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Mit ultraviolettem Licht auf den Spuren der Nachfalter

Schmetterlingsvielfalt der Emsauen – Forschungsprojekt des NLWKN übertrifft Erwartungen


 
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Moormerland/Oldenburg Licht an – Kamera an! Mit mobilen ultravioletten Lampen gehen Mitarbeiter der Naturschutzstation Ems noch bis Ende September entlang des Flusses auf „Jagd“ nach seltenen Nachtfaltern. Das Forschungsprojekt an der Tideems bringt damit Licht in die vielerorts nach wie vor schlechte Datenlage zum Rückgang heimischer Insektenarten.

Eine Abnahme der Gesamtmenge und Vielfalt an Insektenarten wird seit Jahren in Fachwelt und Öffentlichkeit mit Sorge beobachtet. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Biene, Grille und Co.: „Auch für Schmetterlinge belegen jüngste Studien europaweite Rückgänge selbst in geschützten Gebieten“, betont Peter Pauschert, Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Oldenburg. Der NLWKN ist Betreiber der im vergangenen Jahr am neuen Standort neueröffneten Naturschutzstation am rechten Ufer der Tideems.

Das Problem der Forscher: Die aktuelle Datenlage ist in vielen Bereichen noch ausgesprochen dürftig. „Während das Vorkommen von Tagfaltern noch relativ gut untersucht ist, gibt es für die artenreichere Gruppe der Nachtfalter weiter viele weiße Flecken auf den Landkarten“, weiß Pauschert. Zumindest für die Tideems soll sich das nun ändern.

Möglich macht es ein sogenannter Leuchtturm – eine Spezialapparatur, mit der sich Pauschert und der Oldenburger Falterexperte Carsten Heinecke bis Ende September in den Tidebiotopen der Ems auf die Lauer legen. Das von ihm ausgestrahlte ultraviolette Licht wirkt besonders anziehend auf Insekten – und ermöglicht es den Forschern so, die später wieder freigelassenen Exemplare eingehend statistisch zu erfassen. Seit Mai 2019 werden die Strände, Röhrichte, Staudenfluren und Auwälder an der Tideems mit Unterstützung von Carsten Heinecke auf diese Weise systematisch untersucht. Eine enge Zusammenarbeit der Naturschutzstation an der Ems mit dem ebenfalls zum NLWKN gehörenden Aufgabenbereich Landesweiter Naturschutz in Hannover hatte das Projekt möglich gemacht.

Während die Bestandsaufnahmen zwischen Vellage im Süden und Rysum im Norden noch bis in den September hinein fortgeführt werden, zeichnet sich dabei bereits jetzt eine unerwartet hohe Artenvielfalt ab. „Wir rechnen derzeit mit dem Nachweis von deutlich über 300 verschiedenen Falterspezies. Viele von ihnen sind an spezielle Lebensräume angepasst und in der Fläche selten geworden, etliche stehen auf der Roten Liste“, so der NLWKN-Experte. Die hohe Bedeutung naturnaher Überschwemmungsbereiche an der Ems als Refugien für Schmetterlinge und viele weitere Arten werde durch die Untersuchung eindrucksvoll unterstrichen, betont Pauschert.

Um die Vielfalt der Schmetterlinge in den Emsauen auch am Tage einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, plant der Landesbetrieb bereits eine Schmetterlingsausstellung, die im nächsten Jahr in den Räumlichkeiten der Naturschutzstation im Moormerland eröffnet werden soll. Aktuelle Informationen zum Projekt und zu anderen Aktivitäten der Naturschutzstation finden sich im Internet unter www.nlwkn.niedersachsen.de.

 
Auwaldlichtung an der Tideems mit Fangeinrichtung, links der sogenannte Leuchtturm, mit dem die nachtaktiven Schmetterlinge angelockt werden (Foto: Angelika Pfirrmann).
 
Der Leuchtturm in Betrieb. Besonders anziehend wirkt ultraviolettes Licht auf Insekten, die speziellen Lampen strahlen hohe Anteile dieses Spektralbereiches ab (Foto: Carsten Heinecke).
 
Der Nachtschwalbenschwanz oder Holunderspanner, eine besonders schöne Art, die in den Auwaldbeständen der Ems vorkommt (Foto: Carsten Heinecke).
 
Ein eher unscheinbarer, doch spektakulärer Fund an der Außenems: die Strand-Erdeule war bislang ausschließlich von den Ostfriesischen Inseln bekannt. Die typische Küstenart gilt in Niedersachsen als vom Aussterben bedroht (Foto: Carsten Heinecke).
 
Nicht nur Nachtfalter erscheinen am Leuchtturm, hier wurden zwei Große Kolbenwasserkäfer vom Licht angelockt, mit 5 cm die größten Wasserkäfer Europas (Foto: Carsten Heinecke).
Artikel-Informationen

16.08.2019

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