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Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Leineaue unter dem Rammelsberg"

(NSG HA 129)


Verordnung über das Naturschutzgebiet "Leineaue unter dem Rammelsberg" in der Stadt Elze, der Stadt Gronau und der Gemeinde Betheln (Samtgemeinde Gronau) sowie der Gemeinde Nordstemmen, Landkreis Hildesheim, vom 11. April 1988

Aufgrund der §§ 24, 29 und 30 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes vom 20. März 1981 (Nds. GVBl. S. 31), zuletzt geändert durch Artikel III, Abs. 4 des Gesetzes vom 11. April 1986 (Nds. GVBl. S. 103), wird verordnet:

§ 1 Naturschutzgebiet

(1) Das in Absatz 2 und 3 näher bezeichnete Gebiet wird zum Naturschutzgebiet "Leineaue unter dem Rammelsberg" erklärt.

(2) Das Naturschutzgebiet liegt östlich der Stadt Elze in der Gemarkung Elze, Stadt Elze, der Gemarkung Burgstemmen, Gemeinde Nordstemmen sowie den Gemarkungen Betheln, Gemeinde Betheln und Gronau, Stadt Gronau in der Samtgemeinde Gronau, Landkreis Hildesheim.

(3) Die Abgrenzung des Naturschutzgebietes ergibt sich aus der mitveröffentlichten Karte. Die Grenze ist dort durch eine Punktreihe gekennzeichnet. Sie verläuft auf der Linie, welche die Punktreihe von außen berührt.

(4) Das Naturschutzgebiet ist rd. 200 ha groß.

§ 2 Schutzzweck

(1) Das Naturschutzgebiet liegt im Bereich des Mittellaufes der Leine, die hier von den Mittelgebirgen zur Norddeutschen Tiefebene überleitet.

Geologisch gesehen ist das Gebiet äußerst abwechslungsreich und umfaßt Vorkommen ortstypischer Festgesteine, Lockergesteinsschichten des Eiszeitalters sowie Auelehme der Nacheiszeit.

Aufgrund der ökologischen Gegebenheiten (Fließgeschwindigkeit, Bodenarten, durchschnittliche Jahrestemperatur, Sauerstoffgehalt) ist dieser Abschnitt der Leine, entsprechend den namensgebenden Leitfischarten, der Barben- und Brachsenregion (Übergang) zuzuordnen.

Die für diesen Flußabschnitt natürlichen, periodisch auftretenden Überflutungen haben zur Ausbildung der stark gegliederten Bodenoberfläche in der Aue geführt. Sie tragen auch wesentlich zur Entstehung und Entwicklung unterschiedlicher Vegetationsstrukturen bzw. Biotoptypen bei und beeinflussen in starkem Maße die Art und Intensität der Nutzungen im Überschwemmungsbereich.

Im Naturschutzgebiet sind aufgrund der weitgehend natürlichen Auendynamik viele Bestandteile einer typischen Flußauenlandschaft, z. B. Weichholz- u. Hartholzauenwälder, Altarme, Flutmulden, Feuchtwiesen und staudenreiche Brachflächen, erhalten. Ihre Strukturvielfalt und die eng miteinander verzahnte Lage der einzelnen Biotoptypen bieten Lebensraum für eine Vielzahl von schutzbedürftigen Tier- und Pflanzenarten bzw. Pflanzengesellschaften.

Darüber hinaus weisen weitere Flächen zur Zeit für den Naturschutz weniger wertvolle Äcker und Grünländereien auf, die jedoch nach entsprechenden Entwicklungsmaßnahmen künftig ebenfalls schutzwürdigen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten sollen.

Die zur Leineaue steil abfallenden Hänge des Rammelsberges und des Uthberges sind dagegen durch Biotope gekennzeichnet (Wälder, Magerrasen, Streuobstwiesen, Gebüsche), die aufgrund ihrer räumlichen Nähe zur Flußaue insbesondere für die Tierwelt bedeutsam sind (Wechselbeziehungen). Zwei Sandgruben im Talrandbereich bieten darüber hinaus weiteren gefährdeten und schutzbedürftigen Tier- und Pflanzenarten Ersatzlebensräume, die heute in einer Flußaue kaum mehr zu finden sind.

(2) a) Ziel dieser Verordnung ist die Erhaltung, Pflege und Entwicklung einer natürlichen Flußlandschaft mit ihren typischen Biotoptypen. Die Lebensstätten der Tier- und Pflanzenarten sollen vor Störungen und Beeinträchtigungen bewahrt werden. Bei der Verwirklichung der Schutzziele kommt der Entwicklung von Auewäldern und Altarmen sowie deren Lebensgemeinschaften besondere Bedeutung zu. Dies soll insbesondere durch die Umwandlung von Ackerflächen ermöglicht werden.

Außerdem sollen Biotope außerhalb des Überschwemmungsbereichs durch geeignete Maßnahmen erhalten und verbessert werden (z. B. sukzessive Umwandlung der Wälder in naturnahe Laubwaldbestände, Erhaltung von vegetationsarmen Flächen in den Sandgruben sowie von Gebüschen, Streuobstwiesen und Magerrasen).

b) Das Landschaftsbild soll in seiner Vielfalt, besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit erhalten, gepflegt und entwickelt werden.

§ 3 Verbote

(1) Nach § 24 Absatz 2 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes sind im Naturschutzgebiet alle Handlungen verboten, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern.

(2) Das Naturschutzgebiet darf außerhalb der in der mitveröffentlichten Karte gekennzeichneten Wege nicht betreten werden.

(3) Außerdem ist es nach § 24 Absatz 3 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes verboten, im Naturschutzgebiet Hunde frei laufen zu lassen.

