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Ab August wieder Baubetrieb in der "Hannoversche Moorgeest"

NLWKN startet dritte Bauphase und kündigt Einschränkungen für Besucher an


Baggerarbeiten im Otternhagener Moor - Mit örtlichem Boden wird ein Damm aufgesetzt (Foto: Susanne Brosch, NLWKN)   Bildrechte: Susanne Brosch, NLWKN
Baggerarbeiten im Otternhagener Moor - Mit örtlichem Boden wird ein Damm aufgesetzt.

Region Hannover - Das EU-LIFE+-Projekt "Hannoversche Moorgeest" verzeichnet bedeutende Fortschritte beim Wasserrückhalt in den Mooren. Nun startet am 1. August im Otternhagener und Bissendorfer Moor die dritte Bauphase, um weitere dringend notwendige Maßnahmen zur ökologischen Revitalisierung der Moore durchzuführen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) weist auf temporäre Einschränkungen für Besucher der Mooraussichtstürme während des Baubetriebs hin.

Bis Ende Februar werden vier Unternehmen mit Spezialmaschinen in den Mooren tätig sein, um Moordämme zu bauen und Entwässerungsgräben zu verschließen. Das verhindert wirksam den Abfluss des Regenwassers und trägt maßgeblich dazu bei, den Wasserstand in den Hochmooren zu verbessern. Ziel ist es, geschützte Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu entwickeln. Gleichzeitig ist das Projekt ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz, da es der Torfmineralisierung entgegenwirkt und damit die Freisetzung klimaschädlicher Gase verringert.

Während der gesamten Bauphase müssen Besucher des Bissendorfer Moors an beiden Aussichtstürmen mit Beeinträchtigungen durch Baumaschinen rechnen. Auch kurzzeitige Sperrungen werden notwendig. Darüber hinaus kann auch die Begeh- und Befahrbarkeit von Wegen im Umfeld des Otternhagener und Bissendorfer Moors zeitweise eingeschränkt sein.

Die temporären Einschränkungen sind durch die Bauleitung des NLWKN aktuell noch nicht komplett abschätzbar und maßgeblich an den Baufortschritt gekoppelt. Die Baufirmen arbeiten sich Schritt für Schritt durch das Moor und bauen dort in einem ausgetüftelten Poldersystem Moordämme zum Regenwasserrückhalt auf. Dabei bewegen sie sich auf sehr schwierigem Terrain. „Die Maßnahmen sind unerlässlich, um das fragile Ökosystem zu stabilisieren und langfristig zu revitalisieren. Wir bitten um Verständnis für die notwendigen Einschränkungen", ergänzt NLWKN-Projektmanagerin Susanne Brosch.

Das LIFE+-Projekt "Hannoversche Moorgeest" des Landes Niedersachsen wird durch den NLWKN und der Region Hannover umgesetzt. Die Europäische Union fördert das 17,5 Millionen Euro teure Projekt im Rahmen des EU-Umweltprogramms LIFE+ mit 8,5 Millionen Euro. Das Land Niedersachsen und die Region Hannover tragen die weiteren Kosten.

Für Interessierte bietet sich - trotz Einschränkungen - weiterhin die Möglichkeit, die Moore auf den ausgewiesenen Wegen und Pfaden zu erleben. Zur Entstehung der Moore, ihrer Wertigkeit und zum LIFE+-Projekt informiert der Moorerlebnispfad am Rande des Otternhagener Moors. Der NLWKN und die Region Hannover weisen darauf hin, dass das Wegegebot in den Naturschutzgebieten, trotz umfangreicher Renaturierungsmaßnahmen, unbedingt einzuhalten ist. Die ausgewiesenen Wege dürfen nicht verlassen werden.

Dammbauarbeiten auf der zentralen Hochfläche im Bissendorfer Moor – Nach Errichtung des Torfdamms wird er mit Vegetationssoden abgedeckt und Überlaufrohre werden eingebaut (Foto: Marcel Hollenbach, Region Hannover)   Bildrechte: Marcel Hollenbach, Region Hannover
Dammbauarbeiten auf der zentralen Hochfläche im Bissendorfer Moor – Nach Errichtung des Torfdamms wird er mit Vegetationssoden abgedeckt und Überlaufrohre werden eingebaut (Foto: Marcel Hollenbach, Region Hannover)

Hintergrundinformation

Niedersachsen hat innerhalb Deutschlands den größten Flächenanteil an Hochmooren. Sie haben jedoch fast alle durch Entwässerung, Abtorfung und Kultivierung ihren ursprünglichen Charakter verloren. Das Bissendorfer, Helstorfer, Otternhagener und Schwarze Moor in der „Hannoverschen Moorgeest“ gehören zu den wenigen weitestgehend erhaltenen naturnahen Hochmooren Niedersachsens. Aufgrund ihrer starken Gefährdung und der großen ökologischen Bedeutung stehen sie unter dem Schutz der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU und sind Bestandteile des europäischen Netzwerkes „Natura 2000“. Sie haben das Potenzial, sich wieder zu lebenden Hochmooren mit wachsenden Torfmoosen zu entwickeln. Das Naturschutzprojekt dient aber auch dem Klimaschutz. Die renaturierten Moore werden laut Schätzung etwa 2.700 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente jährlich einsparen.

Die Federführung für die Umsetzung des Projekts liegt beim Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Dieses hat den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Gesamtkoordination und Umsetzung des Projektes beauftragt. Bei der Planung und Umsetzung des Projektes arbeiten die Bereiche Naturschutz und Wasserwirtschaft des NLWKN Hand in Hand. Die Region Hannover bringt sich personell, finanziell und im Zuge der Maßnahmenumsetzung ein.

Das Projektgebiet – das sind das Bissendorfer, Otternhagener, Helstorfer und das Schwarze Moor – umfasst 2.243 Hektar. Zur Wiedervernässung sollen Entwässerungsgräben zurückgebaut und Dammbauten (Ringwälle) aus vorhandenem Torf errichtet werden, welche das Regenwasser auf den Moorflächen zurückhalten. Ergänzt werden diese baulichen Maßnahmen durch zahlreiche weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen.

Seit Ende 2012 läuft begleitend das Flurbereinigungsverfahren „Hannoversche Moorgeest“ mit etwa 900 Grundeigentümern und über 2.200 Flurstücken. Es steht kurz vor dem Abschluss. Aktuell sind etwa 94 Prozent der Flächen im Besitz der öffentlichen Hand.

In allen Phasen des Projekts wird großer Wert auf die Einbindung der örtlichen Bevölkerung und Nutzergruppen gelegt. Ein 2012 gegründeter Projektbeirat begleitet das Vorhaben über die gesamte Laufzeit. Der Beirat ist als Praktikerforum konzipiert, in welchem unter anderem die Forstwirtschaft, die Jagd, die Landwirtschaft sowie die Unterhaltungsverbände der Wasserwirtschaft und die Naturschutzverbände vertreten sind.

Ansprechperson NLWKN, LIFE+-Projekt „Hannoversche Moorgeest“:

Projektmanagement

Susanne Brosch, 0511-3034-3115, susanne.brosch@nlwkn.niedersachsen.de

Bildrechte: NLWKN

Artikel-Informationen

erstellt am:
31.07.2023
zuletzt aktualisiert am:
07.08.2023

Ansprechpartner/in:
NLWKN Pressestelle

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 Hannover / 26506 Norden
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173 und +49 (0)4931/ 947 -181
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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