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Naturschutz vor Ort – die neue Naturschutzstation „Wümme“

Ein bewährtes Konzept des NLWKN für die Vor-Ort-Betreuung von großräumigen und komplexen Schutzgebieten


„Die Wümme wümmt hoch!“ Große Teile der Wümmeniederung werden regelmäßig überschwemmt.   Bildrechte: NLWKN
„Die Wümme wümmt hoch!“ Große Teile der Wümmeniederung werden regelmäßig überschwemmt.

Von Burghard Wittig, Lina Brackelmann und Sonja Heemann

Für die Betreuung der Wümmeniederung mit ihren Nebenbächen beziehen drei Fachleute im zweiten Halbjahr 2022 die neue (landesweit fünfte) Naturschutzstation in Brockel im Landkreis Rotenburg (Wümme). Mit etwa 2.100 Hektar Landesnaturschutzfläche ist der NLWKN größter Flächeneigentümer in der Wümmeniederung. Das Land Niedersachsen trägt daher eine besondere Verantwortung bei der Betreuung der Natura 2000-Gebiete.


Ein einzigartiger Lebensraum

Die landschaftlich vielgestaltige Wümmeniederung mit ihren Feuchtwiesen und Feuchtwäldern, naturnahen Fließgewässern, talbegleitenden Dünenzügen sowie Hoch- und Niedermooren stellt mit ihren Nebenbächen landes- und bundesweit eine der wenigen noch großflächig naturnahen Fließgewässersysteme dar. Arten wie der Fischotter, Bach- und Meerneunauge und die Grüne Flussjungfer finden hier einen Lebensraum.

Die drei MitarbeiterInnen der Naturschutzstation: Dr. Burghard Wittig, Lina Brackelmann und Sonja Heemann (v.l.n.r.)   Bildrechte: NLWKN
Die drei MitarbeiterInnen der Naturschutzstation: Dr. Burghard Wittig, Lina Brackelmann und Sonja Heemann (v.l.n.r.)
Die Wümmeniederung bei Veersebrück   Bildrechte: NLWKN
Die Wümmeniederung bei Veersebrück
Artenreiche magere Flachland-Mähwiesen in der Wümmeniederung   Bildrechte: NLWKN
Artenreiche magere Flachland-Mähwiesen in der Wümmeniederung

Das gesamte Betreuungsgebiet der Naturschutzstation Wümme umfasst eine Fläche von etwa 11.000 ha und erstreckt sich über die Landkreise Harburg, Heidekreis, Rotenburg (Wümme) und Verden. Bestandteile sind unter anderem die FFH-Gebiete „Wümmeniederung“ und „Wiestetal, Glindbusch, Borchelsmoor“ sowie in Teilen die Vogelschutzgebiete „Wümmewiesen bei Fischerhude“ und „Moore bei Sittensen“.

Das Betreuungsgebiet der Naturschutzstation Wümme mit dem Standort in Brockel   Bildrechte: NLWKN
Das Betreuungsgebiet der Naturschutzstation Wümme mit dem Standort in Brockel

Eine Station mit vielen Aufgaben

Für die Umsetzung der Natura 2000-Maßnahmenplanungen, das naturschutzgerechte Management öffentlicher Naturschutzflächen und die Planung- und Umsetzung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen ist eine intensive Kooperation mit Akteuren der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft sowie des Naturschutzes essentiell.

Etwa die Hälfte des Betreuungsgebiets wird als Mähwiese oder Weide genutzt. Die Erhaltung und Entwicklung artenreichen Grünlandes und anderer Lebensräume der Kulturlandschaft setzt eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den örtlichen landwirtschaftlichen Betrieben voraus. Die Abstimmung mit den Pächterinnen und Pächtern erlaubt eine flexible Steuerung der naturschutzorientierten Grünlandbewirtschaftung. Für 2022 und 2023 plant die Naturschutzstation mehrere Mahd- und Saatgutübertragungen, um artenarmes Grünland wieder aufzuwerten. Die Beratung für die Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen im Grünland, z. B. bei der Erstellung und Fortschreibung von Vertragsnaturschutzkonzepten, ist ein weiteres zukünftiges Arbeitsfeld.

Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), eine Zielart der Mahd- und Saatgutübertragung   Bildrechte: NLWKN
Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), eine Zielart der Mahd- und Saatgutübertragung

Synergien ergeben sich zudem in der Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft, etwa der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sowie im Themenfeld Hochwasserschutz. Gemeinsame Aufgaben liegen z. B. in der Planung und Durchführung von Projekten zur Auen- und Fließgewässerentwicklung, wie der Förderung der ökologischen Durchgängigkeit, Laufverlängerungen (insbesondere an Nebenbächen), Ufergestaltung und Einrichtung bzw. Pflege von Randstreifen. Eine Verbesserung der Auendynamik kann über die Art und Weise der Flächennutzung oder die Bereitstellung von Naturschutzflächen als Retentionsraum, für Flutmulden oder Abflachung von Uferrehnen gefördert werden.

Eine wesentliche Tätigkeit der Naturschutzstation ist auch die systematische Erfassung von Pflanzen- und Tierarten sowie Biotop- und Lebensraumtypen. Die Erhebung und Auswertung von Bestandsdaten sind eine Daueraufgabe, mit der Wissenslücken geschlossen werden. Die Daten können Auskunft zu Entwicklungstrends von Populationen und über den Zustand von Lebensräumen geben. Auf landesweiter Ebene unterstützen diese die Fortschreibung der Roten Listen. Mit einem regelmäßigen Monitoring lassen sich zudem der Erfolg und die Effizienz von Naturschutzmaßnahmen überprüfen Die Daten geben zudem die Möglichkeit, das Flächenmanagement bei Bedarf anzupassen.


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Hintergrundinformationen

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Was ist eine Naturschutzstation?

Naturschutzstationen sind Einrichtungen des Landes Niedersachsen zur kontinuierlichen naturschutzfachlichen Vor-Ort-Betreuung großräumiger, meist grenzübergreifender Natura 2000-Schutzgebietssysteme mit komplexen und konkurrierenden Schutz- und Nutzungsansprüchen und hohem Anteil landeseigener Naturschutzflächen.

Sieben wichtige Aufgaben und Ziele der Naturschutzstation

1. Nationale naturschutzfachliche Bedeutung erhalten und ausbauen

2. Synergien mit dem Hochwasser- und Gewässerschutz nutzen

3. Zusammenarbeit zwischen Ökonomie und Ökologie stärken

4. Besondere Landesverantwortung und Vorbildfunktion wahrnehmen

5. Gute Ansprechbarkeit durch Vor-Ort-Präsenz gewährleisten

6. Kompetenzen der Projektumsetzung und Beratung bündeln

7. Akzeptanz und Transparenz des Naturschutzhandelns fördern

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