel-Informationen

erstellt am:
20.10.2021

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