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Beiträge zur Situation der Wildkatze in Niedersachsen

Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen


Heft 6/04, 20 S., 2,50 €

Beiträge:

Nutzung autobahnnaher Habitate im Bereich der BAB 7 nördlich von Seesen durch die europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) unter dem Aspekt der Lebensraumzerschneidung
von Karsten Hupe, Bärbel Pott-Dörfer und Malte Götz unter Mitarbeit von Markus Semrau

Inhalt
1 Einleitung
2 Untersuchungsgebiet
3 Methodik
4 Ergebnisse
4.1 Wildkatzenfänge
4.2 Telemetrie am Tag
4.3 Nächtliche Telemetrie
4.4 Aktionsraum-Überlappungen
4.5 Saisonale Aktionsräume
4.6 Saisonale Aktionsraumüberlappungen
4.7 Lockstab, Spurbetten und Fotofalle
5 Schlussfolgerungen und Konsequenzen
5.1 Raumnutzung der Wildkatzen
5.2 Lebensraumzerschneidung
5.3 Lösungsmöglichkeiten
6 Zusammenfassung
7 Summary
8 Danksagung
9 Literaturauswahl

6 Zusammenfassung
In einer mehrjährigen telemetrischen Untersuchung wurde in einem autobahnzerschnittenen Waldgebiet nördlich Seesen (Niedersachsen) die Raumnutzung von Wildkatzen im Hinblick auf eine mögliche Barrierewirkung der Autobahn untersucht. Von November 2001 bis Dezember 2003 wurden in 386 Fallennächten ein Kuder (Fang 2002, Wiederfang 2003) und drei weibliche Wildkatzen (Fang 2003) gefangen, vermessen und mit einem Halsbandsender markiert.
Der Kuder nutzte eine Aktionsraumfläche von 2363 ha (Aktionsraumfläche am Tag: 2129 ha; Aktionsraumfläche in der Nacht: 2431 ha). Die drei weiblichen Wildkatzen nutzten eine mittlere Aktionsraumfläche von 657 ha (Ø Aktionsraumfläche am Tag: 562 ha; Ø Aktionsraumfläche in der Nacht 837 ha).
Die Überlappungswerte benachbarter Individuen variierten stark. Die Aktionsraumflächen der beiden weiblichen Wildkatzen im Norden des Untersuchungsgebietes (WK2w + WK3w) überlappte durchschnittlich zu 15 %. Für den Kuder und das weibliche Tier WK3w lag der Wert bei knapp zwei Prozent, der Überlappungswert mit der Katze WK4w betrug durchschnittlich 55 %.
Bei den saisonalen Aktionsraumflächen liegen für den Winter (Ø 1562 ha), das Frühjahr (Ø 985 ha) und den Sommer (Ø 775 ha) von allen beobachteten Tieren Datensätze vor. Saisonale Aktionsraumflächen ermöglichen eine detailliertere Einsicht in das Raumnutzungsmuster der Wildkatzen.
In der Nacht zeigten die Wildkatzen eine deutlich ausgeprägtere Bewegungsaktivität (88,5 % der nächtlichen Lokalisationen) als am Tag (29,8 %).
Zu 86 % wurden die Wildkatzen im Wald lokalisiert, acht Prozent der Peilungen entfielen auf Feldgehölze (inkl. A 7-Böschung) und sechs Prozent auf das Offenland (Grünland, Feldfrüchte, Schilfröhrichtflächen).
Offenlandflächen wurden vorrangig als »Transitzone«, vereinzelt während der Vegetationszeit (Sommer) als Übertagungszone und temporär (Sommer) als Lebensraum genutzt. Mikrohabitatstrukturen mit einer auffallend häufigen Nutzung waren im Untersuchungsgebiet Erdbaue, Brombeerflächen und im Sommer für zwei Individuen Getreidefelder.
Die Bundesautobahn 7 zerschneidet den vorhandenen Wildkatzenlebensraum zwischen dem Hainberg und dem Langenberg. Die Migration der Wildkatze wird negativ beeinflusst. Obwohl eine Querung prinzipiell möglich ist, sind sichere Querungsbauwerke (weitlumige Unterführungen) der A 7 nur im nördlichen Abschnitt des Hainberges vorhanden. Die Datenerhebung mit Hilfe der Radiotelemetrie verdeutlicht, dass ausschließlich ein sendermarkiertes Tier (WK2w) diese Unterführung nutzte. Eine Meidung dieser Querungshilfe durch andere Wildkatzen, die u.a. im Revierverhalten der Wildkatze begründet sein kann, ist als sehr wahrscheinlich anzusehen.
Der untersuchte Autobahnabschnitt kann als Flaschenhals zwischen den etablierten Populationen im Harz und Solling angesehen werden. Weiterführende Untersuchungen westlich der A 7 sowie Leitsysteme zur Verminderung von Verkehrsopfern einschließlich einer Querungshilfe im südlichen Hainberg, z. B. in Form einer »Grünbrücke«, sind zum Schutz der Wildkatze, aber auch anderer Tierarten, erforderlich. Eine Anbindung an andere Länderprojekte zur Vernetzung von Wildkatzenvorkommen ist wünschenswert.

Wildkatze / Autobahn  
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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Naturschutzinformation

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3305
Fax: +49 (0)511 / 3034-3501

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