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Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Boekzeteler Meer"

(NSG WE 231)


Verordnung vom 22.04.1998 über das Naturschutzgebiet "Boekzeteler Meer" in der Gemeinde Moormerland, Landkreis Leer, und der Gemeinde Großefehn, Landkreis Aurich

Aufgrund der §§ 24 und 30 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes (NNatG) i. d. F. vom 11.04.1994 (Nds. GVBl., S. 155, 267), zuletzt geändert durch Gesetz vom 11.02.1998 (Nds. GVBl., S. 86), wird verordnet:

§ 1 Unterschutzstellung

(1) Das in Abs. 3 näher bezeichnete Gebiet wird zum Naturschutzgebiet "Boekzeteler Meer" erklärt.

(2) Das Naturschutzgebiet ist ca. 102 ha groß.

(3) Das Naturschutzgebiet umfaßt die südlich des Timmeler Meeres gelegenen Flächen innerhalb der im Rahmen der Herstellung des Timmeler Meeres und des Retentionsbeckens "Boekzeteler Meer" entstandenen Verwallung mitsamt

- der Verwallung bis zum außenseitigen Wallrandgraben, vom Auslauf des Fehntjer Tiefs aus dem Timmeler Meer entlang der Straße L 14 nach Süden, dann nach Osten schwenkend bis zum Boekzetelerfehnkanal, entlang des Boekzetelerfehnkanals und später in der Flucht des Kanals nach Nordosten schwenkend, ohne das Schöpfwerksgelände, bis zum Bagbander Tief,

- der aufgewallten Spülsandfläche am Ostufer des Timmeler Meeres zwischen Timmeler Tief und Bagbander Tief,

- der Insel zwischen Boekzeteler Meer und Timmeler Meer,

- den künstlichen Flachgewässern und Spülsandflächen im Nordwesten des Gebietes (Kört Land),

- dem natürlichen Niedermoorsee Boekzeteler Meer mit ausgeprägten Verlandungszonen im Zentrum des Gebietes und

- den Feucht- bzw. Naßgrünlandbereichen im Westen, Süden und Osten des Boekzeteler Meeres.

Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in der mitveröffentlichten Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25.000 sowie in einer Karte im Maßstab 1 : 5.000 mit einem Punktraster dargestellt. In der Karte im Maßstab 1 : 5.000 ist die strenger geschützte Ruhezone gem. § 4 Abs. 1 Buchstabe d) mit einem Linienraster und die für die Angelfischerei freigegebene Uferstrecke mit Kreuzen dargestellt. Die Außenkante der Raster kennzeichnet die Grenze des Schutzgebietes bzw. der Ruhezone.

Die Ruhezone umfaßt den westlichen Teil des Boekzeteler Meeres und beginnt an der Einmündung des Zuggrabens I in das Boekzeteler Meer. Die östliche Grenze der Ruhezone verläuft von der nordöstlichen Ecke des Flurstückes 11 der Flur 10, Gemarkung Hatshausen, südlich in gerader Linie über das Boekzeteler Meer bis zur nordöstlichen Grenze des Flurstückes 6 der Flur 1, Gemarkung Boekzetelerfehn.

Die für die Angelfischerei freigegebene Uferstrecke umfaßt

- die Uferstrecke entlang der Flurstücke 34/3, 35/4 und 30/2 der Flur 1, Gemarkung Boekzetelerfehn, ab dem Schöpfwerk Boekzeteler Meer bis 50 m vor der Einmündung des Bagbander Tiefs in das Boekzeteler Meer

sowie

- das Ufer des Timmeler Meeres und des Verbindungskanals zwischen Timmeler Meer und Bagbander Tief auf einer Länge von insgesamt 400 m ab der Einmündung des Timmeler Tiefs in das Timmeler Meer.

Die östliche Grenze der Ruhezone und die für die Angelfischerei freigegebene Uferstrecke sind in der Örtlichkeit durch Pfähle mit farbiger Kennzeichnung markiert.

(4) Die vorgenannten Karten sind Bestandteile dieser Verordnung.

(5) Ausfertigungen der Verordnung mit den Karten werden bei der Bezirksregierung Weser-Ems - obere Naturschutzbehörde -, Theodor-Tantzen-Platz 8, 26122 Oldenburg,
und bei der
Gemeinde Moormerland, Theodor-Heuss-Straße 12, 26802 Moormerland,
sowie bei der
Gemeinde Großefehn, Kanalstraße Süd 54, 26629 Großefehn,
aufbewahrt und können dort von jedermann während der Dienstzeiten kostenlos eingesehen werden.

