NLWKN klar

Aktuelles aus der Naturschutzstation Ems

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18.04.2017

Das Tüpfelsumpfhuhn, ein seltener Brutvogel an der Ems - die Naturschutzstation beteiligt sich an landesweiter Erfassung

Nasse Verlandungsbereiche bieten dem Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana), einem besonders seltenen Vertreter der Vogelfauna an der Ems, zusagende Lebensräume. Hier baut die Art gut versteckt ihr Nest und findet in Wasser und Schlamm Insekten und andere Wirbellose als bevorzugte Nahrung.

Mit der großflächigen Trockenlegung von Feuchtbiotopen in der Vergangenheit schrumpfte der Bestand des Vogels kontinuierlich und betrug im Jahr 2011 nur noch rund 200 Brutpaare in Niedersachsen, was etwa einem Drittel des bundesweiten Vorkommens ausmacht. Dementsprechend alarmierend ist die Einstufung des Tüpfelsumpfhuhns in den Roten Listen: Sowohl für Niedersachsen, als auch für die Bundesrepublik Deutschland gilt die Art als „vom Aussterben bedroht". Grund genug für eine derzeit in Kooperation von Niedersächsischer Ornithologischer Vereinigung (NOV) und Staatlicher Vogelschutzwarte im NLWKN durchgeführte landesweite Bestandserfassung.

Da das heimliche Tüpfelsumpfhuhn in seinen unzugänglichen Biotopen eher selten einmal „vors Fernglas läuft", stellen die Experten die Anwesenheit der Art anhand ihres charakteristischen Balzrufes, einem peitschenden Pfiff, fest. Und der ertönt vor allem nächtens. So lief Stationsmitarbeiter Peter Pauschert zum ersten Zähltermin Mitte April das Naturschutzgebiet am Vellager Emsaltarm, ein traditionelles Brutbiotop, nach Einbruch der Dunkelheit ab. Leider noch ohne Erfolg, der Zugvogel scheint noch nicht in sein Revier zurückgekehrt zu sein. Weitere Erhebungen bis Anfang Juni stehen noch an - und werden hoffentlich erfolgreicher verlaufen.


Tüpfelsumpfhuhn mit typischem Fleckmuster auf Hals, Ober- und Unterseite, sowie grünlichen Beinen (Noel Reynolds; commons.wikimedia.org)  
Tüpfelsumpfhuhn mit typischem Fleckmuster auf Hals, Ober- und Unterseite, sowie grünlichen Beinen (Noel Reynolds; commons.wikimedia.org)
Die für alle Rallenarten charakteristischen, langen Zehen lassen das Tüpfelsumpfhuhn auch in weichem Schlick nicht einsinken. (Clément Caiveau; commons.wikimedia.org)  
Die für alle Rallenarten charakteristischen, langen Zehen lassen das Tüpfelsumpfhuhn auch in weichem Schlick nicht einsinken. (Clément Caiveau; commons.wikimedia.org)
Wilde, unzugängliche Biotope im Tideeinfluss des Emsästuars, hier im Vogelschutzgebiet am Vellager Altarm, sind Lebensräume für das seltene Tüpfelsumpfhuhn.  
Wilde, unzugängliche Biotope im Tideeinfluss des Emsästuars, hier im Vogelschutzgebiet am Vellager Altarm, sind Lebensräume für das seltene Tüpfelsumpfhuhn.

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05.04.2017

Feldforschung im Emsästuar - Untersuchung ausgewählter Insektengruppen

Neben der Betreuung landeseigener Naturschutzflächen und der Mitarbeit an Projekten des Masterplan Ems 2050 steht auch die Bestandsaufnahme heimischer Flora und Fauna im Aufgabenkatalog der Naturschutzstation. In diesem Jahr will sich Stationsmitarbeiter Peter Pauschert zusammen mit Fachkollegen aus Oldenburg vor allem der Insektenwelt an der Ems widmen.

Und so wurden die ersten warmen Aprilnächte genutzt, um an ausgewählten Standorten im Vorland nachtaktive Schmetterlinge aufzuspüren. In den Lebend-Lichtfallen, die Pauschert hierzu am Abend zuvor in Auwäldern entlang der Tideems installiert hatte, fand sich am Mittwochmorgen „reiche Beute": Vor allem charakteristische „Kätzcheneulen" - Nachtfalter, die früh blühende Weidenkätzchen als Nektarquelle besuchen - konnten in mehreren Arten nachgewiesen werden.


