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Lindanbelastung im niedersächsischen Küstenbereich rückläufig

Lindan (chemisch: das g–Isomer des Hexachlorcyclohexans (HCH)) ist ein weitverbreitetes Kontaktinsektizid und wird seit 1945 in großen Mengen als Pflanzen-, Holz- und Textilschutzmittel gegen Insekten, Milben, Flöhe und Läuse eingesetzt. Ursprünglich wurde ein technisches HCH-Gemisch, bestehend aus mehreren Isomeren, verwendet. In den meisten Holzschutzmitteln war Lindan bis zur Mitte der achtziger Jahre in einer Konzentration von 0,5 bis 2 % enthalten.

Aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit und Stabilität reichert sich Lindan innerhalb der Nahrungskette stark an. Es ist sehr toxisch und kann insbesondere bei der Verwendung in Wohnräumen zu chronischen Vergiftungen führen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde Lindan sukzessive bestimmten Anwendungsbeschränkung unterzogen (ab 1980 Verbot in Holzschutzmitteln, ab 1999 Anwendungs-Verbot im Zusammenhang mit Getreidevorräten), so dass es nur noch bei spezifischer Indikation im Forstbereich eingesetzt werden durfte. Ab 2000 wurde jedoch von der EG ein totales Verbot von Lindan ausgesprochen (RL 2000/801/EG).

Selbstverständlich wurde im Rahmen der Umweltüberwachung das Lindan-Problem frühzeitig erkannt und dessen Untersuchung in Monitoringprogrammen fest geschrieben. Im niedersächsischen Küstenbereich werden im Rahmen des Bund/Länder-Messprogrammes für die Nordsee seit Anfang der achtziger Jahre Wasseruntersuchungen durchgeführt. Dabei werden entlang der Küste (von Borkum, über Norderney, den Jadebusen bis hin zur Elbe) an insgesamt 17 Messstellen zweimal pro Jahr mittels eines Hubschraubers bei ablaufendem Wasser (Ebbestrom) Wasserproben entnommen, die u.a. auf Lindan untersucht werden.

In der folgenden Grafik sind die Lindan-Jahres-Medianwerte*) des Zeitraums von 1994 bis 2004 für den niedersächsischen Küstenbereich aufgeführt (pro Jahr 34 Messwerte).

Lindan im niedersächsischen Küstenbereich
Lindan im niedersächsischen Küstenbereich (1994-2004), Jahres-Mediankonzentrationen in ng/l (34 Messwerte pro Jahr)

Es zeigt sich sehr deutlich, dass die Lindankonzentrationen im niedersächsischen Küstenbereich innerhalb des betrachteten Zeitraums drastisch zurück gegangen sind. Während in den Jahren 1994 bis 1996 noch Lindan-Konzentrationen von 2 bis 3 ng/l (Median) zu verzeichnen waren (maximale Konzentration: 10 ng/l), sind die Gehalte in den folgenden Jahren quasi kontinuierlich auf bis zu 0,08 ng/l (Median) im Jahr 2004 zurück gegangen (maximale Konzentration 2004: 0,3 ng/l). Da für den Küstenbereich ein Qualitätsziel von 2 ng/l diskutiert wird und die nunmehr gemessenen deutlich darunter liegen, muss dies als ein großer Erfolg und eine positive Umweltbilanz betrachtet werden.

Aus diesem Erfolg beim Lindan darf jedoch keineswegs abgeleitet werden, dass nunmehr Umweltüberwachungen überflüssig geworden sind. Der Zustand der Nordseeküste hat sich in den vergangen Jahren zweifellos in bestimmten Bereichen verbessert. Es gibt aber auch weiterhin Schadstoffe, deren Konzentrationen bedenklich sind und deren Verminderung als Folge gezielter Maßnahmen durch geeignete Monitoringprogramme verfolgt und dokumentiert werden müssen.

*)Medianwerte (oder 50-Perzentil): 50% der gemessenen Konzentration liegen unter diesem Wert

Wasserentnahmestellen an der nds. Küste  

Wasserentnahmestellen (blau gekennzeichnet) an der niedersächsischen Küste

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Dieter Steffen

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