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Auftakt für Forschungsprojekt: Auf dem Weg zu einer einheitlichen Bewertung der Wasserqualität im deutsch-niederländischen Wattenmeer

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Nur unter dem Mikroskop zu bestimmen: kleine Algenarten wie die dargestellte Kieselalge (Odontella aurita) können stoffliche Belastungen im Wattenmeer sichtbar machen (Bild: NLWKN).

Oldenburg Großer Aufschlag für mikroskopisch kleine Algen: In Anwesenheit von rund 30 Gästen aus Wissenschaft und Wasserwirtschaftsverwaltung der Nachbarstaaten Niederlande und Deutschland wurde in dieser Woche das INTERREG-Projekt „Harmonisierung der Phytoplanktonbewertung im deutsch-niederländischen Wattenmeer“ in Oldenburg einer Fachöffentlichkeit vorgestellt. Von dem grenzüberschreitenden Vorhaben versprechen sich die Forscher ein klareres Bild von der stofflichen Belastung in dem wertvollen gemeinsamen Naturraum.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt mit einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren befasst sich mit der Bewertung der Wasserqualität. Hierbei stehen mikroskopisch kleine Algen, das Phytoplankton, im Fokus. „Das Vorkommen von Phytoplankton im Wattenmeer wird gegenwärtig im Kontext der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) als wichtiger Anzeiger von stofflichen Belastungen zum Beispiel in Folge von Überdüngung (Eutrophierung) ausgewertet“, erklärt Jürgen Knaack vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Oldenburg. Wie aber genau die Bewertung der erhobenen Daten erfolgen soll und welche Grenz- oder Zielwerte gelten sollen, ist zwischen den Nachbarstaaten bislang noch nicht abschließend geklärt.

Das Projekt mit dem Kurztitel „Wasserqualität – Waterkwaliteit“ setzt auf mathematische Ökosystem-Modelle und eine bilaterale Kommunikation auch auf wissenschaftlicher Ebene. Unter der Leitung der NLWKN Betriebsstelle Brake-Oldenburg werden die Projektpartner, Rijkswaterstaat (RWS, Niederlande), die Universität Hamburg, die NLWKN Forschungsstelle Küste und das Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität an der Universität Oldenburg (AWI-HIFMB) ein gemeinsames Verständnis des Systems Wattenmeer erarbeiten, um zu einer harmonisierten Bewertung des Phytoplanktons zu kommen.

Welche Zusammenhänge bestehen im Wattenmeer zwischen Nährstoff-Eintrag und Phytoplanktonentwicklung? Welche Algen zeigen einen guten Zustand an, welche einen schlechten? Wie grün darf das Wasser sein, um noch ökologisch in Ordnung zu sein? Oder fachlich gesprochen: Welche Algenkonzentrationen signalisieren ein gesundes System? „In dem Forschungsansatz sollen verschiedene, das Phytoplankton und die Überdüngung betreffende Parameter in einer grenzübergreifenden Ökosystemmodellierung zusammengeführt und nach wissenschaftlichen Kriterien verknüpft werden“, verdeutlicht Gerrit Niebeek vom niederländischen Projektpartner Rijkswaterstaat.

Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,4 Millionen Euro wird im Rahmen des INTERREG V A-Programms Deutschland-Nederland durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie von den Provinzen Drenthe, Fryslân und Groningen und vom niederländischen Ministerie van Economische Zaken en Klimaat unterstützt.

„Wir haben in unserer Grenzregion eine lange Küstenlinie und alleine schon deshalb ein großes Interesse an einer wesentlichen Verbesserung der Wasserqualität. Zudem können wir einen wichtigen Beitrag zur EU-Wasserrahmenrichtlinie leisten. Durch den Wissenstransfer zwischen niederländischen und deutschen Partnern ist außerdem gewährleistet, dass wir auf künftige Veränderungen in den Gewässern schnell reagieren können“, so Armin Gallinat vom INTERREG-Programm-Management der Ems Dollart Region (EDR), welche das Projekt begleitet.

Bevor die fünf Projektpartner ihre Beiträge zum Gesamtprojekt detaillierter darstellten, näherten sich die Teilnehmer im Tagungssaal „Hunte“ der Jugendherberge Oldenburg zunächst in vier Fachvorträgen dem Projektthema an: Dr. Justus van Beusekom vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht sprach über die Eutrophierung des Wattenmeeres, Dr. Marcel van den Berg von RWS und Dr. Jan Witt vom NLWKN erläuterten daraufhin die Problematik der Bewertung im Zusammenhang mit den Erfordernissen der Wasserrahmenrichtlinie. Dr. Claus-Dieter Dürselen von der Firma AquaEcology zeichnete schließlich zusammen mit seiner Kollegin Dr. Sandra Meier ein Bild der Phytoplanktongemeinschaft in den Küstengewässern.

Abschließend stellten Gerrit Niebeek und Jürgen Knaack das öffentliche Interesse und den Bedarf der Behörden an konkreten Ergebnissen an dem INTEREG-Projekt noch einmal deutlich heraus. Beide bedankten sich bei den Kofinanziers für die Unterstützung. „Dieses von der EU und den Partnern der Ems-Dollart-Region geförderte Projekt gibt uns die Möglichkeit, die Hauptbelastung der Küstengewässer in einen neuen, fundierten Kontext zu stellen“, so Knaack.


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In Oldenburg skizzierten die rund 30 angereisten Wissenschaftler und Wasserwirtschafter aus Deutschland und den Niederlanden die Projektschritte im Rahmen der gemeinsamen Arbeit (Bild: NLWKN).

Artikel-Informationen

erstellt am:
16.01.2020
zuletzt aktualisiert am:
21.01.2020

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