Tideauwälder mit Baumweiden, Schilfröhricht und Hochstaudenflächen zählen zu den sogenannten „ästuarinen Lebensräumen“ an der Ems, sie beherbergen zahlreiche Insektenarten.  
Tideauwälder mit Baumweiden, Schilfröhricht und Hochstaudenflächen zählen zu den sogenannten „ästuarinen Lebensräumen“ an der Ems, sie beherbergen zahlreiche Insektenarten.
Die Automatikfalle lockt nachtaktive Insekten mit ihrem Licht an. Anfliegende Falter fallen durch einen Trichter in einen darunter angebrachten Fangsack, der am nächsten Morgen ausgezählt werden kann.  
Die Automatikfalle lockt nachtaktive Insekten mit ihrem Licht an. Anfliegende Falter fallen durch einen Trichter in einen darunter angebrachten Fangsack, der am nächsten Morgen ausgezählt werden kann.
Die „Rotgelbe Frühlingseule“ (Orthosia cerasi) aus der Gruppe der „Kätzcheneulen“ kann bei milder Frühjahrswitterung bereits Ende Februar beobachtet werden.  
Die „Rotgelbe Frühlingseule“ (Orthosia cerasi) aus der Gruppe der „Kätzcheneulen“ kann bei milder Frühjahrswitterung bereits Ende Februar beobachtet werden.
Auch die „Schwarzgraue Frühlingseule“ (Orthosia gothica) nutzt blühende Weidenkätzchen zur Nahrungsaufnahme.  
Auch die „Schwarzgraue Frühlingseule“ (Orthosia gothica) nutzt blühende Weidenkätzchen zur Nahrungsaufnahme.
Die „Variable Frühlingseule“ (Orthosia incerta) erschien besonders häufig am Licht, die Flügelzeichnung der Art weist eine große Bandbreite auf.  
Die „Variable Frühlingseule“ (Orthosia incerta) erschien besonders häufig am Licht, die Flügelzeichnung der Art weist eine große Bandbreite auf.
Die „Zackeneule“ (Scoliopteryx libatrix), mit ihrem charakteristischen Zickzackrand am Flügel, zählt nicht zu den Kätzcheneulen. Sie hat als Falter überwintert und findet in den Weiden-Auwäldern der Ems geeignete Plätze zur Eiablage.  
Die „Zackeneule“ (Scoliopteryx libatrix), mit ihrem charakteristischen Zickzackrand am Flügel, zählt nicht zu den Kätzcheneulen. Sie hat als Falter überwintert und findet in den Weiden-Auwäldern der Ems geeignete Plätze zur Eiablage.
Der „Blassgraue Lappenspanner“ (Trichopteryx carpinata) ist ein Vertreter aus der Familie der Spanner (Geometridae). Auch seine Raupe frisst an Weidenblättern.  
Der „Blassgraue Lappenspanner“ (Trichopteryx carpinata) ist ein Vertreter aus der Familie der Spanner (Geometridae). Auch seine Raupe frisst an Weidenblättern.

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30.03.2017

Die japanische Pestwurz - ein weiterer Neophyt auf dem Vormarsch?

Die Kollegen der Betriebsstelle Aurich des NLWKN stolperten bei ihrer Frühjahrs-Boßeltour über einen seltsam und fremd anmutenden Pflanzenbestand und baten die Mitarbeiter der Naturschutzstation um Aufklärung. Die mussten anhand der Fotos selbst erst einmal recherchieren, denn die abgebildeten Pflanzen gehören tatsächlich nicht zum typischen „Frühlings-Sortiment" in Feld und Flur. Es handelte sich um die Japanische Pestwurz, botanisch Petasites japonicus. Die Datenbank des Bundesamtes für Naturschutz listet den Frühblüher als ein „in Einbürgerung befindlicher Neophyt" mit Ostasien als Herkunftsgebiet.

Laut Auskunft der Experten vom landesweiten Naturschutz in Hannover liegt für Niedersachsen bislang erst eine weitere Meldung im Tiefland vor. Die auffällige, feuchtigkeitsliebende Pflanze bildet nach der Blüte im Frühjahr riesige, dekorative Blätter, vermutlich wird sie auch deshalb gelegentlich in Gärten kultiviert. Aus denen ist sie offensichtlich „ausgebüxt" und könnte sich nun entlang der Gräben und Gewässer Ostfrieslands weiter ausbreiten. Auch um dies im Auge zu behalten, wurde der Fund in der zentralen Datenbank des NLWKN vermerkt.


