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Marschengewässer - Maßnahmen

Im Rahmen der Bearbeitung des Pilotprojektes Marschengewässer wurden mögliche Maßnahmen beschrieben (Planula & BWS GmbH 2006) , die zur Reduzierung oder Behebung der Defizite und Belastungen beitragen. Sie beziehen sich im Wesentlichen auf die festgestellten Defizite Strukturarmut, Wasserstandsschwankungen, Belastungen mit Nährstoffen und ökologische Durchgängigkeit.

Im Rahmen des Pilotprojektes (Phase II) wurden zudem für einzelne Gewässer regionale Maßnahmenpläne erstellt: so für den Hackemühlenbach & das Basbecker Schleusenfleth, für das Wischhafener Schleusenfleth, das Käseburger Sieltief und die Harle.

Bei Marschengewässern fehlen allerdings Erfahrungen zu den mittel- und langfristigen Wirkungen von Renaturierungen. Insofern erscheint es wichtig, dass bei der Planung von Maßnahmen detailliert beschrieben wird, welche Verbesserungen für bestimmte Qualitätskomponenten erreicht werden sollen (Zielbestimmung der Maßnahme). Der Effekt von Maßnahmen ist möglichst im Rahmen eines Monitorings zu dokumentieren.

Abgesehen von Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit ist bei kleinräumigen Renaturierungsmaßnahmen keine wesentliche Verbesserung des ökologischen Zustands/Potenzials zu erwarten. Eine Bündelung von Maßnahmen an einem Gewässer oder Gewässersystem ist zu empfehlen, da hierdurch eine Verstärkung der ökologischen Wirkung zu erwarten ist.

Nachstehende Maßnahmengruppen können - je nach Situation vor Ort - in Marschengewässern auftretende Defizite verringern. Genauere Hinweise finden sich für einzelne prioritäre Marschengewässer in den Handlungsempfehlungen, die für die einzelnen Bearbeitungsgebiete abrufbar sind:

Bearbeitungsgebiet Untere Ems

Bearbeitungsgebiet Wümme

Bearbeitungsgebiet Ilmenau

Bearbeitungsgebiet Leda-Jümme

Bearbeitungsgebiet Unterweser

Bearbeitungsgebiet Aue-Lühe-Schwinge

Bearbeitungsgebiet Hunte

Bearbeitungsgebiet Hadeln

Bearbeitungsgebiet Oste

Wasserqualität

  • Maßnahmen zur Reduktion von stofflichen und thermischen Belastungen aus Punktquellen (z.B. Neubau/Anpassung von Kläranlagen, Anschluss bisher nicht angeschlossener Gebiete an Kläranlagen, Behandlung/Rückhalt von Niederschlagswasser) - Ziel ist eine deutliche Verringerung der Nährstoff- und eine Verbesserung der Sauerstoffsituation.
  • Maßnahmen zur Reduktion diffuser Nähr-/Schadstoff- und Feinsedimenteinträge (Ausweisung von Gewässerrandstreifen, Vernässung von Mooren und Feuchtgebieten, Extensivierung gewässernaher Nutzflächen, Umwandlung von Acker in Grünland) - Ziel ist eine deutliche Verringerung der Nährstoff- und Schwebstoffkonzentrationen.

Hydromorphologie

  • Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt - Die Anlage von (periodisch angebundenen) Seitengewässern, Aufweitungen oder Flachwasserbereichen, die Verbesserung der Ufer- und Sohlenstrukturen z.B. durch Einrichten von Flachwasserbereichen, Anlage von Baumgruppen und Makrophytenpolstern, Einbringen von Baumstämmen und Totholz sowie eine extensive Gewässerunterhaltung kann zur Beseitigung von Strukturdefiziten beitragen. Bei tidebeeinflussten Gewässern kann die Wiederherstellung von Retentionsflächen durch den Rückbau/die Rückverlegung von Deichen eine sinnvolle Maßnahme sein, da hierbei u.a. weitläufige Röhrichte, Flusswatten und Flachwasserbereiche entstehen können.

  • Extensivierung der Gewässerunterhaltung: Unter Berücksichtigung des „ordnungsgemäßen Abflusses" sind Bereiche mit reduzierter Unterhaltung auszuweisen. Allgemein sollte das Entkrauten und Räumen der Gewässer schonend durchgeführt werden.
  • Maßnahmen zur Verminderung von starken Wasserstandsschwankungen - Erarbeiten eines wasserwirtschaftlichen Konzepts zum Wasserstandsmanagement; z.B. Anlage von Retentionsflächen zur Vergleichmäßigung des Wasserstands. Ziel der Maßnahmen sollte die Verringerung der Ufererosion und die Begünstigung von Ufer- und Gewässervegetation sein. Geeignete Maßnahmen stellen eine optimierte Steuerung bei Sielzug / Zuwässerung, eine Anhebung der Winterwasserstände und die Sicherung von Mindestwasserständen durch Einbau von Grundschwellen dar. Zur Kompensation des verminderten Speicherraums kann die Anlage von Speicherpoldern oder von Nebengewässern eine sinnvolle Begleitmaßnahme sein. Bei tidebeeinflussten Gewässern kann der Einbau von Grundschwellen zur Dämpfung der Auswirkungen eines anthropogen stark erhöhten Tidehubs dienen.
 
