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Baggern für die Kreuzkröte auf dem Geestrücken zwischen Vechta und Damme

Im Rahmen des Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ entsteht im Landkreis Vechta neuer Lebensraum für die bedrohte Amphibienart


 
Die Kreuzkröte ist die kleinste einheimische „echte“ Krötenart. Sie besiedelt als Pionierart trockene, warme Landlebensräume mit spärlicher Vegetation und rohem Boden, die sich ursprünglich in den Überschwemmungsbereichen an Flüssen fanden.

Vechta Auf dem Geestrücken zwischen Vechta und Damme liegen isolierte Einzelvorkommen der streng geschützten Kreuzkröte. Diese sollen nun im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ aufgewertet und miteinander verbunden werden. Der Landkreis Vechta, der Naturschutzring Dümmer e.V. und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wollen durch das Anlegen neuer Gewässer und Rohbodenflächen sowie durch eine Sanierung bestehender Gewässer den hiesigen Bestand nachhaltig stabilisieren.

Ausgeführt werden die Maßnahmen in ehemaligen Sandabbauten des Erdbauunternehmens Averdam. Auch Flächen der Städte Lohne und Damme und des Landkreises Vechta rücken in den Fokus. Sande, Kies, Lehm und Ton: Die Dammer Berge und der sich nach Norden bis Vechta anschließende Geestrücken weisen auf einer Länge von rund 25 Kilometern gleich eine Vielzahl von bedeutsamen Bodenvorkommen auf. Die nach ihrem Abbau hinterlassenen ausgedehnten Bodenabbaubereiche könnten bedrohten Amphibienarten wie der Kreuzkröte als Sekundär-biotope wertvollen Lebensraum bieten. „2017 durchgeführte Untersuchungen im Bereich des Geestrückens zwischen Vechta und Damme konnten die Art jedoch nur in drei der 13 untersuchten Gebiete nachweisen“, betont Thomas Kutter, Projektmitarbeiter beim NLWKN in Hannover. Der Erhaltungszustand aller betrachteten Gebiete wurde als „mittel bis schlecht“ eingestuft. Ursache hierfür seien die Isolation der Vorkommen durch Wanderungshindernisse und zu große Abstände zur nächsten Population sowie die Entwertung des Lebensraums durch Sukzession, so der Befund der Untersuchungen. „Landkreis, Naturschutzring und NLWKN haben deshalb Maßnahmen erarbeitet, mit denen diesen starken Beeinträchtigungen für den Fortbestand der Kreuzkröten-Population entgegengewirkt werden kann“, erklärt Kutter weiter. Zur Aufwertung der vorhandenen Einzelvorkommen und ihrer Verbindung werden daher seit Anfang Oktober Arbeiten an acht Stellen auf dem Geestrücken und in den Dammer Bergen durchgeführt.

Vorgesehen sind neben der Sanierung und Neuanlage von Kleingewässern dabei auch die Entnahme von Gehölzen und das Abschieben von Rohbodenflächen. Die entnommenen Gehölze werden am Rand der jeweiligen Flächen als Quartiere für Amphibien und Reptilien zu lockeren Haufen aufgeschichtet. Sie können so auch anderen Arten, wie beispielsweise der Zauneidechse, zugutekommen. Der Naturschutzring Dümmer e.V. betreut die Maßnahmen eng. „So können die Arbeiten, die oft auf kleinem Raum stattfinden, sehr zielgerichtet und auch schonend umgesetzt werden“, erläutert der Mitarbeiter des Naturschutzvereins Frank Körner. „Wir freuen uns besonders darüber, dass zur Durchführung von Schutzmaßnahmen für die gefährdete Kreuzkröte auch private Flächen zur Verfügung gestellt wurden“, sagt der Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta Helmut Schlarmann.

Das Integrierte LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“

Die Maßnahme in den Dammer Bergen ist Teil des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachen umgesetzt wird. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region, wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer sollen dabei nachhaltig aufgewertet werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse sollen gestärkt werden. Für die zehnjährige Laufzeit des Projektes steht beiden Ländern insgesamt ein Budget von 16,875 Millionen Euro zur Verfügung. 60 Prozent der Mittel werden von der Europäischen Union gestellt, jeweils 20 Prozent von den beiden Bundesländern. Die Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in Nordrhein-Westfalen beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV). Die operative Umsetzung der konkreten Einzelmaßnahmen in Niedersachsen liegt beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU).

Weitere Informationen sind im Internet unter www.sandlandschaften.de und unter www.nlwkn.de verfügbar. Für Rückfragen zum Gesamtprojekt steht Ihnen das IP-LIFE-Team des NLWKN gerne zur Verfügung (Tel.: 0511 / 3034-3352, E-Mail: Thomas.Kutter@nlwkn-h.niedersachsen.de). Für weitere Informationen bzgl. der Maßnahme in den Dammer Bergen wenden Sie sich bitte an die örtliche Bauüberwachung -, Naturschutzring Dümmer e.V., Am Ochsenmoor 52, 49448 Hüde, Tel. 05443-1367, naturschutzring.duemmer@t-online.de).

Presseinformation
Artikel-Informationen

24.10.2018

Ansprechpartner/in:
Achim Stolz, Carsten Lippe

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