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Amphibienschutz mit der Baggerschaufel

Die Sandgrube Langenbrügge wird ökologisch aufgewertet


Aus der Vogelperspektive: Der Kammmolchteich ist noch gut zu erkennen, die anderen beiden ehemaligen Gewässer sind jedoch fast vollständig ausgetrocknet. (Foto: Joachim Neumann, NABU Niedersachsen)   Bildrechte: Joachim Neumann/NABU Niedersachsen
Aus der Vogelperspektive: Der Kammmolchteich ist noch gut zu erkennen, die anderen beiden ehemaligen Gewässer sind jedoch fast vollständig ausgetrocknet. (Foto: Joachim Neumann, NABU Niedersachsen)

Langenbrügge/Landkreis Uelzen. Kreuzkröte, Knoblauchkröte, Laubfrosch, Moorfrosch, Kleiner Wasserfrosch und Kammmolch – gleich sechs europaweit geschützte Amphibienarten haben sich in der ehemaligen Sandabbaugrube Langenbrügge in der Gemeinde Lüder niedergelassen. Allerdings sind die Tiere auf geeignete Laichgewässer angewiesen und zwei der drei vorhandenen Stillgewässer drohen vollständig auszutrocknen. Daher haben der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Uelzen zum Start ins Jahr 2022 Maßnahmen in der Sandgrube initiiert, um den Lebensraum für die Amphibien zu verbessern. Die Arbeiten sind Teil des Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“. Über das Projekt wurde bereits 2019 die flächige Entnahme von Gehölzen innerhalb der Grube finanziert.

Die Sandgrube Langenbrügge ist Teil des 72 Hektar großen und europaweit geschützten Flora-Fauna-Habitat-Gebiets „Kammmolch-Biotop nordöstlich Langenbrügge“ und wird seit 2017 nicht mehr für den Sandabbau genutzt. Neben Amphibien lassen sich hier auch besondere Pflanzenarten wie das seltene Silbergras und der auf der Roten Liste stehende Rundblättrige Sonnentau entdecken.

Bei den derzeit anlaufenden Arbeiten sollen die ausgetrockneten Stillgewässer vertieft und vergrößert und die aufkommenden Rohrkolben am Rand des bestehenden Kleingewässers entfernt werden. Um den offenen Charakter der Sandgrube zu erhalten, sollen weitere Gehölze sowie jung aufgewachsene Pappeln entnommen werden. „Hierfür ist der Einsatz von schweren Gerätschaften notwendig“, erklärt Leonie Braasch, Projektmitarbeiterin beim NLWKN. „Mit Hilfe eines Baggers kann durch den Bodenabtrag das Grundwasser erreicht werden, so dass in den nächsten Jahren für die Kaulquappen ausreichend Wasser in den Teichen vorhanden sein sollte“. Zwar kann die Grube direkt nach dem Baggereinsatz erst einmal einen ungewohnten Eindruck machen, die bearbeiteten Bereiche fügen sich in der Regel aber schnell wieder in das naturnahe Bild der Umgebung ein. „Wenn die Maschinen in der Grube arbeiten, werden nebenbei auch offene Sandstellen entstehen, die sich sehr gut zum Eingraben für die Amphibien eignen“, freut sich Marco Zimmermann, ebenfalls Projektmitarbeiter im NLWKN.

Eine jährliche Pflege durch den Landkreis, der die Fläche inzwischen von der Gemeinde Lüder gepachtet hat, wird trotzdem zukünftig nötig sein. „Wenn wir die Sandgrube sich selbst überließen, würden die Stillgewässer mit der Zeit verlanden und die Grube sich in Wald verwandeln. Damit würde der Lebensraum für die Amphibien und seltenen Pflanzenarten verloren gehen“, zeigt Christiane Voß-Führer von der UNB des Landkreises Uelzen auf.

Nach den Arbeiten soll eine Sitzmöglichkeit innerhalb der Sandgrube bei den Gewässern entstehen. Auch die Aufstellung einer Infotafel ist geplant, mit der auf die Besonderheit und den Schutz der Grube aufmerksam gemacht werden soll. Im Frühjahr 2022 soll durch die UNB und den NLWKN eine kleine Exkursion für Interessierte angeboten werden.

Die Maßnahmen werden durch Experten für die Anlage von Amphibiengewässern begleitet. Mit ihrer Unterstützung sollen im nächsten Winter in der Nähe der Sandgrube an ausgewählten Standorten weitere kleine flache Gewässer neu angelegt beziehungsweise optimiert werden. Hier liegt der Fokus auf der Kreuzkröte, die in Niedersachsen sehr selten geworden ist.

Eine Knoblauchkröte   Bildrechte: Tasso Schikore/Gutachterbüro BIOS
Die Knoblauchkröte soll sich in der Sandgrube Langenbrügge durch die Naturschutzmaßnahmen bald wieder richtig wohl fühlen. (Foto: Tasso Schikore, Gutachterbüro BIOS)
Auch der seltene Rundblättrige Sonnentau ist in der Sandgrube zu Hause. (Foto: Leonie Braasch, NLWKN)   Bildrechte: Leonie Braasch/NLWKN
Auch der seltene Rundblättrige Sonnentau ist in der Sandgrube zu Hause. (Foto: Leonie Braasch, NLWKN)

Hintergrund:

Das Integrierte LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“

Die Maßnahmen in der Sandgrube Langenbrügge sind Teil des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen seit 2016 umgesetzt wird. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer sollen dabei nachhaltig aufgewertet oder entwickelt werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten sollen gestärkt werden. Dazu zählen neben der Kreuz- und der Knoblauchkröte auch Schlingnatter und Zauneidechse sowie das Schwimmende Froschkraut.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum EU geförderten Integrierten LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“ können Sie auf der Projekt-Website https://www.sandlandschaften.de/de/projekt/index.html oder in unserem Newsletter nachlesen: https://www.sandlandschaften.de/zentralablage/dokumente/de/newsletter/Newsletter-6_2021.pdf

Für Rückfragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:

Lokaler Partner vor Ort: Untere Naturschutzbehörde Landkreis Uelzen

Herr Lüders, Frau Voss-Führer oder Frau Engelhardt

Tel: 0581 82

E-Mail: info@landkreis-uelzen.de

NLWKN, IP LIFE „Atlantische Sandlandschaften“
Leonie Braasch
Tel: 0511 3034 3368
E-Mail: leonie.braasch@nlwkn.niedersachsen.de
Hier lässt sich nur noch erahnen, dass an dieser Stelle vor wenigen Jahren noch das Wasser gestanden hat. Das ehemalige Stillgewässer soll nun wiederhergestellt werden, damit Amphibien dort ihren Laich ablegen können. (Foto: Leonie Braasch, NLWKN)   Bildrechte: Leonie Braasch/NLWKN
Hier lässt sich nur noch erahnen, dass an dieser Stelle vor wenigen Jahren noch das Wasser gestanden hat. Das ehemalige Stillgewässer soll nun wiederhergestellt werden, damit Amphibien dort ihren Laich ablegen können. (Foto: Leonie Braasch, NLWKN)
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Artikel-Informationen

erstellt am:
05.01.2022

Ansprechpartner/in:
NLWKN Pressestelle

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 Hannover / 26506 Norden
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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