NLWKN

Deichbauarbeiten zwischen Varel und Dangast kurz vor dem Start

Küstenschutzprojekt soll Fehlhöhen ausgleichen // Deichsicherungsweg ab Mitte Juni gesperrt


Den Deich im Blick (v.l.): Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Rolf Neuhaus (LK Friesland), Verbandsvorsteher Peter Aengeneyndt, Thorsten Wehrmann (NLWKN), Jochen Meier (LK Friesland) und Landrat Sven Ambrosy (Foto: Romina Desenz/LK Friesland)   Bildrechte: Romina Desenz/LK Friesland
Den Deich im Blick (v.l.): Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Rolf Neuhaus (LK Friesland), Verbandsvorsteher Peter Aengeneyndt, Thorsten Wehrmann (NLWKN), Jochen Meier (LK Friesland) und Landrat Sven Ambrosy (Foto: Romina Desenz/LK Friesland)

Gemeinsame Presseinformation des II. Oldenburgischen Deichbands, des Landkreises Friesland und des NLWKN:

Varel/Brake. Zu niedrig, zu steil: die Hauptdeichlinie zwischen Dangast und Vareler Siel hat durch Setzungen über die Jahre an Höhe verloren. Sie entspricht auch baulich nicht mehr den Erkenntnissen des modernen Küstenschutzes. Von Juni bis Oktober 2026 werden an dem Deichabschnitt im Landkreis Friesland deshalb in zwei Bauabschnitten umfangreiche Erdbaumaßnahmen durchgeführt. Während der Bauzeit muss der bei Fußgängern und Radfahrern beliebte Deichsicherungsweg dabei gesperrt bleiben.

Der betroffene Deichabschnitt, der sogenannte Nordendergrodendeich, war zuletzt Ende der 1960er Jahre auf eine Höhe von 7,40 Meter über NHN ausgebaut worden. In gleich mehreren Bereichen hat der Hauptdeich inzwischen allerdings merklich an Höhe verloren: So ergaben Deichhöhenmessungen zuletzt in Teilabschnitten Höhen von nur noch rund sieben Metern. Ursache für den Höhenverlust sind in mehreren Metern Tiefe liegende Torfbänder, die über die Zeit weiter komprimiert werden. „Diese sogenannten Langzeitsetzungen bewegen sich im normalen Rahmen für unseren Raum am Jadebusen“, erklärt Thorsten Wehrmann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Im Interesse eines bestmöglichen Schutzes vor Sturmfluten trieben der Hauptdeichverband gemeinsam mit dem NLWKN und dem Landkreis Friesland dennoch Planungen voran, um die alte Deichhöhe wieder herzustellen.

Eine Rolle spielen dabei auch weitere Defizite des betroffenen Deichkörpers, denn die Erkenntnisse und Ansätze des Küstenschutzes haben sich seit den 60er Jahren weiterentwickelt, wie Thorsten Wehrmann vom NLWKN Brake-Oldenburg betont: „Neben den partiellen Fehlhöhen hat der gesamte Deichabschnitt auch eine aus heutiger Sicht zu steile Außenböschung. Diese wirkt sich negativ auf den Wellenauflauf aus“. Umso steiler die Deichneigung, umso höher schwappe das Wasser nach dem Brechen der Welle den Deich hinauf.

Ortsnahe Kleibodenentnahme

Inzwischen liegen alle erforderlichen Genehmigungen für das Küstenschutzvorhaben vor – bereits Mitte Juni soll mit der Einrichtung der Baustelle an dem betroffenen rund 5,85 Kilometer langen Deichabschnitt begonnen werden. Der für das Deichbauvorhaben erforderliche Kleiboden wird ortsnah auf einer bereits genehmigten Kleiabbaufläche gewonnen. Diese verbandseigenen Flächen liegen an der vorhandenen, rund 1,2 Hektar großen Kleipütte im Vogelschutzgebiet „Marschen am Jadebusen“ nördlich des Vareler Binnentiefs. „Insgesamt werden hier in diesem Jahr rund 50.000 Kubikmeter Kleiboden abgebaut und über den Deichverteidigungsweg an den Deich gefahren“, erläutert Jörg Weimann vom II. Oldenburgischen Deichband. Eingebaut wird der Kleiboden auf die Deichaußenböschung sowie auf die Deichkrone.

