Ergebnisse der Radon-Messkampagne 2025/2026
Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden
Die Kampagne dient zur Information der Bevölkerung zum Thema "Radon und Radonschutz" wie auch zur Gewinnung von Messwerten (siehe auch frühere/spätere Messkampagnen). Die Messwerte erweitern kontinuierlich die bestehende Datenbasis, welche zur regelmäßigen Aktualisierung von Übersichten, Abschätzungen und Prognosen durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) herangezogen wird.
Radon in Niedersachsen - Innenraum Messprogramm 2025/2026
Den Aufruf zur freiwilligen Teilnahme an kostenlosen Messungen der Radon-222-Aktivitätskonzentration in Innenräumen richtete der NLWKN während dieser Kampagne an alle Privathaushalte mit Aufenthaltsräumen in Keller- oder Erdgeschossen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont (LK HM) und Holzminden (LK HOL). Die beiden Landkreise befinden sich im südlichen Niedersachsen in einer Region mit prognostiziertem mittleren Radonpotenzial und bisher nur sehr geringem Messdatenbestand.
Nach Beendigung der Bewerbungsfrist Ende November 2024 wurden bis zum Jahresende 1393 passive Messgeräte an 494 Privathaushalte versendet. Im Januar 2025 starteten die Messungen in beiden Landkreisen für zwölf Monate.
Trotz einiger Verluste (Postweg, Umzug, Todesfälle,...) wurde Anfang 2026 die bisher beste jemals erzielte Rücklaufquote von etwa 96% der versandten Messgeräte erreicht. Nach deren Überprüfung (vergleichbare Messzeitdauer 365 +- 30 Tage) lagen 1.292 valide Messwerte aus 463 Haushalten für die Auswertung vor.
Ergebnisse
Die Auswertung der Radon Innenraum-Messkampagne liefert insgesamt sehr erfreuliche Ergebnisse. Von insgesamt 1.292 gültigen Radon-Messungen wurden im Untersuchungsgebiet während des 12-monatigen Messzeitraums nur 47 Referenzwertüberschreitungen nachgewiesen, das entspricht knapp 4 % aller Messergebnisse. 96 % der Messergebnisse liegen somit unterhalb des Referenzwertes von 300 Bq/m³.
Etwa 83 Prozent der 47 erfassten Referenzwertüberschreitungen stammen dabei aus Räumen im Keller oder im Souterrain. In den meisten dieser Räume finden nur unregelmäßige und kurze Aufenthaltszeiten statt. Es ist daher von einer eher geringen Exposition auszugehen.
| Radon-222-Aktivitätskonzentration | Anzahl | Anteil | |||
| LK HM | LK HOL | Gesamt | % | % | |
| >= 1000 | 2 | 4 | 6 | 0,5 | 3,6 |
| 500 - 999 | 5 | 5 | 10 | 0,8 | |
| 300 - 499 | 11 | 20 | 31 | 2,4 | |
| 200 - 299 | 27 | 15 | 42 | 3,3 | 96,4 |
| 100 - 199 | 92 | 59 | 151 | 11,7 | |
| < 100 | 578 | 474 | 1.052 | 81,4 | |
| Gesamt | 715 | 577 | 1.292 | 100,0 | 100,0 |
Für beide Landkreise liegen ähnliche Ergebnisse vor, die gruppiert nach Geschossen in Abbildung 1 dargestellt sind. Der Anteil niedrigerer Werte steigt prozentual in Erd- und Obergeschossen, während in Kellergeschossen der Anteil höherer Messwerte zunimmt. Dies passt gut zum bekannten Eindringen von Radon durch Undichtigkeiten in erdberührenden Gebäudeflächen und den wegen der hohen Dichte des Gases tendenziell höheren Konzentrationen in unteren, schlechter durchlüfteten Räumen.
Auffällig ist insgesamt eine sehr ähnliche Messwertverteilung in beiden Landkreisen, tendenziell sind die Werte im Landkreis Holzminden etwas höher.
