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„Wohnzimmer“ für Wiesenvögel entsteht in der Bedekaspeler Marsch

Masterplan Ems 2050: NLWKN startet Biotopentwicklung auf Grünlandflächen in der Gemeinde Südbrookmerland


Bagger über einem Graben mit Wasser   Bildrechte: Lippe/NLWKN
Per Bagger wird im Rahmen des Vorhabens das Ufer vorhandener Gräben teilweise aufgeweitet. So können wertvolle Flachwasserzonen entstehen. Die Bauarbeiten (Stauwehr und Erdbau) führt die Firma Heyen aus Rhauderfehn aus (Bild: Lippe/NLWKN).

Südbrookmerland/Moormerland Ein feuchtes „Wohnzimmer“ für Kiebitz, Uferschnepfe, Brachvogel und Co. – das ist das Ziel eines Naturschutzprojektes, das seit dieser Woche am Großen Meer in der Bedekaspeler Marsch (Gemeinde Südbrookmerland, Landkreis Aurich) umgesetzt wird. Auf der Fläche zwischen Marscher Weg und Marscher Tief sollen im Rahmen des Masterplan Ems 2050-Projektes die Bedingungen für Wiesenbrüter auf rund 44 Hektar Grünland spürbar verbessert werden. Die Planung, Bauleitung und naturschutzfachliche Betreuung übernimmt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

„Nasse Böden im Frühjahr mit flachen wassergefüllten Senken, späte Mahd, keine Düngung und extensive Beweidung“, so fasst Heinrich Pegel von der Naturschutzstation Ems des NLWKN die Vorlieben von Wiesenbrütern wie Kiebitz und Uferschnepfe zusammen. Im Projektgebiet soll dies durch den Einbau einer Stauklappe in einen vorhandenen Graben erreicht werden. Nach Schließung aller anderen Abläufe aus dem Plangebiet dient er künftig allein der Entwässerung des Gebietes und leitet das Wasser über das Unterschöpfwerk Groß Sande und das Loppersumer Meer dem Knockster Tief zu.

„Die Stauklappe regelt sich über einen Pegel und eine entsprechende Programmierung selbst. Sie kann aber bei Bedarf auch per Hand oder aus der Naturschutzstation heraus gesteuert werden“, erklärt Mike Hermann Stöter vom Bereich Planung und Bau der NLWKN-Betriebsstelle Aurich. Um negative wasserwirtschaftliche Auswirkungen auf andere Bereiche zu vermeiden, wird das Unterschöpfwerk Groß Sande mit einer leistungsfähigeren und nun fischfreundlichen Pumpe umgerüstet.

Damit auch Fische und Amphibien von dem Vorhaben profitieren, sollen zusätzlich an kleinen Teilstrecken Gräben aufgeweitet und deren Ufer abgeflacht werden. „Die hierbei entstehenden flachen Wasserwechselzonen und größeren Wasserflächen verbessern die Lebensraumqualitäten dieser Tierarten“, ist Heinrich Pegel überzeugt. Das im Rahmen der Arbeiten entnommene Bodenmaterial wird direkt vor Ort zur Anlage und Ausbesserung von flachen Wällen an den Grenzen des Projektgebietes verwendet. So kann die Vernässung auf das Gebiet selbst begrenzt werden kann.

Die vorhandenen Weiden sollen nach Abschluss der Arbeiten im November weiter extensiv bewirtschaftet werden. „Ein benachbarter Landwirt hat die Flächen gepachtet und lässt seine Rinder hier weiden. Während der Brutzeit sind dabei nur zwei Tiere pro Hektar erlaubt – außerhalb dieser sensiblen Phase dürfen auch mehr Nutztiere auf die Fläche“, so der NLWKN- Diplomingenieur für Umweltsicherung. Die Naturschutzstation Ems wird die Flächen nach Fertigstellung auch weiter naturschutzfachlich betreuen.

Landankauf des Landes dient dem Wiesenvogelschutz

Hintergrund des Vorhabens ist der Masterplan-Ems 2050: In dessen Rahmen werden in verschiedenen binnendeichs gelegenen Zielgebieten entlang der Ems Flächen als Lebensraum für Wiesenvögel optimiert. Dies geschieht als Ausgleich für mögliche Verluste von Wiesen und Weiden mit Bedeutung für Wiesenvögel bei der gewünschten Entwicklung von ästuartypischen Lebensräumen an der Ems wie Prielsysteme, Röhrichte und Auengehölze. Diese Lebensräume werden nicht von Wiesenvögeln besiedelt.

Das Etappenziel des Masterplan-Vertrags, bis 2025 für Wiesenvögel 78 von insgesamt 200 Hektar bis 2050 zu beschaffen, wurde schon vor Ablauf der selbstgesetzten Zielvorgabe übertroffen: bislang konnten rund 89 Hektar durch das Land Niedersachsen für eine wiesenvogelfreundliche Umgestaltung erworben werden. Finanziert wird der Flächenankauf am Großen Meer mit Mitteln aus dem Masterplan Ems und dem EU-LIFE-Projekt Wiesenvögel.

Zwei personen in der Weite der Marsch   Bildrechte: Lippe/NLWKN
Bauauftakt in der Bedekaspeler Marsch: Mike Hermann Stöter (li.) und Heinrich Pegel (re.) erörtern vor Ort die Pläne für die Optimierung der Grünlandflächen (Bild: Lippe/NLWKN).
Eine Uferschnepfe auf Futtersuche   Bildrechte: Oliver Lange/NLWKN
Sie sollen von der Biotopentwicklung in der Marsch profitieren: Uferschnepfen und andere Wiesenvögel mögen es nass (Bild: Lange/NLWKN).

Artikel-Informationen

erstellt am:
18.09.2020

Ansprechpartner/in:
NLWKN Pressestelle

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 / 26506 Norden / Hannover
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

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