§ 4 Freistellungen

Abweichend von den Verboten des § 3 sind zugelassen und bedürfen keiner naturschutzrechtlichen Genehmigung:

1. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung als Acker der in der Karte entsprechend dargestellten Flächen;

2. die Umwandlung von Acker in Auwald, Grünland oder Brache;

3. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung als Grünland der in der Karte entsprechend dargestellten Flächen, jedoch ohne Reliefveränderung, Umbruch und Entwässerung;

4. die Umwandlung von Grünland in Auwald oder Brache;

5. die ordnungsgemäße Forstwirtschaft, Pflege und Verjüngung aller in der Karte gekennzeichneten Waldbestände nach folgenden, aus dem Schutzzweck abgeleiteten Grundsätzen:

a) ausschließliche Förderung von Baumarten der potentiellen natürlichen Vegetation (unter besonderer Berücksichtigung der Nebenbaum- und Straucharten);

b) außerhalb des gesetzlichen Überschwemmungsgebietes einzelstamm- bis horstweise und bodenschonende Nutzung der Laubwaldbestände;

c) innerhalb des gesetzlichen Überschwemmungsgebietes einzelstammweise und bodenschonende Nutzung der Laubwaldbestände sowie die horstweise bodenschonende Nutzung der Hybridpappelbestände;

d) Belassung des anfallenden Totholzes;

e) Erhalt von mindestens 10 Stämmen/ha der Baumarten der potentiellen natürlichen Vegetation bis zu ihrem natürlichen Zerfall in den Laubwaldbeständen innerhalb des gesetzlichen Überschwemmungsgebietes;

f) Maßnahmen zum sukzessiven Umbau der vorhandenen Nadelholz- und Hybridpappelbestände in naturnahe Laubwaldbestände;

g) Erneuerung der Laubwaldbestände vorrangig durch kleinflächige Naturverjüngung;

h) Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenbehandlungs- und Düngemitteln;

6. die mechanische Unterhaltung von Gewässern II. Ordnung gem. einem im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde zu erstellenden Unterhaltungsrahmenplan;

7. die ordnungsgemäße Unterhaltung der vorhandenen 20 kV-Freileitung;

8. der Betrieb von Modellflugzeugen bis zum März 1992;

9. die Fischerei am westlichen (linken) Leineufer ganzjährig sowie am östlichen (rechten) Leineufer vom 01. Sept. bis 01. März;

10. das Durchfahren des Naturschutzgebietes auf der Leine mit Booten ohne Verbrennungsmotor;

11. die ordnungsgemäße Unterhaltung der vorhandenen Erdgas-Hochdruckleitungen;

12. die Wahrnehmung von bergrechtlichen Erlaubnissen und Bewilligungen, die beim Inkrafttreten dieser Verordnung bestandskräftig sind; die Neueinrichtung von Anlagen im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde;

13. die Anlage und ordnungsgemäße Unterhaltung der in der Karte dargestellten Fernmeldeleitung;

14. das Betreten des Gebietes durch Eigentümer und Nutzungsberechtigte;

15. Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung sowie zur Pflege und Entwicklung des Naturschutzgebietes, die im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde durchgeführt werden.

§ 5 Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen

(1) Die Maßnahmen nach § 4 Nr. 15 erfolgen auf der Grundlage des Schutzzweckes und den daraus abgeleiteten Grundsätzen. Die Maßnahmen nach § 4 Nr. 5 werden für die in forstfiskalischem Eigentum befindlichen Flächen in einem Pflegeplan dargestellt und im forstlichen Einrichtungswerk festgelegt. Die Maßnahmen nach § 4 Nr. 5 für die in Privatbesitz befindlichen Flächen können in den Pflegeplan mit aufgenommen werden.

(2) Zur Pflege und Entwicklung des Gebietes sind von den Eigentümern und Nutzungberechtigten Pflegemaßnahmen, insbesondere zur Entwicklung von Auwäldern und Grünland, zu dulden.

§ 6 Befreiungen

Von den in dieser Verordnung aufgeführten Verboten kann die Bezirksregierung Hannover auf Antrag Befreiungen gemäß § 53 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes gewähren.

§ 7 Verstöße

(1) Ordnungswidrig gemäß § 64 Nr. 1 bzw. Nr. 4 Niedersächsisches Naturschutzgesetz handelt, wer, ohne daß eine Befreiung erteilt wurde, vorsätzlich oder fahrlässig

- entgegen § 3 Abs. 2 das Naturschutzgebiet außerhalb der in der mitveröffentlichten Karte gekennzeichneten Wege betritt;

- entgegen § 3 Abs. 3 im Naturschutzgebiet Hunde frei laufen läßt;

- entgegen § 3 Abs. 1 Handlungen vornimmt, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann gemäß § 65 Niedersächsisches Naturschutzgesetz mit einer Geldbuße bis zu 50.000,-- DM geahndet werden.

(3) Die in Absatz 1 aufgeführten Verstöße können zudem eine strafbare Handlung gemäß § 329 Absatz 3 oder § 330 des Strafgesetzbuches sein.

§ 8

Jagdliche Belange werden durch diese Verordnung nicht geregelt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Hannover in Kraft.

Hannover, den 11. April 1988

Bezirksregierung Hannover

507-22222 HA 129

Im Auftrage

Meyer

Abteilungsdirektor

Abl. RBHan. 1988/Nr.9 (Seite 273)

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1. Änderungsverordnung vom 18. Juli 1991 ( PDF, 1,3 MB)

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Verbindlich sind für alle Schutzgebiete die im Amtsblatt veröffentlichten Verordnungen bzw. Karten.

NSG-Schild

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Artikel-Informationen

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover

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