Geographische Verteilung der Messwerte und regionale Analyse
Abbildung 2 zeigt die geographische Verteilung der Messpunkte im Überblick in Kombination mit der Radonpotenzialkarte des BfS (Stand 07/2025). Das geogene Radonpotenzial hängt überwiegend von der Geologie des Untergrundes ab. Es wird maßgeblich durch zwei gesteinsspezifische Faktoren bestimmt: durch den natürlichen Gehalt an Uran-238 im Ausgangsgestein und die Gaspermeabilität des Bodens. Je höher das geogene Radonpotenzial ist, desto größer ist die Menge an Radon, die zur Verfügung steht und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das radioaktive Gas in Gebäude eindringt und dort zu einer Belastung der Raumluft führt.Die Messwertergebnisse mit einer Referenzwertüberschreitung sind in Rot symbolisiert und überlagern für eine bessere Visualisierung im Datencluster die jeweils niedrigeren Werte.
Die niedrigsten Messwerte unterschreiten 20 Bq/m³, während der höchste Messwert bei 3.554 Bq/m³ liegt.
Die durchschnittliche Radonaktivitätskonzentration in Aufenthaltsräumen der beiden Landkreise kommt dem bundesweiten Durchschnitt in Deutschland von etwa 50 Bq/m³ sehr nahe (Hameln-Pyrmont ~50 Bq/m³, Holzminden ~59 Bq/m³).
Die relativ gleichmäßige Verteilung der Referenzwertüberschreitungen zeigt keine Korrelation zu bestimmten geologischen Einheiten. Aufgrund des eher gleichmäßigen Verteilungsmusters ohne erkennbare Hotspots scheint für die Referenzwertüberschreitungen vielmehr die individuelle radondurchlässige Gebäudestruktur ausschlaggebend zu sein. Im Wesentlichen treten die Referenzwertüberschreitungen in Baujahresklassen vor dem Jahre 2000 auf, der prozentual höchste Anteil liegt bei Gebäuden, die vor 1900 errichtet wurden (11%). Übliche Ursachen sind Radon-Eintrittspfade durch allgemeine Undichtigkeiten des Gebäudebodens oder erdberührenden Mauerwerks (Naturböden, mangelnder Feuchteschutz, Rohrdurchführungen, Setzrisse, ...).
Die Auswertung bestätigt, dass auch in Regionen mit mittlerem oder geringerem Radonpotenzial erhöhte Radon-222-Aktivitätskonzentrationen in Gebäuden auftreten können, jeweils abhängig von der Gebäudekonstitution mit den vorherrschenden Lüftungsbedingungen.
Fazit und Ausblick
Die Messkampagne 2025/26 des NLWKN ist erneut auf sehr großes Interesse gestoßen. Im Rahmen der Auswertung konnte für beide Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden kein erhöhtes Grundrisiko durch eine überdurchschnittliche Radonbelastung festgestellt werden.
Die Messkampagnen werden in ähnlicher Form fortgesetzt, zunächst vorrangig in Regionen, für die bisher kaum oder keine Radon-Innenraummesswerte zur Verfügung stehen und für die höhere bis mittlere Radonpotenziale prognostiziert werden. Richtungsweisend für die zukünftige Auswahl der Regionen zur weiteren Datenerfassung ist die Radonpotenzialkarte des BfS, welche die Schwerpunktregionen überwiegend im südlichen Niedersachsen vorhersagt (siehe Abbildung 3).
Durch den fortlaufenden Abgleich von Simulationen oder Prognosen mit tatsächlichen Messwerten lassen sich Modellparameter schrittweise optimieren. So bildet die systematische Erfassung von Messdaten im Rahmen der Messkampagnen ein wichtiges Fundament für fortlaufende Verbesserungen der Radon-Prognosekarten.
Radon in Niedersachsen
Radonberatungsstelle des NLWKN
Die Radonberatungsstelle des NLWKN in Hildesheim dient als Anlaufstelle für interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich allgemein zum Thema Radon informieren möchten oder Hilfe bei konkreten Fragestellungen suchen.
(nicht vollständig barrierefrei)
Artikel-Informationen
Ansprechpartner/in:
Radonberatungsstelle im NLWKN
Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
An der Scharlake 39
31135 Hildesheim
Tel: 05121/509-313
