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LIFE+-Projekt „Hannoversche Moorgeest“: Baubeginn im Schwarzen Moor bei Resse

Wiedervernässung von Hochmooren in der Region Hannover wird fortgesetzt


Ein ehemaliger Entwässerungsgraben im Zentrum des Schwarzen Moores wird mit einem Bagger verschlossen. Wo erforderlich, muss mit dem Bagger Vegetation entfernt werden, um an darunterliegenden Boden zu kommen.   Bildrechte: Jens Fahning, NLWKN
Ein ehemaliger Entwässerungsgraben im Zentrum des Schwarzen Moores wird mit einem Bagger verschlossen. Wo erforderlich, muss mit dem Bagger Vegetation entfernt werden, um an darunterliegenden Boden zu kommen.

Hannover. Nach dem Beginn der bauvorbereitenden Arbeiten im Otternhagener Moor haben auch im Schwarzen Moor bei Resse die Baumaßnahmen zum Wasserrückhalt begonnen. Wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mitteilt, rückte hierzu in der vergangenen Woche die beauftragte Baufirma mit den erforderlichen Maschinen an. Die Arbeiten dienen der Wiedervernässung von insgesamt vier Hochmooren in der Region Hannover im Rahmen des LIFE+-Projekts „Hannoversche Moorgeest“.

Aufgrund der aktuell trockenen Bedingungen konnte das Gebiet im östlichen Zentrum des Schwarzen Moores mit einem Minibagger befahren und an ersten Grabenverschlüssen gearbeitet werden. „An vorher gekennzeichneten Stellen in Entwässerungsgräben wurden bereits erste Staupunkte gesetzt, welche künftig den Regenwasserabfluss verhindern“, erklärt Projektmanagerin Susanne Brosch vom NLWKN Hannover. Der Landesbetrieb ist Projektträger für das LIFE+-Projekt und setzt es im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums gemeinsam mit der Region Hannover um.

Das EU geförderte Naturschutzprojekt hat die Wiederherstellung moortypischer und naturnaher Wasserstände in den Mooren zum Ziel. Das Schwarze Moor ist mit rund 140 Hektar das kleinste von insgesamt vier Mooren und seit langem als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im LIFE+-Projektgebiet liegen außerdem das Otternhagener, das Helstorfer und das Bissendorfer Moor. Im Süden und Südosten sind dem Schwarzen Moor ca. 23 Hektar Grünland vorgelagert, welche bereits überwiegend der öffentlichen Hand gehören und extensiv bewirtschaftet werden. Teile des Moores im Süden und Westen sind weitgehend gehölzfrei, was zum einen dem hohen Grundwasserstand, und zum anderen den regelmäßigen Entkusselungen – die Entfernung junger Gehölze – im Rahmen der Gebietspflege zu verdanken ist. Hier hat sich eine artenreiche Moorlandschaft bei vergleichsweise hohen Wasserständen etabliert. Der größere Teil des Moores besteht aus mehr oder weniger feuchten Kiefern-Birkenwäldern auf einer unterschiedlich starken Resttorfschicht.

Ziel der jetzt begonnenen Maßnahmen ist es, so viel Regenwasser wie möglich im Naturschutzgebiet zurückzuhalten. „Die Arbeiten dienen der Sicherung der schützenswerten Moor-Biotoptypen und damit auch der Lebensräume der feuchtigkeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten der Moore“, so Susanne Brosch. Im Moor sind z.B. der Moorfrosch, verschiedene Libellenarten, Schlingnattern sowie der Kranich beheimatet. In Bereichen mit einer größeren Torfauflage sind typische Moorpflanzen wie Moosbeere, Rosmarinheide und Wollgras anzutreffen. Darüber hinaus dient die geplante Wiedervernässung des Torfkörpers der Reduzierung von klimaschädlichen CO2 –Gasen.

Die nach Wasserrecht genehmigten Maßnahmen umfassen die Herstellung punktueller Verschlüsse und Teilverfüllungen von Entwässerungsgräben im Moor. Auf knapp vier Kilometern Grabenstrecke wird so durch Verfüllungen mit örtlich vorhandenem Bodenmaterial der Regenwasserabfluss unterbunden und ein nachhaltiger Rückhalt ermöglicht. Darüber hinaus werden am Rand des Schwarzen Moores zwei kleinere Staubauwerke errichtet, welche den Wasserrückhalt unterstützen. „Gleichzeitig wird sichergestellt, dass bei Starkregenereignissen überschüssiges Wasser schadlos aus dem Gebiet abgeführt wird“, betont der NLWKN.

Es ist geplant, die Baumaßnahmen bis zum Monatsende abzuschließen. Dies ist jedoch stark von der Wetterlage abhängig. Zunächst werden die Grabenverschlüsse fertiggestellt. Zuletzt wird das Staubauwerk im Westen des Moores in der Nähe der Straße „Zum Vorwerk“ errichtet. Dort informiert auch ein Bauschild des NLWKN über die Maßnahme. Spätestens Ende Februar 2022 müssen die Arbeiten beendet sein, um keine Störungen im Naturschutzgebiet zu verursachen.

Wasserflächen wie hier in den tiefergelegenen Teilen des Schwarzen Moores sind ideal für Amphibien, aber auch für Libellen, die auf nährstoffarme Gewässer angewiesen sind. Damit sich das Wasser ganzjährig hält, werden Entwässerungsgräben verschl   Bildrechte: Jens Fahning, NLWKN
Wasserflächen wie hier in den tiefergelegenen Teilen des Schwarzen Moores sind ideal für Amphibien, aber auch für Libellen, die auf nährstoffarme Gewässer angewiesen sind. Damit sich das Wasser ganzjährig hält, werden Entwässerungsgräben verschl

Hintergrundinformationen

Niedersachsen hat innerhalb Deutschlands den größten Flächenanteil an Hochmooren. Sie haben jedoch fast alle durch Entwässerung, Abtorfung und Kultivierung ihren ursprünglichen Charakter verloren. Das Bissendorfer, Helstorfer, Otternhagener und Schwarze Moor in der „Hannoverschen Moorgeest“ gehören zu den wenigen weitestgehend erhaltenen naturnahen Hochmooren Niedersachsens. Aufgrund ihrer starken Gefährdung und der großen ökologischen Bedeutung stehen sie unter dem Schutz der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU und sind Bestandteile des europäischen Netzwerkes „Natura 2000“. Sie haben das Potenzial, sich wieder zu lebenden Hochmooren mit wachsenden Torfmoosen zu entwickeln. Das Naturschutzprojekt dient aber auch dem Klimaschutz. Die renaturierten Moore werden laut Schätzung etwa 2.700 Tonnen CO2-Äquivalente jährlich einsparen.

2012 hat die EU-Kommission das LIFE+-Projekt „Hannoversche Moorgeest“ mit einer Laufzeit von elf Jahren bewilligt, damit vier Hochmoore in der Region Hannover wiedervernässt werden können. 58 Prozent der Gesamtkosten von 14,75 Millionen Euro trägt die EU, 35 Prozent das Land Niedersachsen und sieben Prozent die Projektpartnerin Region Hannover. Die Federführung für die Umsetzung des Projekts liegt beim Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU). Dieses hat den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Gesamtkoordination und Umsetzung des Projekts beauftragt. Bei der Planung und Umsetzung des Projekts arbeiten die Bereiche Naturschutz und Wasserwirtschaft des NLWKN Hand in Hand. Die Region Hannover bringt sich personell, finanziell und im Zuge der Maßnahmenumsetzung ein.

Das Projektgebiet – das sind das Bissendorfer, Otternhagener, Helstorfer und das Schwarze Moor – umfasst 2.243 Hektar. Zur Wiedervernässung sollen Entwässerungsgräben zurückgebaut und Dammbauten (Ringwälle) aus vorhandenem Torf errichtet werden, welche das Regenwasser auf den Moorflächen zurückhalten. Ergänzt werden diese baulichen Maßnahmen durch zahlreiche weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen.

Seit Ende 2012 läuft begleitend das Flurbereinigungsverfahren „Hannoversche Moorgeest“ mit etwa 900 Grundeigentümern und über 2.200 Flurstücken. Aktuell sind etwa 89 Prozent der Flächen im Besitz der öffentlichen Hand.

In allen Phasen des Projekts wird großer Wert auf die Einbindung der örtlichen Bevölkerung und Nutzergruppen gelegt. Ein 2012 gegründeter Projektbeirat begleitet das Vorhaben über die gesamte Laufzeit. Dieser ist als Praktikerforum konzipiert, in welchem unter anderem die Forstwirtschaft, die Jagd, die Landwirtschaft sowie die Unterhaltungsverbände der Wasserwirtschaft und die Naturschutzverbände vertreten sind.

Im Rahmen der Bauarbeiten werden alte Entwässerungsgräben zurückgebaut oder unwirksam gemacht. Hier wurde mit einem Bagger ein Graben punktuell mit örtlich gewonnenem Bodenmaterial verschlossen.   Bildrechte: Jens Fahning, NLWKN
Im Rahmen der Bauarbeiten werden alte Entwässerungsgräben zurückgebaut oder unwirksam gemacht. Hier wurde mit einem Bagger ein Graben punktuell mit örtlich gewonnenem Bodenmaterial verschlossen.
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Artikel-Informationen

erstellt am:
09.11.2021

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