§ 2 Schutzzweck

Das Naturschutzgebiet "Boekzeteler Meer" ist mit seinen in enger ökologischer Beziehung zueinander stehenden Biotoptypen (Niedermoorsee, Verlandungszonen, Röhrichten, Riedern und extensiv genutztem Feucht- und Naßgrünland) Lebensraum für zahlreiche schutzbedürftige, z. T. vom Aussterben bedrohte und sehr störungsempfindliche Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensgemeinschaften.

Die Werte und Lebensraumfunktionen dieses Ökosystemkomplexes sollen durch gezielte Entwicklung sowie natürliche Sukzessionsabläufe langfristig gesichert und optimiert werden.

Von besonderer Bedeutung ist die möglichst ungestörte Entwicklung vor allem der zentralen Gewässerbereiche und die Gewährleistung von Ruhezonen für störungsempfindliche Tiere.

§ 3 Schutzbestimmungen

(1) Gem. § 24 Abs. 2 Satz 1 NNatG sind im Naturschutzgebiet alle Handlungen verboten, die dieses oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern.

(2) Das Betreten und Befahren des Naturschutzgebietes ist verboten.

(3) Ferner sind gem. § 24 Abs. 3 Satz 1 NNatG im Naturschutzgebiet folgende Handlungen verboten, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile gefährden oder stören können:

- Hunde frei laufen zu lassen,

- der Betrieb (Start, Flug einschließlich Überflug, Landung) von nach Luftverkehrsrecht erlaubnisfreien und erlaubnispflichtigen unbemannten Luftfahrzeugen (wie Ballone, Drachen, Flugmodelle mit Verbrennungsmotoren oder Raketenantrieb, fern- oder ungesteuerte Flugkörper mit oder ohne Eigenantrieb),

- die Ruhe der Natur durch Lärm oder auf andere Weise zu stören.

§ 4 Freistellungen

(1) Freigestellt von den Schutzbestimmungen des § 3 dieser Verordnung sind

a) Maßnahmen, zu deren Durchführung eine gesetzliche Verpflichtung besteht. Sie sind hinsichtlich Zeitpunkt und Ausführungsweise vor ihrer Durchführung mit der Bezirksregierung Weser-Ems - obere Naturschutzbehörde - abzustimmen.

b) Maßnahmen, die zur Herstellung, zum Betrieb und zur Sicherung der Hochwasserrückhaltung im erforderlichen Umfang gemäß der im Wege- und Gewässerplan der Flurneuordnung Moormerland-Hatshausen beschriebenen Nutzung als Retentionsbecken notwendig sind. Sie sind hinsichtlich Zeitpunkt und Ausführungsweise vor ihrer Durchführung mit der Bezirksregierung Weser-Ems - obere Naturschutzbehörde - abzustimmen.

c) die Berufsfischerei auf dem Boekzeteler Meer sowie auf dem Bagbander Tief, den beiden Verbindungskanälen Boekzeteler Meer/Timmeler Meer und auf dem Kanal vom Schöpfwerk zum Boekzeteler Meer. Hiervon ausgenommen sind die Bereiche der Schwimmblattvegetationsbestände während der Vegetationsperiode, soweit sie in dieser Zeit sichtbar sind, sowie die Bereiche der Röhrichtbestände. Bei der Reusenfischerei ist die Reuse zum Schutz des Fischotters mit geeigneten Schutzvorrichtungen, wie z. B. Reusengitter, zu versehen.

d) das Befahren und das Ankern mit gekennzeichneten Booten ohne Motorantrieb durch Mitglieder des Bezirksfischereiverbandes für Ostfriesland e.V. zum Zwecke der Fischerei mit der Angel ab dem 15.06. bis zum 31.12. eines jeden Jahres außerhalb der in der Karte im Maßstab 1 : 5.000 dargestellten Ruhezone in der Zeit vom kalendarischen Sonnenaufgang bis zum kalendarischen Sonnenuntergang eines jeden Tages,

e) das Angeln durch Mitglieder des Bezirksfischereiverbandes für Ostfriesland e.V. von der in der Karte im Maßstab 1 : 5.000 mit Kreuzen dargestellten Uferstrecke aus ab dem 15.06. bis zum 31.12. eines jeden Jahres in der Zeit vom kalendarischen Sonnenaufgang bis zum kalendarischen Sonnenuntergang eines jeden Tages,

f) das Betreten oder Befahren des Gebietes

1. durch den Eigentümer und Nutzungsberechtigten sowie deren Beauftragte, soweit dies zur rechtmäßigen Nutzung oder Bewirtschaftung erforderlich ist,

2. durch Bedienstete der Naturschutzbehörden und des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie - Fachbehörde für Naturschutz - sowie deren Beauftragte in Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben dieser Behörden,

g) das Befahren des Verbindungskanales zwischen Timmeler Meer und Bagbander Tief mit Wasserfahrzeugen bis zu einer Geschwindigkeit von 5 km/h in der Zeit vom kalendarischen Sonnenaufgang bis zum kalendarischen Sonnenuntergang eines jeden Tages, wobei an den Ufern des Gewässers mit Wasserfahrzeugen und Booten aller Art nicht angelegt, nicht festgemacht und in dem Gewässer nicht geankert werden darf,

h) die Bewirtschaftung gem. den Vorgaben des Pflege- und Entwicklungsplanes.