Die umfangreichen Arbeiten haben auch Auswirkungen auf die Befahrbarkeit der umliegenden Wege und Flächen: Da die betroffenen Areale jeweils im Bereich der landwirtschaftlichen Zuwegungen zu den Grodenflächen liegen, müssen neben den stark frequentierten Deichverteidigungswegen auch diese Zuwegung während der Bauzeit gesperrt werden. Die Kleitransporte werden voraussichtlich Anfang Juli beginnen. Bis zum 15. September müssen sie abgeschlossen sein, so Thorsten Wehrmann vom NLWKN, der die Bauplanung übernimmt: „Das Baufenster für die Transportzeiten ergeben sich aus dem Deich- und Naturschutzrecht“.

Die Sperrung des Deichweges erfolgt bereit ab dem 15. Juni im Zuge der Einrichtung der Baustelle. Zur Vorbereitung der anstehenden Bauarbeiten werden dann Baustraßen hergestellt. Auch der Deich selbst wird für den Kleieinbau entsprechend profiliert und vorbereitet. Umfangreichere vorhandene Straßenschäden am Deichverteidigungsweg werden provisorisch repariert, um zusätzliche größere Schäden durch die Transporte zu verhindern. Nach Abschluss der Kleitransporte wird der Deichverteidigungsweg soweit wieder hergestellt, dass er zum Abschluss des Vorhabens wieder für den öffentlichen Fuß- und Radverkehr geöffnet werden kann erläutert Peter Aengeneyndt vom II. Oldenburgischen Deichband.

Planungen laufen parallel weiter

Parallel zu den jetzt anlaufenden Arbeiten, für die der Bund und das Land Niedersachsen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen, treiben die Akteure die Planungen für den weiteren Ausbau des Abschnitts nach den Vorgaben der niedersächsischen Küstenschutzstrategie weiter voran. Zurzeit wird ermittelt, wieviel Kubikmeter deichfähiger Kleiboden hier im unmittelbaren Deichbereich zur Verfügung stehen. Parallel dazu laufen Arbeiten zur Ermittlung des erforderlichen Deichprofils. „Fest steht schon heute, dass der neue Deich eine wesentlich größere Deichbreite haben wird“, betont der Landrat Sven Ambrosy.

Der 5,85 Kilometer lange Nordendergrodendeich auf dem Lageplan: die Anpassungsabschnitte mit Fehlhöhen von bis zu vierzig Zentimetern sind braun markiert (Grafik: NLWKN).   Bildrechte: NLWKN
Der 5,85 Kilometer lange Nordendergrodendeich auf dem Lageplan: die Anpassungsabschnitte mit Fehlhöhen von bis zu vierzig Zentimetern sind braun markiert (Grafik: NLWKN).
Blick vom Deich auf die bereits vorhandene Kleiabbaufläche. Der Kleiabbau für das diesjährige Vorhaben wir im hinteren Bereich der Fläche erfolgen (Bild: NLWKN). Bildrechte: NLWKN
Blick vom Deich auf die bereits vorhandene Kleiabbaufläche. Der Kleiabbau für das diesjährige Vorhaben wir im hinteren Bereich der Fläche erfolgen (Bild: NLWKN).
NLWKN-Logo Bildrechte: NLWKN

Artikel-Informationen

erstellt am:
12.06.2026
zuletzt aktualisiert am:
19.06.2026

Ansprechpartner/in:
NLWKN Pressestelle

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76a / Am Sportplatz 23
30453 Hannover / 26506 Norden
Tel: +49 (0)511 3034-3322 sowie +49 (0)4931/ 947 -173 und +49 (0)4931/ 947 -181
Fax: +49 (0)4931/947 - 222

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln