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Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Alte Leine"

(NSG HA 191)


Verordnung der Bezirksregierung Hannover über das Naturschutzgebiet "Alte Leine" in den Städten Laatzen, Pattensen und Hemmingen, Landkreis Hannover, vom 22.04.1999.

Aufgrund der §§ 24, 28c, 29 und 30 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes in der Fassung vom 11.04.1994, zuletzt geändert durch das 11. Gesetz zur Änderung des Niedersächsischen Wassergesetzes vom 11.02.1998 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt, Seite 86 ff) wird verordnet:

§ 1 Naturschutzgebiet

(1) Das in den Absätzen 2 und 3 näher bezeichnete Gebiet wird zum Naturschutzgebiet "Alte Leine" erklärt.

(2) Das Naturschutzgebiet befindet sich in der Stadt Laatzen in den Gemarkungen Grasdorf (Flur 4, 5 und 6) und Laatzen (Flur 1), in der Stadt Pattensen in den Gemarkungen Koldingen (Flur 1 und 2) und Reden (Flur 1 und 2) sowie in der Stadt Hemmingen in den Gemarkungen Harkenbleck (Flur 1 und 2), Hemmingen-Westerfeld (Flur 2) und Wilkenburg (Flur 1).

(3) Die genaue Abgrenzung des Naturschutzgebietes ergibt sich aus der Karte, die Bestandteil dieser Verordnung ist. Die Grenze ist dort durch eine Punktreihe dargestellt. Die Grenze verläuft auf der Linie, die die Punkte von außen berührt. Gehölzstrukturen an Gräben und Fließgewässern am Rande des Naturschutzgebietes, die von der Punktreihe berührt werden, gehören zum Naturschutzgebiet.

(4) Das Naturschutzgebiet ist ca. 317 ha groß.

§ 2 Schutzgegenstand und Schutzzweck

(1) Schutzgegenstand

Das Naturschutzgebiet umfasst Teilbereiche des Leine- und Fuchsbachtales zwischen Koldingen und Hannover innerhalb des Naturraumes "Calenberger Lössbörde". Die heutige Gestalt der Landschaft ist geprägt durch eiszeitliche und nacheiszeitliche Abtragungen und Ablagerungen von Fließgewässern. Überflutungen der Leinehochwässer, die auch heute noch häufig im Naturschutzgebiet auftreten, ließen einst in diesem Bereich ausgedehnte Auenwälder entstehen, die heute bis auf Restbestände einer überwiegend landwirtschaftlichen Nutzung gewichen sind.

Das Naturschutzgebiet besteht im Wesentlichen aus folgenden Landschaftsteilen:
- Grünland unterschiedlicher Feuchtegrade und Nutzungsintensitäten,
- Wald und kleinere Gehölzbestände unterschiedlicher Feuchtegrade und Sukzessionsstadien,
- natürliche Flutmulden, verlandende Altarmreste und flache, teilweise verfüllte Auelehm-Abgrabungsgewässer mit periodischer Wasserführung sowie tiefere Kiesabgrabungsgewässer,
- Fließgewässer unterschiedlicher Breite und Wasserführung mit überwiegend naturnahen Strukturen und Gehölzsäumen,
- Acker.

Besonders schützenswerte Biotope sind:
- die naturnahen Fließgewässerabschnitte einschließlich ihrer Ufer- und Randbereiche,
- die sich naturnah entwickelnden künstlich und natürlich entstandenen Stillgewässer einschließlich ihrer Ufer- und Randbereiche,
- die Restbestände der Weichholz- und Hartholz-Auenwälder, auch wenn sie nicht mehr der potentiell natürlichen Artenzusammensetzung entsprechen,
- alle sonstigen Feuchtbereiche, wie Feuchtgebüsche, Röhrichte, Hochstaudenfluren und Feuchtgrünland.

Die Ausstattung des Gebietes mit verschiedenen, besonders schutzwürdigen Biotopen ist die Grundlage für das Vorkommen von zahlreichen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und ihren Lebensgemeinschaften.

Hervorzuheben ist außerdem die Bedeutung des Naturschutzgebietes als Rastgebiet für zahlreiche Gastvogelarten.

(2) Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung und Entwicklung einer dem natürlichen Potential der Aue angepassten Kulturlandschaft mit ihren charakteristischen, teilweise seltenen oder gefährdeten Ökosystemen, Lebensgemeinschaften, Pflanzen- und Tierarten. Weiterhin sollen die naturbedingte Vielfalt und Eigenart und die landschaftliche Schönheit des Gebietes erhalten und gefördert werden.

Insbesondere wird angestrebt:
- die Erhaltung der Überschwemmungsdynamik,
- die Erhaltung der besonderen Funktion des Gebietes für die Grundwasserneubildung,
- die Vermeidung von Grundwasser senkenden Maßnahmen unter Berücksichtigung der Trinkwassergewinnung,
- eine möglichst naturnahe Entwicklung von Fließgewässern und Uferrandstreifen unter Berücksichtigung der landschaftsbildprägenden Kopfweiden,
- auf landwirtschaftlich genutzten Flächen eine extensive Grünlandbewirtschaftung,
- in weiträumigen Grünlandbereichen die Erhaltung der offenen Landschaft, um die Biotopansprüche der Wiesenvögel zu erfüllen,
- auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen eine naturnahe Waldbewirtschaftung- mit einer der potentiell natürlichen Vegetation entsprechenden Artenzusammensetzung,
- auf ungenutzten Flächen, in Stillgewässern, Verlandungsbereichen und an Gewässerufern eine weitestgehende Selbstentwicklung der Natur,
- die Beruhigung des Hermann-Bettels-Sees (Steinfeldsees), um seine Eignung als Rastgebiet für durchziehende und überwinternde Vogelarten zu verbessern und um eine möglichst ungestörte Entwicklung als Brutvogellebensraum zu förden.

§ 3 Verbote

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern, sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist.

(2) Das Naturschutzgebiet darf nur auf den Wegen betreten werden, soweit sie nicht gesperrt sind.

(3) Darüber hinaus sind folgende Handlungen, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile gefährden oder stören können, verboten:
1. Hunde frei laufen zu lassen,
2. wildlebende Tiere zu füttern,
3. wildlebende Tiere durch Lärm oder auf andere Weise auch von außerhalb des Naturschutzgebietes zu stören,
4. innerhalb des Naturschutzgebietes und außerhalb in einer Zone von 500 m Breite um das Naturschutzgebiet herum Modellflug zu betreiben oder sonstige, nicht zulassungspflichtige Luftfahrzeuge aller Art (z.B. Drachen) zu starten,
5. einen Gewässerrandstreifen von 1m Breite ab Böschungsoberkante von Gewässern, die im Naturschutzgebiet liegen, zu beackern und dort Pflanzenschutzmittel oder Dünger aufzubringen.

(4) Die ordnungsgemäße Jagdausübung bleibt von den Regelungen dieser Verordnung unberührt, soweit sie sich auf das Recht zum Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen, Fangen und Aneignen von Wild, auf die Hege und den Jagdschutz bezieht. Verboten ist gemäß § 3 Abs. 1 jedoch weiterhin die Anlage von:
1. Luder-, Kirrungs- und Futterplätzen,
2. Wildäckern, außer auf Ackerflächen
3. Wildfütterungsanlagen außerhalb der Notzeiten,
4. fest mit dem Boden verbundenen jagdwirtschaftlichen Einrichtungen, wie Jagdhütten, Hochsitzen und anderen baulichen Anlagen.

§ 4 Freistellungen

(1) Von den Verboten des § 3 sind freigestellt und bedürfen keiner naturschutzrechtlichen Zustimmung, Erlaubnis oder Befreiung:

1. das Betreten des Gebietes auch außerhalb der Wege für die Eigentümer und Nutzungsberechtigten, soweit dies zur rechtmäßigen Nutzung oder Bewirtschaftung erforderlich ist;

2. das Reiten auf dem Flurstück 53, Flur 6, Gemarkung Grasdorf entlang der "Harkenblecker Furt", sofern dies vom Eigentümer geduldet wird;

3. die Unterhaltung und Instandsetzung von Wegen und Brücken sowie die Erneuerung von Brücken im bestehenden Wegenetz;

4. die ordnungsgemäße mechanische Unterhaltung von Gewässern II. Ordnung, soweit diese nach einem zuvor aufgestellten, mit der oberen Naturschutzbehörde abgestimmten Unterhaltungsrahmenplan oder nach einem jährlich zu erstellenden, mit der oberen Naturschutzbehörde abgestimmten Unterhaltungsplan (Arbeitsplan) durchgeführt wird;

5. die ordnungsgemäße mechanische Unterhaltung von Gewässern III. Ordnung, soweit diese nach entsprechend fachspezifischen und naturschutzfachlich abgestimmten Vorgaben der unteren Wasserbehörde durchgeführt wird;

6. die ordnungsgemäße Forstwirtschaft auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Wald" dargestellten Flächen mit folgenden -Maßgaben:
a) kein Kahlschlag,
b) kein zusätzlicher Wegebau,
c) keine Maßnahmen, die eine Entwässerung über das vorhandene Maß hinaus bewirken,
d) Verjüngung nur mit Baumarten der potentiell natürlichen Vegetation (z.B. Schwarzerle, Esche, Stieleiche),
e) bestmögliche Schonung des Bodens und der Krautschicht,
f) keine Düngung und keine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln;

7. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Acker" dargestellten Flächen;

8. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Dauergrünland 1" dargestellten Flächen mit folgenden Maßgaben:
a) keine Umwandlung der Grünland- in Ackernutzung sowie keine Einebnung oder Planierung,
b) keine Maßnahmen, die eine Entwässerung über das vorhandene Maß hinaus bewirken,
auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Dauergrünland 2" dargestellten Flächen mit folgenden zusätzlichen Maßgaben:
c) keine Grünlanderneuerung, Nachsaat als Übersaat möglich,
d) keine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln,
e) kein Aufbringen von organischem Dünger;

9. die Anlage von Viehtränken und die Errichtung von Weidezäunen in ortsüblicher Bauweise;

10. Maßnahmen zur Beseitigung von Hochwasserschäden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen;

11. die ordnungsgemäße Ausübung der Sportfischerei am Fuchsbach und an der Alten Leine sowie an den in der mitveröffentlichten Karte als Angelgewässer dargestellten Teichen, jedoch ohne die Neuanlage von Angelplätzen;

12. der fachgerechte Rückschnitt von Gehölzen im Rahmen der Wegeunterhaltung, der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzung und der Unterhaltung bestehender Angelplätze an den für die Sportfischerei freigegebenen Teichen;

13. die Trinkwassergewinnung, sowie Unterhaltungs- und Messarbeiten, die der Wassergewinnung, Wasserförderung und Aufrechterhaltung des Betriebes des Wasserwerkes Grasdorf dienen;

14. die Überwachung und Unterhaltung der bestehenden Trinkwasserleitungen;

15. der Betrieb und die Unterhaltung der bestehenden Starkstromleitungen (Freileitungen und Erdkabel).

(2) Eine von den Bestimmungen des Absatzes 1, Nummern 4., 5., 6., 8. abweichende Bewirtschaftung oder Maßnahme ist dann freigestellt, wenn die obere Naturschutzbehörde im Einzelfall auf Antrag ihre Zustimmung erteilt hat.

Die Zustimmung ist zu erteilen, wenn durch die Abweichung keine erheblichen Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes verursacht werden und die Vereinbarkeit mit dem Schutzzweck der Verordnung gewährleistet ist.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

Die obere Naturschutzbehörde erteilt auf Antrag eine naturschutzrechtliche Erlaubnis zur Durchführung folgender Maßnahmen, sofern dadurch der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird:

1. Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung des Naturschutzgebietes und seiner landschaftlichen Eigenart und Schönheit,

2. dem Schutzzweck dienende Untersuchungen,

3. das Betreten des Gebietes für die wissenschaftliche Forschung und Lehre einschließlich der hierfür erforderlichen Maßnahmen,

4. die Errichtung von ortsüblichen Weideunterständen,

5. die Verlegung von Rohrleitungen zur Erweiterung des bestehenden Trinkwasserversorgungsnetzes.

§ 6 Befreiungen

Von den Verboten dieser Verordnung kann die obere Naturschutzbehörde auf Antrag Befreiung nach den Vorschriften des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes gewähren.

§ 7 Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen

(1) Zur Pflege und Entwicklung des Gebietes ist von den Eigentümern und Nutzungsberechtigten das Aufstellen von Schildern zur Kennzeichnung des Naturschutzgebietes und zur Information über das Gebiet zu dulden.

(2) Die obere Naturschutzbehörde kann nach § 29 Absatz 1 Satz 2 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen gegenüber den Eigentümern und sonstigen Nutzungsberechtigten anordnen.

§ 8 Verstöße

(1) Wer den in § 3 aufgeführten Verboten zuwiderhandelt bzw. wer ohne die erforderliche Freistellung, Zustimmung, Erlaubnis oder Befreiung der §§ 4 bis 6 handelt, begeht gemäß § 64 Nr. 1 oder Nr. 4 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes eine Ordnungswidrigkeit oder gemäß § 329 Absatz 3 oder § 330 Strafgesetzbuch eine strafbare Handlung.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann gemäß § 65 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes mit einer Geldbuße bis zu 50.000,-- DM, bei Verstößen gegen § 3 Absätze 1 und 2 mit einer Geldbuße bis zu 100.000,-- DM geahndet werden.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Hannover (Abl. RBHan.) in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung über das Naturschutzgebiet "Laatzener Teiche" vom 23.10.1979 (Abl. RBHan. 1979, S. 824) außer Kraft.

Hannover, den 22.04.1999

BEZIRKSREGIERUNG HANNOVER

Im Auftrage

Dr. Keuffel

Abteilungsdirektor

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Verbindlich sind für alle Schutzgebiete die im Amtsblatt veröffentlichten Verordnungen bzw. Karten.

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Artikel-Informationen

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover

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