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Fraßschäden auf Grünland: Pilotprojekt zur Ermittlung von Rastspitzen wird fortgesetzt

Landwirte in Vogelschutzgebieten des Rheiderlandes und der Wesermarsch können noch bis Ende April Flächen melden


Bläss- und Weißwangengänse bei der Rast auf Grünland.   Bildrechte: Bild: Gerd-Michael Heinze/NLWKN
Bläss- und Weißwangengänse bei der Rast auf Grünland. Die an der Küste überwinternden Weißwangengänse kommen aus Nordwestrussland, wo die Population in den 1950er Jahren nahezu erloschen war und sich erst seit den 1990er Jahren deutlich erholt.

Rheiderland/Wesermarsch/Oldenburg Spektakuläres Naturereignis, aber auch sichtbare Belastung für die Landwirtschaft: Die Rast und Überwinterung nordischer Gastvögel an der niedersächsischen Küste hat neben Begeisterung bei Vogelschützern und Touristen immer wieder auch ökonomische Einbußen zur Folge. Im Rahmen der Unterstützungsmaßnahmen des Landes für Landwirte in Vogelschutzgebieten soll eine 2019 gestartete Erprobungsphase jetzt fortgesetzt werden. Sie sieht einen finanziellen Ausgleich für besondere Rastspitzen auf Grünlandflächen im Rheiderland und der Wesermarsch vor.

Landwirtschaftliche Betriebe, die Grünlandflächen innerhalb der Vogelschutzgebiete V06 Rheiderland, V 64 Marschen am Jadebusen, V 65 Butjadingen und V 11 Hunteniederung bewirtschaften, können noch bis zum 29. April besonders stark beäste Flächen für eine Begutachtung bei der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen melden. Grundlage der Beurteilung ist ein von der LWK Aurich im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz entwickeltes Modell zur Ermittlung von Ertragseinbußen. „Hierbei werden die Wuchshöhen in beästen und unbeästen Arealen verglichen und auf dieser Basis individuelle Ertragsverluste für einzelne Flächen ermittelt“, erklärt Julia Delingat vom Geschäftsbereich Regionaler Naturschutz der NLWKN-Betriebsstelle Brake-Oldenburg. Aus dem Ertragsverlust werden die Kosten für Ersatzfuttermittel und eine Pauschale für zusätzliche Nachsaat- und Pflegemaßnahmen errechnet.

Im Rahmen eines ersten Praxistests waren im vergangenen Jahr im Rheiderland insgesamt 222 Hektar Grünland auf diese Weise begutachtet worden. Zwölf landwirtschaftliche Betriebe hatten sich hier an dem Pilotprojekt beteiligt. In der Wesermarsch wurden auf 27 Flächen und insgesamt 85 Hektar Gänsefraßschäden begutachtet. „Die Schäden stellten sich 2019 auf den verschiedenen Flächen sehr unterschiedlich dar. Auf manchen Flächen war keinerlei Ertragsverlust durch die Gänse nachweisbar, da Rastereignisse aus dem Winter offenbar vor der ersten Mahd durch zwischenzeitliches Pflanzenwachstum ausgeglichen werden konnten“, so Julia Delingat. Im Schnitt lag der Ertragsverlust bei rund 50 Prozent. Insgesamt konnten bei 17 Betrieben Rastspitzen festgestellt und Ausgleichszahlungen angeboten werden. „Es handelt sich dabei um freiwillige Zahlungen des Landes Niedersachsen, die auf Antrag ausgezahlt werden“, betont Delingat.

Hintergrund des Pilotprojektes sind die Bedeutung des Rheiderlandes und der Wesermarsch als Rastgebiete für besonders geschützte Bläss- und Weißwangengänse (auch Nonnengans genannt) sowie die hier geltenden Schutzbestimmungen. Eine Vergrämung oder Bejagung der Tiere innerhalb der Vogelschutzgebiete ist in der Regel nicht erlaubt. „Das Land Niedersachsen bemüht sich deshalb im Rahmen verschiedener Fördermaßnahmen für Acker- und Grünlandflächen um einen Ausgleich entstandener Fraßschäden“, erklärt Julia Delingat. So stehen neben dem derzeit in der Erprobung befindlichen Rastspitzenprogramm auf Grünland seit 2011 auch Fördermittel für außerordentliche Ertragseinbußen auf Ackerflächen zur Verfügung. Pro Jahr können dabei außerordentliche Ertragseinbußen durch Rastspitzen bis zu einer Schadenssumme von 50.000 Euro pro Betrieb finanziert werden. Bereits seit Beginn der 2000er Jahre können Landwirte in Vogelschutzgebieten, die im Winter störungsarme Ruhe- und Rastzonen zur Verfügung stellen, Fördermittel in Anspruch nehmen. In den letzten Jahren wurden hierfür jährlich knapp sieben Millionen Euro für Landwirte in den besonders betroffenen Gebieten ausgezahlt.




Kulisse für den Praxistauglichkeitstest "Rastspitzen auf Grünland" 2020.   Bildrechte: NLWKN/LGLN
Kulisse für den Praxistauglichkeitstest "Rastspitzen auf Grünland" 2020.

Artikel-Informationen

erstellt am:
27.03.2020

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