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30 Jahre EU-LIFE-Projekte

Aktuell vier LIFE-Umwelt- und Klimaschutzprojekte in Niedersachsen unter der Leitung des NLWKN


In Westafrika liegen Überwinterungsgebiete der Wiesenvögel, die im Sommer u.a. am Dümmer Station machen. Um deren Schutz zu verbessern, knüpften Mitarbeiter des NLWKN im Rahmen des LIFE-Projekts Wiesenvögel wichtige Kontakte zu afrikanischen Kollege   Bildrechte: Johannes Melter/Planungsbüro BioConsult
In Westafrika liegen Überwinterungsgebiete der Wiesenvögel, die im Sommer u.a. am Dümmer Station machen. Um deren Schutz zu verbessern, knüpften Mitarbeiter des NLWKN im Rahmen des LIFE-Projekts Wiesenvögel wichtige Kontakte zu afrikanischen Kollege

Hannover. Am 21. Mai 2022 feierte das EU-Förderprogramm LIFE seinen dreißigsten Geburtstag. Seit 1992 förderte das Programm mehr als 5.500 Projekte in den vier Teilprogrammen Natur und Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Lebensqualität, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sowie Energiewende. In Niedersachsen ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bei mehreren LIFE-Natur-Projekten der Projektausführende im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. „Seit 30 Jahren bezuschusst die EU im Rahmen des LIFE-Programms Projekte mit großer Relevanz für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz – auch in Niedersachsen“, so Olaf Lies, Niedersächsischer Umweltminister. „Wir werden zwei Prozent unserer Landesfläche allein für die Windkraft brauchen. Zieht man die besiedelten Gebiete ab, bleiben 84 Prozent, auf denen wir künftig noch mehr tun können für den Arten- und Naturschutz und auch den Klimaschutz. Das LIFE-Programm ist da seit Jahrzehnten eine feste Säule.“ Anne Rickmeyer, Direktorin des NLWKN ergänzt: „Als NLWKN freuen wir uns und sind stolz darauf, vier LIFE-Projekte in Niedersachsen zu verantworten.“

„Aktuell setzen wir die LIFE+-Natur-Projekte LIFE Wiesenvögel, LIFE Hannoversche Moorgeest, IP LIFE Atlantische Sandlandschaften und IP LIFE GrassBirdHabitats um“, so Berthold Paterak, Leiter des Geschäftsbereichs Naturschutz im NLWKN.

LIFE Wiesenvögel

Mit dem Ende 2011 genehmigten LIFE+ Projekt stellt sich das Land Niedersachsen seiner Verantwortung für den Wiesenvogelschutz mit Hilfe der Europäischen Union (EU) über das LIFE-Förderprogramm. Bei einem Gesamtvolumen von 22,3 Millionen Euro war das Projekt seinerzeit das größte Naturschutz-Projekt aus dem LIFE+ Programm der EU in Deutschland. Die EU fördert das Projekt mit 60 Prozent – also rund 13,5 Millionen Euro. 40 Prozent der Kosten trägt das Land Niedersachsen. Auch der Landkreis Leer und die Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland beteiligen sich finanziell. Von 2011 bis 2022 wurden Kernflächen der Wiesenvogelschutzes in Niedersachsen speziell für die heimischen Wiesenvögel (u.a. Uferschnepfe, Wachtelkönig, Rotschenkel, Brachvogel, Kiebitz) gesichert und entwickelt. Diese Flächen liegen in den EU-Vogelschutzgebieten V01 Niedersächsisches Wattenmeer (Wurster Küste und Borkum), V06 Rheiderland, V07 Fehntjer Tief, V09 Ostfriesische Meere, V11 Bornhorster Huntewiesen, V18 Unterelbe, V39 Dümmer, V64 Marschen am Jadebusen, V 65 Butjadingen, V66 Niederungen der Süd- und Mittelradde und der Marka.

Die umfassenden Schutzmaßnahmen sind notwendig, da der Bestand der Wiesenvögel stark abgenommen hat. Hauptursache für den Rückgang der Wiesenvögel ist der agrarstrukturelle Wandel der vergangenen Jahrzehnte. Ein weiterer Faktor ist die Flächenentwässerung, denn Wiesenvögel benötigen zu Brutbeginn im Frühjahr feuchte und nasse Flächen – für manche müssen Brutgebiete sogar unter Wasser stehen. Derartige Verhältnisse finden sich heute nur noch in sehr wenigen Schutzgebieten. Mit der Durchführung hat das Niedersächsische Umweltministerium den NLWKN betraut. Als Partner sind die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, das Baltic Environmental Forum Deutschland e. V. sowie die niederländische Naturschutzvereinigung Natuurmonumenten beteiligt.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.wiesenvoegel-life.de und unter www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

LIFE Hannoversche Moorgeest

„Wasser für die Moore“ – das ist das Ziel des größten Moorrenaturierungs-Projekts in Niedersachsen. Der NLWKN setzt das Projekt seit 2012 gemeinsam mit der Region Hannover um. Dafür stehen insgesamt 15,3 Millionen Euro zur Verfügung, 56 Prozent von der EU. Ziel ist der Regenwasserrückhalt und die Anhebung der Wasserstände in vier Mooren mit einer Gesamtgröße von 2.243 Hektar vor den Türen Hannovers. Das Maßnahmenpaket umfasst den Verschluss von 40 Kilometer Entwässerungsgräben und den Bau von 60 Kilometern Dämmen aus anstehendem Torf. Nur so kann verhindert werden, dass Regenwasser durch viele große und kleine Entwässerungsgräben, welche vor vielen Jahrzehnten für den bäuerlichen Handtorfstich gebaut wurden, abfließt. Profitieren werden davon nicht nur die wertvollen FFH-Moor-Lebensraumtypen wie lebende Hochmoore oder Schwingrasenmoore, sondern auch viele dort typischen Arten wie der Sonnentau, Wollgras, Rosmarinheide, über zwanzig Torfmoosarten, der Moorfosch, die Libellenart Große Moosjunger und der Kranich. Etwa 1.300 Hektar Privateigentum wurden bereits für die Maßnahmenumsetzung über ein Flurbereinigungsverfahren verfügbar gemacht. Die Baumaßnahmen im ersten der vier Moore, dem Schwarzen Moor, sind abgeschlossen. Im Otterhagener und Bissendorfer Moor haben sie begonnen und sollen bis 2027 beendet werden. Erste Erfolge in Form von deutlich höheren Wasserständen sind bereits sicht- und messbar. Weitere Informationen sind im Internet unter www.life-moorgeest.niedersachsen.de und unter www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

Das Integrierte LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“

Das von Europäischen Union geförderte Projekt „Atlantische Sandlandschaften“ wird von den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer sollen dabei nachhaltig aufgewertet oder entwickelt werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse sollen gestärkt werden. Für die zehnjährige Laufzeit des Projekts steht beiden Ländern insgesamt ein Budget von 16,9 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt werden circa acht Millionen Euro in konkrete Naturschutzmaßnahmen investiert. Im Rahmen des Projekts wird ein methodisch-konzeptioneller Ansatz für die Verbesserung aller nicht-marinen Lebensraumtypen und Arten der atlantischen Region entwickelt. Die Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in Nordrhein-Westfalen beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Die operative Umsetzung des Projekts und der konkreten Einzelmaßnahmen des Naturschutzes in Niedersachsen liegt beim NLWKN. Bislang sind in Niedersachsen rund fünf Millionen Euro eingesetzt und etwa 90 Naturschutzvorhaben umgesetzt worden. Weitere Informationen sind im Internet unter www.sandlandschaften.de und unter www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

Das LIFE IP „GrassBirdHabitats“

Dieses Integrierte Projekt dient dem Wiesenvogelschutz in Niedersachsen und ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der nationalen und internationalen Biodiversitätsstrategie im Europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000. In 27 niedersächsischen Vogelschutzgebieten werden Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume von Uferschnepfe, Rotschenkel, Großem Brachvogel, Kiebitz und vielen weiteren gefährdeten Arten der atlantisch geprägten Feuchtwiesen umgesetzt. Niedersachsen will damit seiner nationalen Verantwortung für den Erhalt von Wiesenvögeln gerecht werden. Die niederländischen Projektpartner optimieren zentrale Brutvorkommen gefährdeter Wiesenvögel im niederländischen Friesland. Maßnahmen im Senegal sollen die Bedingungen in den westafrikanischen Überwinterungsgebieten der niedersächsischen Brutvögel verbessern. Ein international abgestimmter Strategieplan zum Schutz von Wiesenvögel wird hierzu erarbeitet und soll zur Umsetzung gebracht werden.

Neben Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushalts, zu Offenhaltung der Landschaft und zur Kooperation mit Landwirten werden auch Insekten als Nahrungsgrundlage für Wiesenvögel untersucht und Verluste durch Beutegreifer reduziert. Individuen der Leitart Uferschnepfe werden mit Mini-Sendern ausgestattet, um Zugstrategien und Verlustursachen besser zu verstehen, damit Schutzmaßnahmen effektiv angesetzt werden können. Dieses international kooperierende Projekt unter Federführung des NLWKN hat eine 10jährige Laufzeit und ein Budget von 27 Millionen Euro. Hiervon wird unter anderem Personal eingestellt, das weitere 350 Millionen Euro für den Wiesenvogelschutz akquirieren soll. Neben dem LIFE-Programm werden auch andere EU-Förderprogramme wie ELER (Förderung des ländlichen Raums) und EFRE (Europäische Regionalförderung) für den Wiesenvogelschutz eingesetzt.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.grassbirdhabitats.eu und www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

In der aktuellen Förderperiode 2021 bis 2027 ist das LIFE-Programm mit 5,4 Milliarden Euro ausgestattet. Das Teilprogramm "Natur und Biodiversität" hat den Schutz und die Wiederherstellung der europäischen Natur und die Eindämmung und Umkehrung des Verlusts der biologischen Vielfalt im Fokus. Gefördert werden hier insbesondere Projekte zur Umsetzung der EU-Vogelschutz- und Fauna- Flora-Habitat-Richtlinie, welche die Entwicklung des europaweiten Natura-2000-Netzes unterstützen. Dabei wird bis zu 75 Prozent an Förderung gewährt.

Mehr zu abgeschlossenen und laufenden LIFE-Projekten im NLWKN: LIFE-Natur | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (niedersachsen.de)

Die Fotos finden Sie hier:

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Besenderte Uferschnepfen generieren im Rahmen der LIFE-Projekte wertvolle Daten über Überwinterungsgebiete und Flugrouten der Zugvögel. (Foto C. Marlow/NLWKN) Bildrechte: C. Marlow/NLWKN
Besenderte Uferschnepfen generieren im Rahmen der LIFE-Projekte wertvolle Daten über Überwinterungsgebiete und Flugrouten der Zugvögel. (Foto C. Marlow/NLWKN)
Dünen – nicht nur an der Küste: Im Zuge des Projekts Atlantische Sandlandschaften werden wie hier in der Itterbecker Heide wertvolle Naturräume wieder in einen günstigen Zustand versetzt. (Foto: Sabrina Schäfer)   Bildrechte: Sabrina Schäfer
Dünen – nicht nur an der Küste: Im Zuge des Projekts Atlantische Sandlandschaften werden wie hier in der Itterbecker Heide wertvolle Naturräume wieder in einen günstigen Zustand versetzt. (Foto: Sabrina Schäfer)
Natur- und Klimaschutz zugleich stehen im Fokus des LIFE-Projekts in der Hannoverschen Moorgeest. (Foto: Marcel Hollenbach)   Bildrechte: Marcel Hollenbach
Natur- und Klimaschutz zugleich stehen im Fokus des LIFE-Projekts in der Hannoverschen Moorgeest. (Foto: Marcel Hollenbach)
NLWKN-Logo Bildrechte: NLWKN

Artikel-Informationen

erstellt am:
23.05.2022

Ansprechpartner/in:
NLWKN Pressestelle

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 Hannover / 26506 Norden
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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