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Naturschutzvorhaben im „Sandtrockenrasen Achim“

NLWKN startet mit Gehölzentnahme zur Förderung gefährdeter Lebensräume und Arten


Landkreis Verden/Bierden/Uphusen. In der zweiten Januarwoche wird es laut im Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ zwischen Bierden und Uphusen. Im Rahmen des EU-geförderten LIFE-Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ sollen auf einer Fläche von etwa 1,7 Hektar Gehölze entfernt und der Oberboden teilweise abgetragen werden. Die Arbeiten im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) werden vor Ort durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Verden betreut.

„Ziel ist die Instandsetzung und Erweiterung von EU-weit geschützten Heide- und Trockenrasenlebensräumen auf Binnendünen, die in Niedersachsen inzwischen sehr selten sind“, erklärt Kristof Meyn, der beim NLWKN für die Umsetzung des Vorhabens zuständig ist. Gemäß der Planung der Unteren Naturschutzbehörde und des NLWKN wird auf ausgewählten Flächen zunächst der Strauch- und Baumbewuchs entfernt und in Teilbereichen die oberste Bodenschicht bis auf den darunterliegenden Sand abgetragen (sogenanntes Plaggen). Aufgrund der ehemals militärischen Nutzung der Flächen und konkreter Hinweise auf Geschoss-Rückstände ist in einigen Bereichen eine vorbereitende Kampfmittelsondierung vorgesehen. Die Projektverantwortlichen bitten um Verständnis, dass es im Rahmen der Maßnahme temporär zur Sperrung von Besucherwegen kommen kann.

Beim Sandtrockenrasen Achim handelt es sich um einen Binnendünenzug, der am Rand zwischen Aue und Geest verläuft. Das lang gestreckte Dünengelände mit früher mehr als 20 Meter hohen Dünen wurde während der Weltkriege und in den darauffolgenden Jahren zur Bausandgewinnung auf durchschnittlich acht bis zehn Meter Geländehöhe abgebaut. Übrig blieb ein flachwelliges, trockenes Gebiet aus magerem Dünensand mit fast ebenen Bereichen und lediglich kleinen Hügeln. Dadurch sind die natürlichen Bedingungen einer hohen bewegten Düne nicht mehr gegeben und die Lebensräume mittlerweile durch eine zunehmende Verbuschung bedroht. Ohne Gegenmaßnahmen würden die offenen Sandlebensräume vollkommen verschwinden. Durch die Pflegemaßnahmen wird die Verbuschung unterbrochen und werden sogenannte Pionierstandorte (Rohböden) geschaffen. Hier können sich Trockenrasen und Heideflächen wieder neu entwickeln.

„Diese spezialisierten Pflanzengesellschaften bieten vielen Tierarten, insbesondere einer Vielzahl an Insekten, einen wichtigen Lebensraum. Sie finden hier nicht nur Nahrungshabitate, sondern nutzen den lockeren Sandboden, um Brutröhren anzulegen und somit den Fortbestand ihrer Art zu sichern“, so Lena Koslowski von der Unteren Naturschutzbehörde Verden und ergänzt: „Hervorzuheben sind bestandsbedrohte Hautflügler wie Stechimmen aus den Gruppen der Weg-, Gold- und Grabwespen, Bienen und Ameisen sowie Sandlaufkäfer, Tagfalter und Heuschrecken wie beispielsweise die stark gefährdete Blauflüglige Ödlandschrecke.“

Heideblüte im Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ (Foto: Lena Koslowski, UNB Verden).   Bildrechte: Lena Koslowski/UNB Verden
Heideblüte im Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ (Foto: Lena Koslowski, UNB Verden).

Hintergrundinformation:

Das Integrierte LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“

Das Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ ist als sogenanntes „FFH-Gebiet“ zugleich Teil des europäischen Schutzgebietsnetzwerkes „Natura 2000“. Die laufenden Maßnahmen sind Teil des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das gemeinsam von den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen umgesetzt wird. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer sollen dabei nachhaltig aufgewertet oder entwickelt werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse sollen gestärkt werden.

Für die zehnjährige Laufzeit des Projekts steht beiden Ländern insgesamt ein Budget von 16,875 Millionen Euro zur Verfügung. 60 Prozent der Mittel werden von der Europäischen Union gestellt, jeweils 20 Prozent von den beiden Bundesländern. Die Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in Nordrhein-Westfalen beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Die operative Umsetzung der konkreten Einzelmaßnahmen in Niedersachsen liegt beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.sandlandschaften.de und unter www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

Für Rückfragen zum Gesamtprojekt steht Ihnen das IP-LIFE-Team des NLWKN gerne zur Verfügung (Tel.: 0511/3034-3352, E-Mail: Thomas.Kutter@nlwkn.niedersachsen.de). Für weitere Informationen über die Maßnahme im „Sandtrockenrasen Achim“ wenden Sie sich bitte an Kristof Meyn (Tel.: 0511/3034-3318, E-Mail: Kristof.Meyn@nlwkn.niedersachsen.de) oder an Lena Koslowski, Untere Naturschutzbehörde Verden (Tel.: 04231 – 15 8991, E-Mail: lena-koslowski@landkreis-verden.de).

NLWKN-Logo Bildrechte: NLWKN

Artikel-Informationen

erstellt am:
05.01.2022

Ansprechpartner/in:
NLWKN Pressestelle

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 Hannover / 26506 Norden
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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