NLWKN klar

23. Grundwasser-Workshop am 7. Juni 2018 in Vechta

„Baustein“ in der Aus- und Fortbildung der Niedersächsischen Wasserwirtschaftsverwaltung


Der 23. Grundwasser-Workshop des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) findet in diesem Jahr erstmals in Vechta statt. Eröffnet wurde der Grundwasser-Workshop durch Umweltminister Olaf Lies. Im Fokus der Veranstaltung mit über 200 Fachleuten aus Wasserwirtschaft und Landwirtschaft standen die bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Gewässerschutz und aktuelle Lösungsstrategien zur Verringerung der Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft. Der Grenzwert für Nitrat von 50 mg pro Liter wird an 38 Prozent der Messstellen des niedersächsischen Nitratmessnetzes, das insbesondere den landwirtschaftlichen Einfluss widerspiegelt, überschritten; ein deutlich höherer Wert als im Bundesdurchschnitt. Daher entwickelt das Niedersächsische Umweltministerium gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium Umsetzungsstrategien zur Verringerung der Nährstoffbelastung. „Wir wollen gemeinsam mit dem Agrarressort noch in diesem Jahr Länderermächtigungen gemäß § 13 Düngeverordnung zur Ausweisung gefährdeter Gebiete und zu den Mitteilungspflichten der Nährstoffvergleiche und der Düngebedarfsermittlung umsetzen", sagte Umweltminister Olaf Lies. Die positiven Effekte der durch die Wasserentnahmegebühr finanzierten Gewässerschutzmaßnahmen in den Trinkwassergewinnungsgebieten und der seit 2010 durchgeführten Maßnahmen zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) seien eindeutig nachweisbar. „Klar ist aber auch, dass wir mit diesen Maßnahmen an Grenzen stoßen. Wir brauchen die neue Düngeverordnung, um flächendeckender als bisher eine deutliche Reduzierung der Nährstoffüberschüsse zu erreichen", so Lies. „Allerdings wollen wir die Landwirtschaft weiterhin als Partner für mehr Umwelt- und Gewässerschutz durch Beratung und freiwillige Maßnahmen unterstützen." Es käme darauf an, auch für diese grundlegenden Maßnahmen vergleichbare Indikatoren zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft zu vereinbaren, um so den Erfolg bei der Reduzierung der Nährstoffüberschüsse mit „Maß und Zahl" gegenüber der EU belegen zu können. Durch mehr Transparenz und Effizienz schon bei der Düngung könnten Austräge von Stickstoff und Phosphor in die Gewässer verringert werden.


„Der im März 2018 von der Landwirtschaftskammer veröffentlichte Nährstoffbericht 2016/2017 für Niedersachsen zeigt eindeutig, dass weiterhin große Anstrengungen der Landwirtschaft zur Verringerung der Nährstoffüberschüsse erforderlich sind", betonte Hubertus Schültken vom NLWKN. Dem Bericht zufolge besteht aktuell ein Stickstoffüberschuss von 70.000 Tonnen und ein Einsparpotenzial von 30.000 Tonnen beim Phosphor.
Besonders problematisch ist der Überschuss in den viehstarken Regionen im nordwestlichen Niedersachsen. Die dort anfallenden Wirtschaftsdüngermengen können nur zum Teil regional ordnungsgemäß verwertet werden. Auch mit der überregionalen Wirtschaftsdüngerverbringung in Niedersachsen wird das Problem nach Aussage von Experten nicht gelöst. Lösungsansätze zur Verbesserung des landesweiten Wirtschaftsdüngermanagements werden zurzeit in einem gemeinsamen Verbundprojekt des Umwelt- und Landwirtschaftsressorts mit den beteiligten Akteuren erarbeitet. „Die Verständigung auf eine Methodik mit klar definierten Verfahrensabläufen zum umweltschonenden Wirtschaftsdüngermanagement mit dem Ziel, die wasserwirtschaftliche Situation zu verbessern, ist dringend geboten. Hierbei ist jedoch das von der EG-WRRL geforderte Verschlechterungsverbot für die Gewässer strikt einzuhalten", führte Schültken weiter aus.


Mit Blick auf die Berichterstattung an die EU-Kommission unterstrich die Direktorin des NLWKN, Anne Rickmeyer, dass Erfolge bei den ergänzenden Maßnahmen im Trinkwasserschutz und bei der Umsetzung der EG-WRRL durch ein bewährtes und effizientes Wirkungsmonitoring (etwa Bilanzen) belegt werden: „Während Verbesserungen bei den Stickstoffbilanzen kurz- bis mittelfristig erkennbar sind, könnten die positiven Effekte im Grundwasser aufgrund langer Fließzeiten häufig erst mit großer Zeitverzögerung nachgewiesen werden." Das Wirkungsmonitoring wird seit vielen Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Akteuren im Gewässerschutz erfolgreich umgesetzt. Rickmeyer betonte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Wirkungsmonitorings für die grundlegenden und die ergänzenden Maßnahmen, um so die Effekte aller Grundwasserschutzmaßnahmen transparent darzustellen. Für die Zielerreichung gemäß EG-WRRL sind Landwirtschaft und Wasserwirtschaft gemeinsam verantwortlich, so die NLWKN-Direktorin.


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