  • Maßnahmen zur Herstellen der ökologischen Durchgängigkeit - Bau von Umgehungsgerinnen, Rückbau von Stauanlagen, Bau von Fischaufstiegshilfen etc. Diese Maßnahmen sind vor dem Hintergrund der Fischartengemeinschaften, des Besiedlungspotenzials und der Gewässerstruktur des Einzugsgebietes, der Größe des Einzugsgebietes sowie vor dem Hintergrund weiterer möglicherweise vorhandener Querverbauungen und entstehender Synergien (z.B. mit der FFH-Schutzgebietskulisse) zu priorisieren. Ein Rückbau von Querbauwerken oder die Anlage einer Sohlgleite ist der Anlage einer zumeist störungsanfälligen Fischwanderhilfe (Umfluter, Fischpass) vorzuziehen. Die durch den zur Entwässerung erforderlichen Pumpenbetrieb ausgelöste Fischmortalität sollte bei Schöpfwerksrevisionen stets umfassend geprüft und in Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten mit den jeweils aktuellsten technischen Möglichkeiten verringert werden.
 

Maßnahmen zu Verminderung einer anthropogen stark erhöhten Wassertrübung - Je nach Ursache kann eine Verringerung der Trübung z.B. durch Maßnahmen zur Reduktion von Windangriff mittels breitkroniger Einzelgehölze oder Gehölzgruppen oder Maßnahmen zur Verringerung der Ufererosion erreicht werden. Zu bevorzugen ist weiterhin die Entwicklung eines natürlichen Erosionsschutzes durch Röhrichte und ggf. Schwimmblattgürtel. Breite Röhrichtsäume im Überschwemmungsbereich können auch zur Verringerung der Schwebstofffracht und bei entsprechender Bewirtschaftung zur Verringerung der Nährstofffracht beitragen.

Folgende Maßnahmengruppen sind in Marschengewässern vor dem Hintergrund der Zielerreichung gemäß EG-WRRL besonders kritisch zu prüfen:

  • Entschlammung des Gewässers zur Wiederherstellung der Schiffbarkeit und der Entwässerungsfunktion. Es ergeben sich in der Regel keine positiven Effekte für die Lebensraumfunktionen des Gewässers. Eine Ausnahme kann die Entschlammung bei weit fortgeschrittener Verlandung eines Gewässers darstellen.
  • Technische Ufersicherung ohne positive Effekte auf die Uferlebensräume. Hier sind Alternativen zu prüfen, die zusätzlich zu einer Erhöhung der Strukturvielfalt beitragen und die Vernetzung von Wasser- und Uferlebensraum verbessern.
  • Maßnahmen zur Laufverlängerung, Maßnahmen zur Förderung der eigendynamischen Entwicklung, Vitalisierungsmaßnahmen im vorhandenen Profil. Diese Maßnahmen haben in der Regel in nicht tideoffenen Marschengewässern aufgrund der allenfalls periodischen und zum Teil geringen Strömung keine positiven Effekte für die biologischen Qualitätskomponenten.
  • Aufbau eines geschlossenen Gehölzsaumes. Ein geschlossener Gehölzsaum trägt zwar ebenfalls zur Reduktion des Windangriffs bei, führt bei Marschengewässer aber zu einem erheblichen Eintrag Sauerstoff zehrender Biomasse, ggf. bei gleichzeitiger Reduktion des physikalischen Sauerstoffeintrages (Reduktion Turbulenz- und Wind-induzierter Fließbewegungen) durch zu starke Reduktion des Windangriffs.
Strukturverbessernde Maßnahmen an der Harle  

Strukturverbessernde Maßnahmen an der Harle

Medem: Anlage eines Seitengewässers bei Neukirchen  

Medem: Anlage eines Seitengewässers bei Neukirchen

Seitengewässer am Rohrichtumer Tief  

Seitengewässer am Rohrichtumer Tief

Ältere, technische Ufersicherung am Fehntjer Tief  

Ältere, technische Ufersicherung am Fehntjer Tief

Technische Ufersicherung an der Ollen  

Technische Ufersicherung an der Ollen

Ufersicherung, die oberhalb der Mittelwasserlinie begrünt ist, Unterwasser aber keine Lebensfunktion übernimmt (Ollen)  

Ufersicherung, die oberhalb der Mittelwasserlinie begrünt ist, Unterwasser aber keine Lebensfunktion übernimmt (Ollen)

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Oliver-David Finch

NLWKN Aurich
Oldersumer Straße 48
26603 Aurich
Tel: +49 4941 176-155

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