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Mit Motorsägen in der ehemaligen Sandgrube Breetze

Zauneidechse soll von Offenland-Maßnahme im Landkreis Lüneburg profitieren


  Bildrechte: Richard Podloucky.
Zielart bei der Maßnahme in der Sandgrube Breetze: Die Zauneidechse. Sie ist „Reptil des Jahres 2020“ (Bild: Richard Podloucky).

Lüneburg/BreetzeKaum zu überhören waren in den letzten Tagen Motorsägen und schweres Gerät in der ehemaligen Sandgrube Breetze. Was aussieht wie ein erheblicher Eingriff in die Natur, dient in Wahrheit dem Erhalt und der Vergrößerung ökologisch vielfältiger Lebensräume im Zuge des EU-geförderten Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“. Nicht zuletzt das „Reptil des Jahres 2020“ soll hiervon profitieren.

„Durch das Herausnehmen von Gehölzen und den Abtrag des Oberbodens auf ausgewählten Flächen wollen wir die Trockenrasen in dem Gebiet erhalten und vergrößern. So sichern wir den Lebensraum für die Zauneidechse im Gebiet. Das Reptil steht neben weiteren Arten und Lebensräumen im Fokus unseres Projektes“, erläutert Sabrina Schäfer vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Der NLWKN führt die Maßnahme in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg durch.

Das etwa 20 Hektar große Gebiet der Sandgrube Breetze zählt zu den bedeutendsten Offenlandlebensräumen im Landkreis. Es weist ein trockenwarmes Klima auf – optimale Bedingungen für eine Vielzahl teils gefährdeter Arten. Eine von ihnen ist die Zauneidechse, das „Reptil des Jahres 2020“. Die streng geschützte Art steht auf der Vorwarnliste für die Rote Liste gefährdeter Tierarten.

Kristina Weist, die von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde die Maßnahme betreut, weist auf die Entwicklung des Gebietes hin: „Der Abbaubetrieb wurde bereits vor einigen Jahren in der gesamten Grube eingestellt. Einige Teilbereiche wurden gezielt renaturiert, in anderen wird die Natur sich selbst überlassen. Im zentralen Areal haben sich für die Natur so wertvolle Magerrasen entwickelt.“

Die Arbeiten in der Sandgrube Breetze sind in mehrere Abschnitte aufgeteilt. In einem ersten Schritt werden einige Ginster und Kiefern entfernt, um offene Bereiche zu schaffen und diese miteinander zu verbinden. Zudem werden gekippte Kiefern auf der Fläche belassen. Die freistehenden Wurzelteller und der Verbleib von Totholz und Stubbenhaufen schaffen Strukturen und so Unterschlupf für Insekten und andere Tiere. Dabei werden nicht alle Kiefern von der Fläche entfernt: Verbleibende Kiefern dienen dem dort vorkommenden Wendehals als Ansitzfläche. So hat er einen guten Blick über die neu geschaffenen offenen Bereiche. Der Wendehals zählt zu den Spechtvögeln und gilt als stark gefährdet.

In einem weiteren Schritt werden von Gehölzen freigestellte Flächen gemäht, um das aufgekommene Landreitgras einzudämmen. „Das Gras bildet einen dichten einheitlichen Bewuchs, gegen den sich beispielsweise kleinere und damit konkurrenzschwächere Pflanzen nicht durchsetzen können“, so Weist. Außerdem werden durch das Mähen nährstoffarme Strukturen wie blütenreiche Magerrasen gefördert. Das wiederum erhöht die Vielfalt der Insekten im Gebiet und damit das Nahrungsangebot - nicht nur für Zauneidechse und Wendehals.

Durch die Anlage von zeitweise trockenfallenden und daher fischfreien Kleingewässern sollen unter anderem die Kreuzkröten im Gebiet profitieren, die ebenfalls im Projektmittelpunkt stehen. Das sich schnell erwärmende Wasser in den Vertiefungen dient den Kröten als Kinderstube. Auch offenliegende Bodenbereiche werden geschaffen, um den Kreuzkröten grabfähigen Boden bereitzustellen. Als Nebeneffekt finden hier außerdem Wildbienen einen geeigneten Lebensraum.

„Um den struktur- und nischenreichen Gesamtlebensraum der Grube nicht zu gefährden, sind die Einzelmaßnahmen kleinräumig und über die Maßnahmenfläche verteilt. Wir gehen bei den Arbeiten mit größter Sorgfalt vor“, betont Diplom Biologe Lutz von der Heyde, der die Umsetzung vor Ort im Auftrag des NLWKN begleitet.

Abschließend ist eine Einzäunung des westlichen Bereichs vorgesehen. Hier werden künftig Schafe weiden, um die neu geschaffene Offenlandschaft vom Aufwuchs von Gehölz und Landreitgras freizuhalten.

Viele Spaziergänger auf der Hunderunde haben die Arbeiten bereits entdeckt und sich positiv geäußert: „Ein schöner Blick ist hier entstanden. Wirklich toll!“ Der Spazierweg um die westliche Fläche bleibt erhalten, so dass die Entwicklungen auf der Fläche begutachtet und der neu geschaffene Blick in die Landschaft genossen werden können.

  Bildrechte: Lutz von der Heyde.
Kein „Umweltfrevel“, sondern gezielte Fördermaßnahme für bedrohte Arten: Die Arbeiten waren vom nahen Spazierweg aus gut zu beobachten. Bei vielen Spaziergängern auf der Hunderunde stießen sie auf ein positives Echo (Bild: Lutz von der Heyde).
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19.02.2020

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