Foto 1: Bereits Anfang März erscheinen die Blüten der japanischen Pestwurz in einer auffälligen, lindgrünen Blattrosette.  
Foto 1: Bereits Anfang März erscheinen die Blüten der japanischen Pestwurz in einer auffälligen, lindgrünen Blattrosette.
Foto 2: Am Fundort wachsen mehr als 200 Exemplare der Japanischen Pestwurz.  
Foto 2: Am Fundort wachsen mehr als 200 Exemplare der Japanischen Pestwurz.
Foto 3: Die Feuchtigkeit liebende Pflanze verbreitet sich möglicherweise entlang von Grabenläufen.  
Foto 3: Die Feuchtigkeit liebende Pflanze verbreitet sich möglicherweise entlang von Grabenläufen.
Foto 4: Ein C-Falter nutzt die Blüten nach seiner Überwinterung als Nektarquelle.  
Foto 4: Ein C-Falter nutzt die Blüten nach seiner Überwinterung als Nektarquelle.

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21.03.2017

Schutzgebietsentwicklung an der Ems - Naturschutzverbände zu Gast in der Naturschutzstation

Am 21. März trafen sich Vertreter der Landesverbände von BUND, NABU und WWF mit ortskundigen Fachleuten ihrer Ortsgruppen in den Räumen der Naturschutzstation Ems. Thema der Gesprächsrunde war die aktuelle Entwicklung von Schutzgebieten an der Unterems, insbesondere der Bereiche oberhalb von Papenburg.

Manfred Trozska, Loek Bosman und Kalle Augustin vom NABU, ausgewiesene Kenner der Brutvogelfauna und Wolfram Höhn vom BUND als Experte für Flora und Vegetation berichteten von ihren langjährigen Beobachtungen. Gemeinsam wurden bislang durchgeführte Maßnahmen zur naturschutzfachlichen Aufwertung der Flächen diskutiert und künftige Entwicklungsziele besprochen.

Peter Pauschert und Heinrich Pegel von der Naturschutzstation übernahmen die Moderation der Diskussion und erläuterten eingangs die Rahmensetzungen sowie die naturschutzfachliche Ziele der Europäischen Vogelschutz- und FFH-Richtlinie an der Ems.

Sprachen über Naturschutz an der Ems: (von links vorn): Vera Konermann und Wolfram Höhn (BUND); Manfred Trzoska, Kalle Augustin, Elke Meier und Loek Bosman (NABU), Rolf Runge (BUND), Beatrice Claus (WWF), Heinrich Pegel (Naturschutzstation).  
Sie sprachen über Naturschutz an der Ems: (von links vorn): Vera Konermann und Wolfram Höhn (BUND); Manfred Trzoska, Kalle Augustin, Elke Meier und Loek Bosman (NABU), Rolf Runge (BUND), Beatrice Claus (WWF), Heinrich Pegel (Naturschutzstation).

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13.03.2017

Mietvertrag für Naturschutzstation unterschrieben

Die Naturschutzstation Ems wird zum 1. Juli 2017 in das ehemalige Betriebsleiterhaus am Schöpfwerk Sautel in Terborg (Moormerland) umziehen. Am Montag unterschrieben Verbandsvorsteher Heiko Albers und NLWKN-Dezernent Helmut Dieckschäfer den entsprechenden Mietvertrag beim Entwässerungsverband Oldersum. Bis zum Einzug im Sommer wird der Entwässerungsverband als Vermieter noch Umbauarbeiten am Gebäude durchführen.


Heiko Albers, Obersielrichter des Entwässerungsverbandes Oldersum (links) und Helmut Dieckschäfer, Dezernent Geschäftsbereich Naturschutz in der Betriebsstelle Brake-Oldenburg, unterzeichnen die Mietverträge.  
Heiko Albers, Obersielrichter des Entwässerungsverbandes Oldersum (links) und Helmut Dieckschäfer, Dezernent Geschäftsbereich Naturschutz in der Betriebsstelle Brake-Oldenburg, unterzeichnen die Mietverträge.
Heiko Albers (Obersielrichter EVO), Heinrich Pegel, (Naturschutzstation Ems), Helmut Dieckschäfer (Dezernent NLWKN), Adolf Wilken (Verbandsingenieur EVO) und Eilert Cassens (Rendant EVO) vor dem Verbandsgebäude in Oldersum  
Heiko Albers (Obersielrichter EVO), Heinrich Pegel, (Naturschutzstation Ems), Helmut Dieckschäfer (Dezernent NLWKN), Adolf Wilken (Verbandsingenieur EVO) und Eilert Cassens (Rendant EVO) vor dem Verbandsgebäude in Oldersum
Das ehemalige Sielwärterhaus am Sauteler Siel wird nach Umbau im Sommer das neue Domizil der Naturschutzstation Ems.  
Das ehemalige Sielwärterhaus am Sauteler Siel wird nach Umbau im Sommer das neue Domizil der Naturschutzstation Ems.
Blick auf Sauteler Siel und Schöpfwerk, hinten rechts die Bootsmarina an der Ems  
Blick auf Sauteler Siel und Schöpfwerk, hinten rechts die Bootsmarina an der Ems
Sielwärterhaus hinterm Deich vom Siel/Schöpfwerk aus gesehen  
Sielwärterhaus hinterm Deich vom Siel/Schöpfwerk aus gesehen

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08.03.2017

Brutsaison

Deutlich früher als viele andere Singvögel beginnen Vertreter der Krähenverwandten ihr Brutgeschäft im zeitigen Frühling. So hatte in den ersten Märztagen auch ein Elsterpärchen in einer hochgewachsenen Birke gegenüber der Naturschutzstation mit dem Nestbau begonnen. Ein nicht nur von den Mitarbeitern beobachtetes Unterfangen, denn kürzlich erschienen wiederholt zwei Rabenkrähen am halbfertigen Nest, größere Verwandte und Konkurrenten der Elstern. Die Krähen hockten sich neben oder sogar in den Nistplatz und wehrten Vertreibungsversuche der Elstern mit überlegenen Schnabelhieben ab. Immer wieder „besuchten" die Krähen die Birke und blieben mehrere Minuten bis zu einer halben Stunde. Schließlich verließen die Elstern die Baustelle und starteten einen weiteren Versuch in einem entfernt stehenden Baum. Offensichtlich nur zum Schein, denn seit Mitte dieser Woche, vielleicht erschien ihnen die Luft wieder „rein", bauen sie erneut am alten Nest.

Sowohl Rabenkrähen als auch Elstern sind Allesfresser und genießen als Nesträuber eher weniger menschliche Sympathie. Alle Rabenvögel zählen aber zu den intelligentesten Spezies in der heimischen Vogelwelt und sind zu erstaunlichen Lernleistungen fähig.


Foto 1: Elsternpaar beim Nestbau  
Foto 1: Elsternpaar beim Nestbau
Foto 2: Zwei Rabenkrähen, vielleicht ebenfalls verpaarte Tiere, erscheinen am Nestbaum.  
Foto 2: Zwei Rabenkrähen, vielleicht ebenfalls verpaarte Tiere, erscheinen am Nestbaum.
Foto 3: Eine der Krähen besetzt die Nestbaustelle.  
Foto 3: Eine der Krähen besetzt die Nestbaustelle.
Foto 4: Vertreibungsversuche der kleineren Elstern zeigen keinen Erfolg.  
Foto 4: Vertreibungsversuche der kleineren Elstern zeigen keinen Erfolg.
Foto 5: Elster am unfertigen Nest, die Schwanzfedern schimmern im Sonnenlicht charakteristisch grün-metallisch.  
Foto 5: Elster am unfertigen Nest, die Schwanzfedern schimmern im Sonnenlicht charakteristisch grün-metallisch.

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01.03.2017

Masterplan Ems 2050 - Flächen für den Wiesenvogelschutz im Emsland

Am Montag dieser Woche trafen sich die Mitarbeiter der Naturschutzstation Ems mit Bürgermeister Conens, Fachbereichsleiter und „Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters" Gerdes sowie Bauamtsleiter Mensing im Rathaus der Gemeinde Rhede. Dort stellte Heinrich Pegel von der Station erste Planungsentwürfe zu den im Rahmen des Masterplan Ems im Landschaftsschutzgebiet „Rhede-Flaar" erworbenen Flächen vor. Zusammen mit Dr. Gepp vom Fachbereich Umwelt des Landkreises Emsland diskutierte die Runde mögliche Maßnahmen zur Optimierung der insgesamt ca. 18,7 ha großen Masterplanflächen.

Dabei war man sich einig, dass die neuen landeseigenen Parzellen zusammen mit den hier bereits vorhandenen Kompensationsflächen der Gemeinde Rhede das Ziel Wiesenvogelschutz im Landschaftsschutzgebiet verfolgen sollen. Die Vertreter der Gemeinde zeigten sich grundsätzlich aufgeschlossen für mögliche Extensivierungs- und Vernässungsmaßnahmen, wiesen aber darauf hin, dass die Flächen für die hier wirtschaftenden Pächter weiterhin nutzbar bleiben müssen.

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen die Lage des Landschaftsschutzgebietes „Rhede-Flaar" und Eindrücke der dort vorherrschenden Grünlandnutzung.


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