(2) Freigestellt sind außerdem mit der Bezirksregierung Weser-Ems - obere Naturschutzbehörde - abgestimmte und von ihr angeordnete Maßnahmen, die dem Schutz, der Erhaltung, der Pflege und der Entwicklung des Naturschutzgebietes dienen.

§ 5 Zustimmungsvorbehalt

(1) Das Betreten oder Befahren des Naturschutzgebietes zum Zwecke der Forschung oder Lehre bedarf der Zustimmung der Bezirksregierung Weser-Ems - obere Naturschutzbehörde -.

(2) Die Zustimmung ist auf Antrag zu erteilen, sofern die Maßnahme den Schutzzweck nicht beeinträchtigt. Die Zustimmung kann mit Nebenbestimmungen versehen werden, die geeignet sind, Beeinträchtigungen oder Gefährdungen des Naturschutzgebietes, einzelner seiner Bestandteile oder seines Schutzzweckes entgegenzuwirken.

§ 6 Befreiungen

Von den Verboten dieser Verordnung kann die Bezirksregierung Weser-Ems - obere Naturschutzbehörde - nach Maßgabe des § 53 NNatG auf Antrag Befreiung gewähren.

§ 7 Hinweise

(1) Die Jagdausübung (i. S. von § 1 Abs. 4 und 5 BJagdG) wird nicht berührt.

(2) Bestehende behördliche Genehmigungen, Erlaubnisse oder sonstige Verwaltungsakte bleiben, soweit dort nichts anderes bestimmt ist, von den Verboten des § 24 Abs. 2 NNatG und den Verboten dieser Verordnung unberührt.

§ 8 Zuwiderhandlungen

(1) Gem. § 329 Abs. 3 Strafgesetzbuch (StGB) wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer entgegen einer zum Schutz eines Naturschutzgebietes oder einer als Naturschutzgebiet einstweilig sichergestellten Fläche erlassenen Rechtsvorschrift Bodenschätze oder andere Bodenbestandteile abbaut oder gewinnt, Abgrabungen oder Aufschüttungen vornimmt, Gewässer schafft, verändert oder beseitigt, Moore, Sümpfe, Brüche oder sonstige Feuchtgebiete entwässert, Wald rodet, Tiere einer i. S. des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützten Art tötet, fängt, diesen nachstellt oder deren Gelege ganz oder teilweise zerstört oder entfernt, Pflanzen einer i. S. des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützten Art beschädigt oder entfernt oder ein Gebäude errichtet und dadurch den jeweiligen Schutzzweck nicht unerheblich beeinträchtigt. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

(2) Gem. § 64 NNatG handelt ordnungswidrig, wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die Vorschriften in § 3, § 4 Abs. 1 und § 5 Abs. 1 dieser Verordnung verstößt.

(3) Ein Verstoß kann gem. § 65 NNatG im Falle des § 3 Abs. 1 und 2, § 4 Abs. 1 und § 5 Abs. 1 dieser Verordnung mit einer Geldbuße bis zu 100.000,- DM, im Falle des § 3 Abs. 3 dieser Verordnung mit einer Geldbuße bis zu 50.000,- DM geahndet werden.

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Weser-Ems in Kraft.

(2) Die "Verordnung zum Schutze von Landschaftsbestandteilen in dem Kreise Aurich" vom 09.11.1938, veröffentlicht im Amtsblatt der Regierung in Aurich vom 24.12.1938, sowie die "Verordnung vom 20.09.1966 zum Schutz von Landschaftsteilen in den Gemeinden Timmel, Boekzetelerfehn und Hatshausen, Landkreis Aurich (Boekzeteler Meer und Umgebung)", veröffentlicht im Amtsblatt der Regierung in Aurich vom 21.10.1966, sind im Geltungsbereich dieser Naturschutzgebietsverordnung nicht mehr anzuwenden.

Oldenburg, den 22.04.1998

Bezirksregierung Weser-Ems

Im Auftrage

Struthoff

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Verbindlich sind für alle Schutzgebiete die im Amtsblatt veröffentlichten Verordnungen bzw. Karten.

NSG-Schild Bildrechte: NLWKN

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Artikel-Informationen

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover

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