NLWKN klar

Aktuelles aus der Naturschutzstation Ems

___________________________________

18.05.2018

Feldforschung: Untersuchungen zur Laufkäferfauna in Tide-Biotopen der Ems sind ausgewertet
- und bieten einige Überraschungen!

39 Laufkäfer-Arten konnte Otto Barna, Kollege aus Oldenburg und Spezialist dieser Artengruppe, bei seinen Nachforschungen an der Ems im letzten Jahr nachweisen. Auf den ersten Blick nicht viel angesichts eines Spektrums von über 400 Arten allein in Niedersachsen - innerhalb von gerade mal drei Erhebungstagen gleichwohl eine respektable Anzahl.

In der ökologischen Auswertung bestechen aber vor allem bemerkenswerte Einzelergebnisse. Denn unter dem Mikroskop entpuppten sich einige Käfer als typische Bewohner der Überschwemmungsauen, das heißt, sie finden hier ihre bevorzugten Lebensräume. Und auch hier wiederum nicht überall: Einige ausgesprochene Spezialisten sind vor allem im dichten Weidendickicht, andere am Boden der Schilfröhrichte zu finden. Wieder andere zieht es zu trocken-warmen Plätzen, denn auch die gibt es im strukturreichen Vorland. Und da es entsprechende Biotope an der Ems, aber auch andernorts nur noch vereinzelt gibt, sind diese Tierchen selten, zum Teil sehr selten geworden und finden sich in den sogenannten „Roten Listen" wieder.

Der allgemeine Rückgang der Insekten wird derzeit nicht nur in Fachzeitschriften, sondern zunehmend auch in tagesaktuellen Medien und in der Politik kontrovers diskutiert. Gemeint sind meist blütenbestäubende Insekten, da der unmittelbare Nutzen für den Menschen hier sofort erkennbar ist. Doch auch andere, oftmals unscheinbare Vertreter der artenreichen Insektenwelt spielen ihre Rolle im Naturhaushalt, sei es als Verwerter toter organischer Substanz, als Widerpart von Schädlingen oder einfach als unverzichtbare Nahrungsgrundlage zahlreicher „höherer" Arten.

Neben der direkten Einwirkung von Pestiziden aus der Landwirtschaft werden vor allem Lebensraumverluste als mögliche Ursache des Insektenschwundes benannt. Hierzu gehört auch der Verlust intakter Überschwemmungsauen entlang von Fließgewässern. Flussauen gelten als die vielfältigsten Ökosysteme in unseren Breiten. Kleinräumig wechselnde Lebensräume mit trockenen und nassen, offenen und beschatteten Flächen, mit Wäldern, Röhrichten oder Kleingewässern, mit schlammigen, sandigen oder kiesigen Substraten begünstigen überaus hohe Artenzahlen. Diese Verhältnisse spiegelt auch das Vorkommen seltener und spezialisierter Laufkäferarten wieder.

 
Weidenauwald an der Außenems, eng verzahnt mit Röhricht- und Hochstaudenfluren. Rechts oben sind alle in diesen Biotopen erfassten Laufkäferarten aufgeführt.
 
Otto Barna bei Bestandaufnahmen im Tideauwald an der Ems
 
Laufkäfer weisen eine beträchtliche Spannbreite hinsichtlich ihrer Größe auf: links der große Carabus granulatus, ganz rechts ein winziger Ahlenläufer aus der Gattung Bembidion
 
Bembidion bipunctatum, eine charakteristische Art der großen Flussunterläufe, gilt gemäß landesweiter Roter Liste als „gefährdet“.
 
Der seltene Dyschirius chalceus ist in Niedersachsen gar vom Aussterben bedroht. Er fand sich an der Außenems…
 
… im Bereich naturnaher Uferbereiche unterhalb der Salzwiesen. Diese speziellen und nur noch an wenigen Stellen ausgeprägten Lebensräume sollen im laufenden Jahr 2018 weiter untersucht werden.

___________________________________

07.05.2018

Besichtigung der Naturschutzmaßnahme „Tidepolder Luneplate" an der Unterweser

Ende April bereisten Mitglieder der Arbeitsgruppe „Masterplan Ems 2050" aus den Betriebsstellen Aurich und Brake-Oldenburg die seit dem Jahr 2010 geschaffenen Ausgleichsflächen auf der ehemaligen Weserinsel Luneplate bei Bremerhaven. Von besonderem Interesse dabei war das Teilgebiet „Tidepolder": Eine Fläche von rund 200 ha Größe wurde vor fünf Jahren über ein Ein- und Auslassbauwerk dem Tideeinfluss der Weser unterworfen. Seitdem haben sich hier kleinräumig Priele, Flusswattflächen und Röhrichtinseln gebildet, die insbesondere zur Zugzeit von zahlreichen Vogelarten genutzt werden.

Die Besuchergruppe wurde geleitet von Ulrich Kraus, Planer und Gebietskenner der Hafengesellschaft bremenports aus Bremerhaven. Dieser berichtete ausführlich zur Entstehungsgeschichte, der technischen Umsetzung und der heutigen naturschutzfachlichen Wertigkeit des Gebietes - wertvolle Erfahrungswerte für die KollegInnen der NLWKN-Arbeitsgruppe, die an der Ems mit ähnlichen Planungen befasst ist.

 
Ulrich Kraus von bremenports erläutert die Naturschutzmaßnahmen auf der Luneplate zu Beginn der Exkursion anhand einer Karte…
 
… auf der die Teilgebiete „Tidepolder“ und die angrenzende „Große Luneplate“ mit weiten Grünlandflächen dargestellt sind.
 
Ein für Besucher errichteter Aussichtsturm…
 
…bietet einen guten Überblick über das Gebiet des Tidepolders (von links: die Auricher KollegInnen Stephanie Klack, Dr. Oliver-David Finch, Dirk Post und Andreas Engels mit Ulrich Kraus)
 
Der Tidepolder auf der Luneplate
 
…auf kleinem Raum haben sich Gewässerläufe und Watten, Stauden- und Röhrichtflächen eingestellt.
 
Der Sielkanal verbindet das Einlassbau- und Sperrwerk an der Weser (im Hintergrund) mit einem Schöpfwerk. Über ihn erfolgen Flutung und Entleerung des Polders, aber auch die Entwässerung oberliegender Flächen.
 
Die Besucher von der Ems umrundeten den Tidepolder entlang der umgebenden Verwallungen und Deiche.
 
Östlich des Tidepolders schließen weite Grünlandflächen an, die als wertvolle Brutgebiete für zahlreiche Wiesenvögel vernässt…
 
… und extensiv beweidet werden.

Alle "Aktuellen Mitteilungen"

Ansprechpartner in den Naturschutzstationen

Artikel-Informationen

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln